Dr. Katja Wezel


Projekt:

Global port cities bündeln die Herausforderungen, Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart auf besondere Weise: Wirtschaftlicher Fortschritt und ökologische Bedrohungen, lokale Stadtentwicklung und Globalisierung, Multiethnizität und Migration.

Das Forschungsprojekt „Die kosmopolitische Stadt. Riga als globaler Hafen und internationale Handelsmetropole (1861-1939)“ verfolgt das Ziel, Riga mit Hilfe der Methoden der Digital Humanities als global port city zu verorten und seine weitreichenden Handelsbeziehungen und wirtschaftlichen Verflechtungen zu analysieren. Die Studie untersucht den Beitrag kosmopolitischer Kaufleute und polyglotter Unternehmer bei der Stadtentwicklung und beim Ausbau Rigas zur Metropole. Gleichzeitig nimmt das Projekt die Netzwerke zu Handelspartnern in Großbritannien, Deutschland und Russland, sowie zu staatlichen Institutionen in St. Petersburg, Berlin und Riga in den Blick.

Der gewählte Untersuchungszeitraum 1861-1939 erlaubt einen longue durée Zugriff und die Gegenüberstellung zweier sehr unterschiedlicher Zeitabschnitte: Riga vor dem Ersten Weltkrieg, als multiethnische Handelsmetropole im ausgehenden Zarenreich mit noch immer starker Stellung deutschbaltischer Kaufleute und Unternehmer, und Riga als Hauptstadt im neugegründeten, demokratischen Lettland der Zwischenkriegszeit, in der Letten und Deutsche sich gemeinsam dem Wiederaufbau des Rigaer Hafens und der europäischen und transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen widmeten.

Der Untersuchung liegt die These zugrunde, dass Unternehmer und Kaufleute aufgrund ihrer internationalen Vernetzung auch bzw. gerade in dieser Periode des Nationalismus sogenannte „a-nationale“ Denkmuster vertraten und diese in politische Diskussionen einbrachten. Zumindest bis Anfang der 1930er Jahre kamen nationale Gegensätze in den Bereichen Wirtschaft und Handel weniger stark zum Tragen, da die Spielräume für Schnittmengen und Gemeinsamkeiten größer waren und letztlich alle ein Ziel verfolgten: den Ausbau und die Erhaltung des Rigaer Hafens, auf dessen wirtschaftlichen Erfolg alle angewiesen waren.


Forschungsschwerpunkte:

  • Geschichte der Baltischen Länder, v.a. Lettlands
  • Geschichtspolitik und Erinnerungskultur
  • Nationalismus und ethnische Konflikte
  • Raumgeschichte
  • Digitale Geschichte


Kurzvita:

Seit 10/2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im BKM-Projekt „Die kosmopolitische Stadt. Riga als globaler Hafen und internationale Handelsmetropole (1861-1939)“ am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August Universität Göttingen

2013-2018: DAAD Visiting Assistant Professor im Fachbereich Geschichte an der University of Pittsburgh, USA

2011: Promotion an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Thema Geschichte als Politikum. Lettland und die Aufarbeitung nach der Diktatur (Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016)

Seit 10/2018: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im BKM-Projekt „Die kosmopolitische Stadt. Riga als globaler Hafen und internationale Handelsmetropole (1861-1939)“ am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August Universität Göttingen

Seit 4/2018: Research Associate am World History Center der University of Pittsburgh, USA

2013-2018: DAAD Visiting Assistant Professor im Fachbereich Geschichte an der University of Pittsburgh, USA

2011: Promotion an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg zum Thema Geschichte als Politikum. Lettland und die Aufarbeitung nach der Diktatur (Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag, 2016)

2011: Zweites Staatsexamen Lehramt für Gymnasien in den Fächern Geschichte und Englisch

2010-2011: Lehrbeauftragte am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg

2008-2009: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar für Osteuropäische Geschichte der Ruprecht-Karls Universität Heidelberg

2005-2008: Mitglied des Graduiertenkollegs „Überwindung von Diktaturen und Aufbau von Zivilgesellschaft in Europa“ an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

1999-2004: Studium der Geschichte und Anglistik an den Universitäten Heidelberg, Aberystwyth (Wales), St. Petersburg (EUSP), Abschluss: Magister und 1. Staatsexamen
An der University of Pittsburgh:

Vorlesung: The Baltic Sea: From the Vikings to Post-Soviet Re-Union (Frühjahr 2018)

Vorlesung: Nationalism (Herbst 2013, Herbst 2014, Herbst 2015, Herbst 2016, Herbst 2017)

Vorlesung: Contemporary Germany, 1918–present (Frühjahr 2015, Frühjahr 2016, Frühjahr 2018)

Vorlesung: Modern Germany, 1871–1945 (Frühjahr 2014)

Vorlesung: History of the Russian Revolution (Herbst 2016, Herbst 2017)

Seminar: The Dictators (Frühjahr 2016)

Seminar: Comparative European History (Herbst 2013, Herbst 2014, Frühjahr 2017)

Seminar: Introductory Seminar: The European Revolutions 1989 – 1991 (Frühjahr 2014, Herbst 2015, Frühjahr 2017)

Graduate Seminar: HIST 2045 Memory Politics (Frühjahr 2015)

An der Universität Heidelberg:

EPG-Übung: Visuelle Repräsentationen von Zeitgeschichte: Bilder als Quellen (SoSe 2011), zusammen mit Katrin Hammerstein

Proseminar: Aufarbeitung des Kommunismus? Erinnerungspolitik in Ostmitteleuropa“ (SoSe 2009)

Leitung einer 7-tägigen Pflichtexkursion nach Lettland und Litauen für Studierende im Fachbereich Osteuropäische Geschichte (August 2009)

Übung: Umbruch, Diktatur und Völkermord im Spielfilm (WiSe 2007/08), zusammen mit Katrin Hammerstein, Birgit Hofmann und Julie Trappe

Übung: Das Ende des Sowjetimperiums und nationale Bewegungen in der UdSSR 1986-1991 (WiSe 2006/07)

Reisestipendium für Lehrende, Russian and East European Studies Center, University of Pittsburgh, 2017

Forschungsstipendium (Jean Monnet Center of Excellence Faculty Research on the European Union Grant), European Studies Center, University of Pittsburgh, 2016

Reisestipendium für Lehrende, Russian and East European Studies Center, University of Pittsburgh, 2015

Publikationsstipendium der Bundesstiftung Aufarbeitung, 2015

DAAD Stipendium für Promovierende zur Forschung in Lettland, 2008

Promotionsstipendium der Heinrich-Böll-Stiftung, 2005-2008

DAAD Jahresstipendium für Studierende zum Studium in Russland, 2002-2003

Erasmus Stipendium zum Studium in Großbritannien, 2000-2001

Monographie:

Geschichte als Politikum: Lettland und die Aufarbeitung nach der Diktatur. (Reihe: Die Ostseeregion. Nördliche Dimensionen – Europäische Perspektiven, Vol. 15). Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 2016.

Aufsätze in rezensierten wissenschaftlichen Zeitschriften:

„‚Okkupanten’ oder ‚Befreier’? Geteilte Erinnerung und getrennte Geschichtsbilder in Lettland“. Osteuropa 58/6 (2008), S. 147–158.

mit Karsten Brüggemann: “Nationally Indifferent or Ardent Nationalists? On the Options of Being German in Russia’s Baltic Provinces, 1905-1917,” Kritika. Explorations in Russian and Eurasian History.

“Transcending Borders: Riga’s Baltic German Entrepreneurs in an Era of Nationalism, Revolution and War.” Journal of Baltic Studies 48/1 (2017), S. 39–54.

“Introduction: Baltic German Perceptions of Belonging in the Nineteenth and Twentieth Century.” Journal of Baltic Studies 48/1 (2017), S. 1–12.

“The Unfinished Business of Perestroika. Latvia’s Memory Politics and its Quest for Acknowledgement of Victimhood in Europe.” Nationalities Papers 44/4 (2016), S. 560–577. DOI: 10.1080/00905992.2016.1142520 [Titel anhand dieser DOI in Citavi-Projekt übernehmen]

„Lettlands ‚Rückkehr nach Europa’ – Erfüllung eines lettischen Traums? Der EU-Beitritt als Projekt der lettischen Elite“. Nordost-Archiv XVIII (2010), S. 132–151.

Herausgeberschaft:

mit Stefan Donecker: Special Issue “Baltic German Perceptions of Belonging in the Nineteenth and Twentieth Century,” Journal of Baltic Studies 48/1 (2017).

mit Birgit Hofmann, Katrin Hammerstein, Julie Trappe und Regina Fritz: Diktaturüberwindung in Europa. Neue nationale und transnationale Perspektiven. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2010.

Aufsätze in Sammelbänden:

“Memory Conflicts as Barrier for Reconciliation: Post-Soviet Disputes between the Baltic States and Russia.” In Lily Gardner Feldman et al. (Hrsg.), The Former Soviet Union and East Central Europe between Conflict and Reconciliation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2019, S. 131-148.

mit Karsten Brüggemann: “Nationally Indifferent or Ardent Nationalists? On the Options for Being German in Russia’s Baltic Provinces, 1905-1917, “ Kritika. Explorations in Russian and Eurasian History 20/1 (2019), S. 39-62.

“Riga’s ‘Cheka House’ – From a Soviet Place of Terror to a Latvian Site of Remembrance?” In Steve Norris (ed.). Museums of Communism: New Memory Sites in Central and Eastern Europe. Bloomington: Indiana University Press (im Erscheinen).

“Loyalty, Minority, Monarchy: The Baltic German Press and 1905.” In Felicitas Fischer v. Weikersthal et. al. (Hrsg.), The Russian Revolution of 1905 in Transcultural Perspective. Bloomington: Slavica Publishers 2013, S. 213–224.

“Country Report Latvia.” In Lavinia Stan und Nadya Nedelsky (Hrsg.), Encyclopedia of Transitional Justice. New York: Cambridge University Press 2012, S. 273–280.

„Lettland und der 23. August 1939: Vom ‚weißen Fleck’ der sowjetischen Geschichtsschreibung zum transnationalen Gedenktag?“ In Anna Kaminsky, Dietmar Müller und Stefan Troebst (Hrsg.), Hitler Stalin Pakt 1939 in den Erinnerungskulturen der Europäer. Göttingen: Wallstein 2011, S. 309–325.

mit Birgit Hofmann: „Einleitung“. In Birgit Hofmann, Katja Wezel, Katrin Hammerstein, Julie Trappe und Regina Fritz (Hrsg.), Diktaturüberwindung in Europa. Neue nationale und transnationale Perspektiven. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2010, S. 1–19.

„‚Brauner’ vs. ‚Roter Genozid’? Geschichtspolitische und filmische Auseinandersetzungen mit dem diktatorischen Erbe in Lettland“. In Birgit Hofmann, Katja Wezel, Katrin Hammerstein, Julie Trappe und Regina Fritz (Hrsg.), Diktaturüberwindung in Europa. Neue nationale und transnationale Perspektiven. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2010, S. 308–323.

“Clashes of Memory in Europe’s ‘New Old Borderland’: Latvian Nation-building and Responses of Latvia’s Russian speaking population.” In Imbi Sooman und Stefan Donecker (Hrsg.), The ‘Baltic Frontier’ Revisited. Cross-Cultural Interactions in the Baltic Sea Region. Wien: University of Vienna 2009, S. 225–246.

mit Regina Fritz: „Konkurrenz der Erinnerungen? Museale Darstellungen diktatorischer Erfahrungen in Lettland und Ungarn“. In Katrin Hammerstein, Julie Trappe, Ulrich Mählert und Edgar Wolfrum (Hrsg.), Aufarbeitung der Diktatur – Diktat der Aufarbeitung? Normierungsprozesse beim Umgang mit diktatorischer Vergangenheit. Göttingen: Wallstein 2009, S. 233–247.

„Nationskonstruktion und Abgrenzung. Lettland nach dem Ende der Sowjetherrschaft“. In Carola Sachse, Edgar Wolfrum und Regina Fritz (Hrsg.), Nationen und ihre Selbstbilder. Postdiktatorische Gesellschaften in Europa. Göttingen: Wallstein 2008, S. 211–232.

Sonstige Publikationen:

“Ethnische Minderheiten und Minderheitenpolitik in Estland, Lettland und Litauen.” In Bernd Lemke (Hrsg.), Wegweiser zur Geschichte. Baltikum (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr). Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2018, S. 181-191.

“Latvia’s Soviet Story. Transitional Justice and the Politics of Commemoration.” In Atslegvardi/Keywords 2 (2009). Online: www.satori.lv/raksts/3111