Kunstgeschichtliches Seminar

Wissen | Ausstellen. Eine Wissensgeschichte von Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ausstellungen sind Orte, an denen und durch die gesellschaftlich verfügbares Wissen aufgenommen, verhandelt, verändert und vermittelt wird. Sie sind Deutungsinstanzen, schaffen Sinnbezüge und dienen der kulturellen und gesellschaftlichen Selbstvergewisserung. Damit spielen sie eine entscheidende Rolle im Prozess der Generierung und Verhandlung von Wissen in wissensbasierten Gesellschaften. Das geplante Promotionskolleg zielt darauf, das interdependente Feld zwischen Wissen und Ausstellungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhand von sieben Fallbeispielen zu untersuchen und ihre Beziehung mit wissenshistorischen Methoden zu analysieren. Welches Wissen, das in akademischen und gesellschaftlichen Diskursen kursiert, findet Eingang in eine Ausstellung? Wer sind die Träger*innen und Vermittler*innen des Wissens? Wie wird dieses Wissen in Ausstellungen expliziert, in Objektarrangements übersetzt, selektiert oder verändert?

Eine zentrale Grundannahme ist, dass Ausstellungen das kurzzeitig sichtbare Ergebnis vielschichtiger Aushandlungsprozesse sind, an denen verschiedene sichtbar werdende und unsichtbar bleibende Akteure beteiligt sind und die durch eine Vielzahl expliziter und impliziter
Rahmenbedingungen geprägt werden. Daher muss eine umfassende Analyse der Interdependenzen zwischen Wissen und Ausstellungen neben den schriftlichen und bildlichen Quellen, die im Zuge ihrer Konzeption, Umsetzung und Rezeption entstanden sind, auch das implizite und praktische Handlungswissen einbeziehen, das in der Regel nicht schriftlich festgehalten wird.

Um der Komplexität des Zustandekommens und der Wirkung von Ausstellungen gerecht zu werden, verbringen die sieben Promovierenden daher ein Jahr ihrer insgesamt vierjährigen Förderphase an einem kooperierenden, eng mit dem Promotionsthema korrespondierenden Museum. Die Mitarbeit an der Konzeption und Umsetzung einer Ausstellung in der Praxisphase ermöglicht ihnen, eine andere Perspektive auf das historische (überwiegend textliche) Material einzunehmen. Die von einer historischen Distanz geprägte Arbeit über Ausstellungen wird somit durch die praktische Arbeit an Ausstellungen angereichert. Die curricular im Promotionskolleg verankerte Verknüpfung von Theorie und Praxis sorgt dafür, dass die sieben Promovierenden einen erweiterten Forschungsansatz verfolgen. Zugleich ermöglicht ihnen das Praxisjahr, bereits während ihrer Qualifikationsphase Kompetenzen und Erfahrungen zu sammeln und Netzwerke zu knüpfen, mit denen sie sich erfolgreich auf ihren weiteren universitären, insbesondere aber auch außeruniversitären Berufsweg vorbereiten können.

Die im Rahmen des praxisorientierten Forschungskollegs gesammelten Erfahrungen und die von den Promovierenden aufgebauten Kontakte sollen während und nach der Förderung des Kollegs weiter genutzt werden, um die Vernetzung zwischen der geisteswissenschaftlichen Nachwuchsförderung und außeruniversitären Institutionen des Wissenstransfers nachhaltig zu gestalten und sukzessive zu erweitern.