Forschungsprojekte

I. Laufende Projekte

Intergenerationale Weitergabe von NS-Widerstand: Verbale und visuelle Praktiken
Habilitationsprojekt

Das Projekt untersucht seine Fragestellungen anhand einer Verknüpfung biographischer Fallrekonstruktionen mit Analysen von Familiengesprächen und der Analyse von Fotografien sowie ihrer visuellen Praktik und fragt danach, wie Erfahrungsbestände und Denkweisen, aber auch Handlungsproblematiken von Generation zu Generation „übertragen“ werden und in welcher Weise sich dies in biographischen Handlungsweisen der nächsten Generationen niederschlägt. Es handelt sich um das Folgeprojekt des Hertha-Firnberg-Projekts und führt dessen methodenpluralen Ansatz fort. Es wird die Frage stärker in den Mittelpunkt gerückt, in welcher Weise in und über Fotografien biographische, intergenerationale und familiale Prozesse und Strukturen mitgestaltet und hergestellt werden. Ziel ist es, mögliche Unterschiede oder auch Ähnlichkeiten zwischen mündlichen Narrationen und Fotografien hinsichtlich ihrer Bedeutung und Funktion für biographische, intergenerationale und familiale Prozesse und damit ihre Bedeutung für die Herstellung sozialer Wirklichkeit vergleichend zu erfassen. Daran schließt die Frage nach der Bedeutung der Materialität von mündlichen Narrationen und Fotografien für diese Unterschiede und Ähnlichkeiten an sowie jene danach, in welcher Weise dieser in methodenpluralen Forschungen Rechnung getragen werden muss.

Stigmatisierte Familienvergangenheiten: Intergenerationale Erinnerungsprozesse und Narrative von Nachkommen von NS-„Berufsverbrechern“
Laufzeit 2018-2019
Förderung: Zukunftsfond der Republik Österreich
Leitung: Prof. Dr. Maria Pohn-Lauggas (Universität Göttingen), Mag. Andreas Kranebitter (Forschungsstelle der KZ-Gedenkstätte Mauthausen)

Ein Blick auf die österreichische Nachkriegsgeschichte zeigt, dass NS-Täter/innen, Mitläufer/innen und ihre Familien in Form von Kriegsgefallenendenkmälern oder Stammtischen immer öffentlich erinnert wurden. Auch Opfer des Nationalsozialismus und Überlebende „rassischer“ und anderer Verfolgung haben – nach langwierigen Auseinandersetzungen – zunehmend Sichtbarkeit erreicht und wurden bis zu einem gewissen Grad als solche anerkannt. Menschen hingegen, die als „Berufsverbrecher“ vom NS-Regime in Konzentrationslager deportiert wurden, zählen bis heute zu stigmatisierten NS-Opfergruppen und sind in der öffentlichen Erinnerung weitgehend unsichtbar. Das Forschungsprojekt wendet sich dieser Opfergruppe zu. Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen die intergenerationalen Erinnerungsprozesse und Narrative der Nachkommen von so genannten NS-Berufsverbrechern.

Institutsprojekt „Wege in die Zukunft“: Eine Längsschnittstudie über die Vergesellschaftung junger Menschen in Wien
Laufzeit 2016-2021
Leitung: Prof. Dr. Jörg Flecker
Steuerungsgruppe: Dr.in Andrea Jesser, Prof. Dr. Yuri Kazepov, Barbara Mataloni MA, Prof. Dr. Maria Pohn-Lauggas, Prof. Dr. Christoph Reinprecht, Maria Schlechter MA, André Schmidt BA, Dr. Susanne Vogl, Dr. Veronika Wöhrer, Ass.-Prof. Dr. Ulrike Zartler
Kooperationen: Stadtschulrat für Wien, Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (WAFF), Arbeiterkammer Wien
Projekthomepage: www.wegeindiezukunft.at

Die Längsschnittstudie untersucht Vergesellschaftungsprozesse junger Menschen in Wien. Ausgehend von Jugendlichen, die sich im Übergang von der Schule ins Erwerbsleben und in einen weiteren Bildungsweg befinden, nimmt das Projekt verschiedene, miteinander verbundene Bereiche der Lebensphase Jugend in den Blick: Bildungssystem und Berufsausbildung, Erwerbsarbeit und Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik, familiäre Beziehungen und soziale Verflechtungen sowie Identitätsbildungsprozesse und jugendkulturelle Dynamiken. Das Projekt legt das Augenmerk auch auf erhoffte und realisierte Lebensentwürfe junger Wiener und Wienerinnen.
Die Längsschnittstudie basiert auf einem sequentiellen Mixed-Methods-Forschungsdesign. Ich bin Mitglied der Steuerungsgruppe, die für den Forschungsprozess verantwortlich ist, über zentrale methodische Fragen entscheidet, den Datenerhebungs- und Auswertungsprozess begleitet und verantwortlich für die Aufbereitung und Archivierung der Daten ist.


II. Abgeschlossene Projekte

Widerstand gegen den NS und seine intergenerationale Tradierung in österreichischen Familien
Förderung: Hertha-Firnberg-Programm, Österreichischer Wissenschaftsfond (FWF), Austrian funds: T 603 G-22
Laufzeit: Mai 2013-November 2016
Projekt-Video: http://scilog.fwf.ac.at/videos/deutungskaempfe-um-die-vergangenheit

Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist nicht Teil des nationalen österreichischen Gedächtnisses. Dies ist nicht zuletzt eine Konsequenz des sog. Opferdiskurses, der sich nach 1945 etablierte, sich erst ab den 1980er Jahren transformierte und nicht zuletzt für die Tabuisierung des Sprechens über die Täterschaft österreichischer Nationalsozialist/inn/en sorgte. Die solcherart legitimierte Verantwortungsabwehr ging einher mit der Tabuisierung bzw. Marginalisierung von Widerstand. Dies war der Ausgangspunkt meines in den letzten Jahren durchgeführten Projekts in methodenpluraler Mehrgenerationenforschung, in dem ich danach fragte, in welcher Weise sich das widerständige Handeln gegen den Nationalsozialismus im Kontext des nationalen Gedächtnisses auf die Biographien der Nachkommen auswirkt und welche intergenerationalen Erinnerungsstrukturen ausgebildet werden. Da diejenigen, die widerständig gehandelt haben und das eigene Erleben verbal vermitteln konnten, zu einem sehr großen Teil nicht mehr als Gesprächspartner/innen zur Verfügung stehen, wurden in die Frage nach intergenerationalen Erinnerungsprozessen auch Fotografien einbezogen. Fotografien präsentieren bildhaft familiale historische Hinterlassenschaften. Das Projekt fragte nach der Art und Weise, wie die Vergangenheit in Fotografien erinnert wird und welche Bedeutung den Fotografien in der Vermittlung der Familiengeschichte an nachfolgende Generationen zukommt. Die methodologische und methodische Verknüpfung des Ansatzes der biographischen Fallrekonstruktion, der Analyse inter- und intragenerationaler Dialoge mit jenem der Bildanalyse auf Ebene der Daten und Interpretation stand im Mittelpunkt des Projekts. Die Ergebnisse stellen den Ausgangspunkt des meines Habilitationsprojekts dar (siehe „Intergenerationale Weitergabe von NS-Widerstand: Verbale und visuelle Praktiken“).

Mémoires de passeurs, passeurs de mémoires. Lieux, temps et formes de la transmission et de l’oubli
Auftraggeber: Maison des Sciences de l’Homme Paris Nord (MSHPN)
Leitung: Dr. Céline Barrère, Prof. Dr. Claire Lévy-Vroelant, Prof. Christoph Reinprecht, Mitarbeiterinnen: Dr. Maria Pohn-Lauggas, Dr. Gabi Anderle
Laufzeit: 2014-2015
Das Projekt diente der Vernetzung von Forscherinnen und Forschern aus Frankreich, Dänemark, USA, Tschechien und Österreich, die sich aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln mit Aspekten des kollektiven Gedächtnisses hinsichtlich der Shoah, des Kolonialismus und der Migration beschäftigen und sich dabei für den Prozess der Weitergabe („passeur“) interessieren, einschließlich der Rolle des Forschers und der Forscherin darin. Das Projekt wurde um vier Seminare herum organisiert, in denen folgenden Themen behandelt wurden: Kollektives Gedächtnis zwischen Dominanz und Emanzipation; Instrumentalisierung und Metamorphose; Urbaner Raum als Erinnerungsort; methodologische Anforderungen und Probleme.

„Heroisierte Opfer?“ Bearbeitungs- und Handlungsstrukturen von 'Trümmerfrauen' in Wien unter besonderer Berücksichtigung des vergeschlechtlichten Opferdiskurses
Dissertation
Laufzeit: 2006-2011