Karolin Wetjen


Wissenschaftliche Biographie


  • Seit 2/2017: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte, Georg-August-Universität Göttingen
  • 2/2013-1/2017: Stipendiatin in der Promotionsförderung der Studienstiftung des Deutschen Volkes
  • 10/2013-12/2013: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte, Georg-August-Universität Göttingen
  • Seit 4/2012: Promotionsstudium am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte, Betreuerin: Prof. Dr. Rebekka Habermas. Arbeitstitel: Aushandlungen von Religion. Theologische Diskurse zwischen Afrika und Europa am Ende des 19. Jahrhunderts
  • 4/2012-4/2013 Wissenschaftliche Hilfskraft, Universität Göttingen, Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte, Lehrstuhl Prof. Dr. Rebekka Habermas, und DFG Graduiertenkolleg 1599, Dynamiken von Raum und Geschlecht.
  • 10/2006-3/2012 Studium der Geschichte und der Lateinischen Philologie mit den Abschlüssen Master of Education und Master of Arts




Projekt

In meinem Dissertationsprojekt, das an der Schnittstelle von Missions-, Religions-, Theologie- und Wissensgeschichte angesiedelt ist, untersuche ich am Beispiel der Leipziger Afrikamission in einer Verbindung diskursanalytischer und mikrohistorischer Ansätze, wie sich theologische Wissensbestände um 1900 in der Mission als Kontaktzone veränderten und wie diese Veränderungen Eingang fanden in die Universitätstheologie und in die Debatten um die Bedeutung von Religion, wie sie in einer breiteren Öffentlichkeit geführt wurden. Im Mittelpunkt steht dabei die Hypothese, dass Missionare unter Rückgriff auf ihr theologisches Wissen wesentlich an der Aushandlung dessen, was christliche Religion im Kaiserreich ? in Abgrenzung zu fremden Religionen und zum als »säkular« Verstandenen - bedeutete, beteiligt waren. Mehr noch, das Missionsgebiet fungierte in dem Transfer und den damit einhergehenden Veränderungen und Aushandlungen theologischen Wissens als ein Laboratorium für eine alternative christliche Moderne.





Veröffentlichungen


  • »... ich ersuche ihn herzlich, uns recht oft mit seinen vortrefflichen Aufsätzen zu erfreuen.« Christliche Autoren in der Zeitschrift Sulamith, in: Medaon - Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung 5 (2011), Nr. 8, S. 1-7, online unter http://medaon.de/pdf/ M_Oppermann-8-2011.pdf
  • Tagungsbericht: Missionarinnen und Missionare als Akteure der Transformation und des Transfers. Außereuropäische Kontaktzonen und ihre europäischen Resonanzräume, 1860-1940. 29.09.2011-01.10.2011, Göttingen, in: H-Soz-u-Kult, 12.11.2011, online unter http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=3888.
  • Das Globale im Lokalen. Die Unterstützung der Äußeren Mission im ländlichen lutherischen Protestantismus um 1900, Göttingen 2013.
  • Mission im, trotz und als Kolonialismus. Anmerkungen zur Leipziger, in: Habari 16 (2014), H. 3, S. 36-43.
  • Der Körper des Täuflings. Konstruktionen von Körpern und die Beschneidungsdebatte der Leipziger Missionsgesellschaft, ca. 1890-1914, in: Siegfried Weichlein/Linda Ratschiller (Hg.), Europäische Missionare und afrikanische Körper, Köln/Weimar/Wien 2016, S. 73-94.
  • Abdrucken, Verändern, Auslassen. Das Stationstagebuch der Station Mamba im Missionsblatt der Leipziger Missionsgesellschaft um 1900, in: Silke Strickrodt/Katja Werthmann/Geert Castrick (Hg.), Sources And Methods For African History And Culture. Essays in Honour of Adam Jones, Leipzig 2016, S. 201-220.
  • Religionspädagogische Resonanzen und die Mission. »Christianity-Making« im missionarischen Bildungsraum am Ende des 19. Jahrhunderts, in: David Käbisch/Michael Wermke (Hg.), Transnationale Grenzgänge und Kulturkontakte: historische Fallbeispiele in religionspädagogischer Perspektive / Arbeitskreis für Historische Religionspädagogik, Jahrestagung, Leipzig 2017, 23-38.


  • Übersetzung aus dem Englischen: Patrick Harries, Von der Information zum Wissen. Ein Missionsarchiv zu Afrika, in: Rebekka Habermas/Alexandra Przyrembel, Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne, Göttingen 2013, S. 126-136.




Vorträge

  • »Bescheiden werfen wir einen Schleier über diese gräuliche Vergangenheit ...«. Die Entwicklung neuer Konzepte des Judentums in der Zeitschrift Sulamith (1806-1815), Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums von Prof. Dr. Habermas und Dr. Alexandra Przyrembel, Göttingen, Juli 2009.
  • Von Sammelbüchsen und Missionsfesten. Missionsvereine als Agenturen des Außereuropäischen, Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums von Prof. Dr. Habermas und Dr. Richard Hölzl, November 2011.
  • Missionare als Theologen. Theologische Diskurse zwischen Afrika und Europa am Ende des 19. Jahrhunderts. Werkstattbericht eines Dissertationsprojekts, Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums von Prof. Dr. Habermas und Dr. Richard Hölzl, Göttingen, November 2012.
  • Lokal und doch Global. Die Unterstützung der Äußeren Mission im ländlichen Protestantismus, Vortrag auf den 3. Schweizerischen Geschichtstagen, Fribourg, Februar 2013.
  • Glauben und Wissen. Die Taufpraxis der Leipziger Mission am Kilimandscharo um 1900, Präsentation eines Arbeitspapieres auf dem »Workshop on Afro-European Contact-Zones«, im Rahmen des Kulturhistorischen Afrikakolloquiums von Prof. Dr. Adam Jones, Universität Leipzig, Polenz, Juli 2013.
  • Der Körper des Täuflings. Körperwissen und Missionspraxis um 1900 am Beispiel der Beschneidungsdebatte der Leipziger Mission, Präsentation eines Arbeitspapieres auf dem »Workshop on African History & Culture«, veranstaltet von Prof. Dr. Adam Jones, Universität Leipzig, Polenz, Mai 2014.
  • Mission und Moderne. Grenzziehungen des Religiösen in Mission und Theologie im Kaiserreich. Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums von Prof. Dr. Isabel Richter und Prof. Dr. Rebekka Habermas, Göttingen, Juni 2014.
  • "Eine feste Burg ist unser Gott". Kirchenmusik und Identität in der Mission um 1900, Vortrag auf der Tagung »Klang und Identität«, Naumburg, November 2014.
  • Katechismus, Biblische Geschichte und Abendsegen. Kanonisierungen in Theologie und Mission, 1890-1914. Vortrag am Tag der Göttinger Graduiertenschule für Geisteswissenschaften, Göttingen, November 2014.
  • Christianity Making. Entangled Mission Work in East Africa, 1880-1914. Vortrag im DFG-Graduiertenkolleg »Religiöser Nonkonformismus und kulturelle Dynamik«, Universität Leipzig, November 2014.
  • Mission und Moderne. Christianity Making am Beispiel der Leipziger Missionsgesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts. Vortrag auf dem Doktoranden-Workshop "Europäische Überseemissionen im 19. und 20. Jahrhundert", Eichstätt, September 2015.
  • Auswählen und Auslassen. Transkulturelle Popularisierung der Bibel in der Mission um 1900. Posterpräsentation auf der Tagung der Jungen Akademie »Popularisierung heiliger Texte«, Bern, September 2015.
  • Das Christentum übersetzen. Bibelübersetzungen und missionarische Verkündigung. Präsentation eines Arbeitspapieres auf dem »9th Workshop on African History & Culture«, veranstaltet von Prof. Dr. Adam Jones, Universität Leipzig, Polenz Oktober 2015.
  • Verflochtene Mission. Bibelübersetzung und missionarische Verkündigung der Leipziger Mission in Ostafrika um 1900. Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums von Prof. Dr. Rebekka Habermas und Dr. Richard Hölzl, Göttingen, Januar 2016.
  • Christentum vermitteln. Religiöse Unterweisung als Christianity Making, Vortrag auf der Jahrestagung des Arbeitskreises für historische Religionspädagogik "Religiöse Erziehung, Bildung und Sozialisation im Wandel. Transnationale Grenzgänge und internationale Beziehungen", Frankfurt, April 2016.
  • Begrüßung und Einführung in den Workshop (gemeinsam mit Linda Ratschiller). "New Approaches to Mission history". Fribourg, Juni 2017.
  • Entangled Mission: Bruno Gutmann, Ethnography, and Religion in Modernity, ca. 1890-1920. Vortrag auf der 40th German Studies Annual Conference, San Diego, CA, September 2017.





  • Lehrveranstaltungen

    Wintersemester 2017/18


    • Bachelorseminar (gemeinsam mit Prof. Dr. Rebekka Habermas): Göttingen postkolonial

      Im Mittelpunkt des Seminars steht die Frage, wie kolonial Göttingen zwischen 1870 bis 1930 war? Welche kolonialen Spuren lassen sich in der Stadt finden? Ziel des Seminars ist es, am Beispiel einer Universitätsstadt wie Göttingen den alltäglichen Kolonialismus des Kaiserreichs und der Weimarer Republik zu erforschen.
      Wir werden im Laufe des Seminars eigenständige Quellenrecherche und -auswertung vornehmen: Gesucht werden von den Studierenden etwa Unterlagen, des Göttinger Kolonialvereins, des hiesigen Missionsvereins oder auch akademischer Vereine, um herauszufinden, wer in Göttingen in welcher Form koloniale Ideen entwickelt und verbreitet hat. Kolonialwaren geraten in dem Seminar ebenso in den Blick wie die ganz alltägliche Kolonialpropaganda, wie sie in Kolonialromanen, aber auch in Jugendbüchern, die in der hiesigen Kinder- und Jugendbuchsammlung zu finden sind, verbreitet war.
      In dem Seminar soll überdies die Universität selbst kritisch in den Blick genommen werden. Welche Wissenschaften haben koloniales Wissen erarbeitet? Einzelne Lehrende haben beispielsweise sowohl an der Universität als auch an der Kolonialschule Witzenhausen unterrichtet oder Expeditionen in kolonial besetzte Gebiete unternommen. Hier ist vor allem an die Fächer zu denken, die sich mit außereuropäischen Räumen beschäftigen. Außerdem werden wir uns mit einigen Sammlungen beschäftigen, etwa solchen Sammlungen, die Kolonialbeamte der Universität spendeten.
      Im Zuge des Seminars soll eine Ausstellung erarbeitet werden, in der die Ergebnisse einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt werden.

      Einführende Literatur:
      Internetseiten der Initiative Freiburg-postkolonial



    Sommersemester 2017


    • Proseminar: Die Geschichte von Missionen im langen 19. Jahrhundert - Akteure, Diskurse, Praktiken

      Mittwochs 8-11 Uhr


      Das lange 19. Jahrhundert war gekennzeichnet von einer ganzen Reihe an religiös motivierten Vereinen und Initiativen, die sich sozialen und missionarischen Zwecken widmeten. Während einige sich der Verbreitung des christlichen Glaubens in fernen, häufig kolonial besetzten Gebieten widmeten, zielten andere auf sittliche und moralische Verbesserungen der sogenannten "unteren Schichten" und versuchten eine Antwort auf die soziale Frage zu finden.
      Das Proseminar widmet sich der verflochtenen Geschichte der "inneren" und "äußeren" Mission im langen 19. Jahrhundert. Das Proseminar gibt dabei auch eine Einführung in die Sozial- und Kulturgeschichte des Kaiserreichs.
      An Beispielen werden im Seminar und in der dazugehörigen Übung die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens und der Umgang mit Quellen und Literatur erprobt sowie eine Einführung in wichtige Forschungsansätze in der Neueren Geschichte gegeben. Das Proseminar kann mit einem Portfolio oder einer Hausarbeit abgeschlossen werden.

      Einführende Lektüre:
      Rebekka Habermas, Mission im 19. Jahrhundert. Globale Netze des Religiösen, in: Historische Zeitschrift 287 (2009), 629-679.
      Günter Scholz/Ernst Opgenoorth, Einführung in das Studium der Neueren Geschichte, Paderborn 72010


    • Aufbauseminar: Der Postcolonial Turn in der Forschung zum deutschen Kaiserreich

      Mittwochs, 12-14 Uhr


      Die Beschäftigung mit (post-)kolonialen Kulturen, mit Kulturkontakten und Fragen nach Differenz hat in den letzten Jahren die Forschung massiv beeinflusst. Dies ist maßgeblich dem Aufstieg der Postcolonial Studies seit den 1980er Jahren zu verdanken. Im Seminar wollen wir uns mit den Grundanliegen der Postcolonial Studies beschäftigen und nach deren Einfluss auf die Forschung zum deutschen Kaiserreich fragen. Diskutiert werden im Seminar Forschungen, die sich mit kolonialer Herrschaft, Imaginationen und Sehnsüchten in Verbindung mit den Kolonien, Geschlechterordnungen sowie möglicher Verbindungen von Kolonialismus und Nationalsozialismus beschäftigen.
      Die Bereitschaft zur Lektüre auch von längeren englischsprachigen bzw. theoretischen Texten wird vorausgesetzt. Das Seminar kann mit einer Hausarbeit oder drei Essays bzw. einem Literarturbericht und einer Quelleninterpretation abgeschlossen werden.

      Sebastian Conrad/Shalini Randeria/Regina Römhild (Hg.), Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt am Main ²2011.
      Julia Reuter/Alexandra Karentzos (Hg.), Schlüsselwerke der Postcolonial Studies, Wiesbaden 2012.