Massenbrief an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur

Stellungnahme Massenbrief

Der COVID-19 Ausbruch hat in der Vorbereitungsphase des Sommersemesters 2020 das gesellschaftliche Leben stark erschüttert. Im Laufe der vergangenen Monate kam es zu vielen Einschränkungen, aber auch anschließenden Lockerungen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Für die Universitäten bedeutete dies ein adhoc-Onlinesemester zu einem Zeitpunkt, an dem weder Lehrende noch Studierende umfassend und ausreichend in allen Lebensbereichen darauf vorbereitet waren.
Während des vergangenen Sommersemesters 2020 konnte innerhalb des gesamten Universitätsapparates beobachtet werden, wie sich eine 'neue Normalität' einerseits und viel Frust andererseits entwickelte. Weder war die technische Ausstattung flächendeckend zufriedenstellend, noch gab und gibt es Aussicht in allen Studiengängen, vor allem in den sehr praxisorientierten, zu einer sinnvollen Ausbildung im Labor und Gelände bzw. wichtigen Diskussionsrunden und anderen Seminaren in Präsenz zurückkehren. In einigen Studiengängen ist der Anteil der praktischen Arbeiten derart hoch, dass bis zu 70% der Veranstaltungen ersatzlos entfallen. Diese können weder in drei Monaten vorlesungsfreier Zeit unter den momentanen Bedingungen nachgeholt werden, noch bietet das Wintersemester ausreichend Kapazitäten dies zu tun.
Es kommt folglich zwangsweise zu einer Verlängerung der Studienzeit um einen im Moment unbekannten Zeitraum, die nicht selbst verschuldet ist. Diese psychische und finanzielle Mehrbelastung wird mit einer Verlängerung der rein digitalen Lehre noch erhöht und unseres Erachtens nach von der Landesregierung in keinster Weise berücksichtigt.
Beim Thema Präsenzlehre dürfen wir als Studierende mit ansehen, wie die Schulen wieder Präsenzunterricht einführen und im Vereinssport Vollkontakt mit verhältnismäßig vielen Leuten in kleinen Hallen erlaubt ist, während es für die praxisorientierten Studiengänge und ihre Studierbarkeit essentiell notwendig ist, dass eine Öffnung der Universitäten für Lehre in kleinen Präsenzgruppen erfolgt. Zudem ist es ebenfalls erforderlich, die stark betroffenen wissenschaftlichen Mitarbeiter besser zu unterstützen, da diese einen großen Anteil der Lehre mittragen.

Von der eigenen Hochschulpolitik hört man jedoch nur Verweise auf eben jene Regierung. Umfragen der Hochschulleitung zur Studierbarkeit und technischen Ausstattung kamen erst mitten im Semester (07.05.), erste Ergebnisse sogar erst kurz vor der Prüfungsphase (19.06.). Dass Ergebnisse zu den Freitext-Kommentaren vorliegen, wurde noch nicht einmal hinreichend kommuniziert. Eine qualitative Auswertung ist nicht vorhanden.
Bei öffentlichen Dialogen mit dem Präsidium und dem AStA wurden Fragen nicht zielführend beantwortet und auch keine Stellungnahmen zur niedersächsischen Hochschulpolitik geäußert. Diese sind aber zwingend notwendig, wenn die Universität ihren guten Ruf und auch wieder den Elitestatus erhalten will, angesichts der Tatsache, dass die niedersächsische Landespolitik Fördergelder immer weiter an die Produktivität innerhalb von Regelstudienzeiten knüpft.
Gleichzeitig ist es aber vielen Studierenden immer weniger möglich, ihr Studium nur mit Hilfe von BaFög bzw. Unterstützung der Eltern zu absolvieren und müssen daher nebenbei Teilzeit arbeiten. Die Probleme dieses Systems waren bereits vor der Pandemie bekannt und wurden nicht ausreichend gewürdigt und verhindert. So führt die anhaltende Ausnahmesituation viele Studierende weiter in einen Schuldenberg und Existenzängste, während es zeitgleich zu extremer sozialer Isolation aufgrund der digitalen Lehre kommt.

Um auf diese Notlage vieler Studierenden und vieler Studiengänge hinzuweisen, haben wir das Medium des Massenbriefs gewählt. Diese Auswahl ist in diesem Fall damit zu begründen, dass in Zeiten von Corona und einer möglichen zweiten Welle Kundgebungen und Demonstrationen nicht unbedingt das Mittel der Wahl sein sollten. Zudem scheinen die bereits stattgefundenen Veranstaltungen dieser Art keinen Effekt zu haben.

Der hier ausformulierte Brief wurde mit Hilfe des AStA Göttingen und dem uniweite Kannsemester-Bündnis gemeinsam formuliert. Er drück die Notlage vieler Studierenden aus und soll das Ministerium für Wissenschaft und Kultur dazu bringen, endlich auf die Forderungen der Studierenden zu hören. Dank dem AStA und dem Studentwerk Göttingen findet ihr diesen in der Z-Mensa und der coffebar ins grüne. Wert ihn in eine unserer Boxen oder in den Briefkasten des AStA und wir kümmern uns ums Abschicken. Solltet ihr nicht in Göttingen sein, findet ihr weiter unten auch den Link zum PDF und könnt Ihn selbst ausdrucken und abschicken.

Wenn ihr unsere Aktion gut findet, dann sagt es weiter, teilt das PDF mit euren Freunden und Kommilitonen und nutzt euer Netzwerk damit wir irgendwann ganz Niedersachsen abgedeckt haben, und das Ministerium endlich reagiert. Gerne könnt ihr als Fachgruppe, Fakultät oder anderweite universitäre Institution uns auch sichtbar unterstützen, und euch auf unserer Unsterstützer-Seitebeteiligen. Schreibt uns dafür einfach eine e-Mail (wenn möglich gerne auch mit eurem Logo).
Bei den von uns gesponsorten Briefen be- bzw. verarbeiten wir eure Daten natürlich nach dem Briefgeheimnis: Wir falten die Briefe, tüten sie ein, frankieren sie und schicken sie ab - mehr nicht.
Danke Euch!


Hier den Brief downloaden



Fragen?


Ihr könnt uns gerne eine E-Mail mit dem Betreff "Massenbrief ans Ministerium" an info@fs-geowi-goe.de schicken. Von vorn herein behalten wir uns vor, Fragen und die Antworten zu dem Thema auf dieser Website zu veröffentlichen.