Erklärung

Ein Neuanfang ist möglich und nötig: zur gescheiterten Präsidentenwahl

Wir sind erleichtert, dass Herr Dr. Sascha Spoun mit seinem Rückzug der Universität ein langwieriges Gerichtsverfahren und weiteren Schaden erspart hat. Unser Dank gilt den Antragstellern im Konkurrentenklageverfahren, ohne die die gravierenden Mängel im Besetzungsverfahren und bei der Wahrnehmung der Kontrollaufgaben durch alle beteiligten Gremien (Findungskommission, Senat, Stiftungsrat) nicht ans Licht gekommen und diese Wendung nicht möglich gewesen wären.

Die Universität hat jetzt die Chance, sich in einem ordentlichen, transparenten Verfahren eine Persönlichkeit für das Präsidentenamt zu suchen, die für einen Neuanfang steht, der auch eine neue Form der governance einschließt.

Voraussetzung für einen solchen Neuanfang ist, dass die Beteiligten Verantwortung für die Beschädigung des Ansehens der Universität – wie übrigens auch des Ansehens der zurückgewiesenen Bewerberinnen und Bewerber – übernehmen. Diese Verantwortung trifft gleichermaßen Stiftungsrat (Stiftungsausschuss Universität), Senat und Findungskommission, aber nicht zuletzt auch das in Findungskommission und Stiftungsrat vertretene und zur Aufsicht berufene Land Niedersachsen. Es erfüllt uns mit Sorge, dass einzelne Beteiligte jetzt die Verantwortung anderen zuweisen, zur Tagesordnung übergehen und auch schon Mutmaßungen über ein zukünftiges Bewerberfeld anstellen.

Wir fordern, dass sich alle Beteiligten ihrer Verantwortung stellen. Nachdem Dr. Wilhelm Krull als Vorsitzender des Stiftungsrates und der Findungskommission der seit längerem erhobenen Forderung zum Rücktritt am heutigen Tage entsprochen hat, rufen wir nun auch den Kollegen Nicolai Miosge, ebenfalls Mitglied der Findungskommission, des Stiftungsrates und des Senates, auf, von seinen Ämtern zurückzutreten und den Weg für einen Neuanfang frei zu machen.

Ebenso fordern wir alle weiteren Beteiligten dazu auf, zu prüfen, ob ihre Rolle in dem Verfahren mit dem Interesse an einem Neuanfang vereinbar ist. Dies gilt vor allem für die Senatorinnen und Senatoren, die gewählt wurden, um die Interessen aller Statusgruppen der Universität zu vertreten. Mitglieder des Senates, die an dem rechtlich zweifelhaften Verfahren beteiligt waren und es bis zuletzt – offenbar ohne die Dokumentation im Vorfeld hinreichend geprüft zu haben oder aber wider besseres Wissen – für rechtskonform erklärt haben, müssen ihre Ämter zur Verfügung stellen. Insbesondere diejenigen fünf Senatorinnen und Senatoren, die nun in einer öffentlichen Erklärung behaupten, sie hätten erst vor kurzem von den Verfahrensfehlern erfahren und darum – unter Androhung ihres Rücktritts – andere zum Rücktritt drängen, fordern wir auf, sich ebenfalls ihrer Verantwortung zu stellen und ihre Ankündigung ohne wenn und aber in die Tat umzusetzen.

Wir missbilligen die Rolle, die der Senat in dem Verfahren gespielt hat, weil er seiner Pflicht zur Verfahrenskontrolle nicht nachgekommen ist und die aufgekommenen Zweifel an dem Verfahren nicht ernst genommen hat. Mit diesem Senat ist in seiner derzeitigen Zusammensetzung ein Neuanfang in vertrauensvoller Zusammenarbeit nicht möglich.

Für das nun anzustrebende neue Auswahlverfahren fordern wir von Stiftungsrat, Senat und Präsidium unter aktiver und kooperativer Einbeziehung der Dekane (Dekanekonzil)


  • einen vollständigen, von externen Juristen geprüften Bericht über das zurückliegende Verfahren, der dem Senat vorgelegt wird,
  • eine neue Ausschreibung,
  • die Einsetzung einer neuen Findungskommission mit anderen Mitgliedern,
  • ein Verfahren, das in einem transparenten Ablauf Fakultäten und Gruppen die Möglichkeit bietet, Bewerberfeld und Kandidaten kennenzulernen und dazu Stellung zu nehmen.


Sollte es notwendig sein, eine Interimspräsidentin oder einen Interimspräsidenten einzusetzen, fordern wir, über diese Personalie das Einvernehmen mit dem Dekanekonzil herzustellen.

Göttingen, den 22. August 2019

Martin Ahrens (Jura)
Dorothea Bahns (Mathematik)
Laurent Bartholdi (Mathematik)
Christoph Bräuer (Deutsche Philologie)
Jörg Brüdern (Mathematik)
Peter Burschel (Geschichte)
Rolf Daniel (Biologie)
Stefan Dreizler (Astrophysik)
Jörg Enderlein (Physik)
Reinhard Feldmeier (Theologie)
Thomas Friedl (Biologie)
Stefan Halverscheid (Mathematik)
Peter Gemeinhardt (Theologie)
Andreas Grünschloss (Religionswissenschaft)
Hans Hofsäss (Physik)
Stephan Huckemann (Mathematik)
Reinhard G. Kratz (Theologie)
Thomas Kaufmann (Theologie)
Jonas Kley (Geowissenschaften)
Winfried Kurth (Informatik)
Peter Kuhlmann (Klassische Philologie)
Martin Laube (Theologie)
Jens Peter Laut (Turkologie und Zentralasienkunde)
Volker Lipp (Jura)
Manfred Luchterhandt (Kunstgeschichte)
Bernd Ludwig (Philosophie)
Henrike Manuwald (Deutsche Philologie)
Franiska Meier (Romanistik)
Preda Mihailescu (Mathematik)
Reinhard Müller (Theologie)
Heinz-Günther Nesselrath (Klassische Philologie)
Eva Orthmann (Iranistik)
Christian Polke (Theologie)
Torsten Pflugmacher (Deutsche Philologie)
Joachim Reitner (Geobiologie)
Frank Rexroth (Geschichte)
Angela Rizzi (Physik)
Irene Schneider (Arabistik/Islamwissenschaft)
Dominic Schuhmacher (Mathematik)
Peter Tobias Stoll (Jura)
Ilinca Tanaseanu-Döbler (Religionswissenschaft)
Barbara Veit (Jura)
Max Wardetzky (Mathematik)
Eberhard Winkler (Sprachwissenschaft)
Philip Vana (Chemie)

Die Liste ist weiter zur Unterschrift offen