Promotionen

A. Promotionen (noch nicht abgeschlossen)


  • Johanna Strunge
    Koloniales Erbe Ausstellen: Post(-)koloniale Ausstellungspraktiken deutscher Hafenstädte seit den 1970er Jahren


    Debatten der letzten Jahrzehnte haben in vielen europäischen Ländern die eigene Kolonialvergangenheit ins Gedächtnis gerufen. Die Diskussion um die Provenienz ethnologischer Sammlungen in vielen Metropolen und das neu entstehende Humboldt Forumin Berlin haben dabei auch das Museum in den Fokus der Diskussion gerückt und die Frage nach post-kolonialen Kontinuitäten von musealen Räumen gestellt. Das Promotionsprojekt setzt hier an und geht der Frage von post-kolonialen Kontinuitäten in Museen anhand des Fallbeispiels deutscher Hafenstädte nach. Durch ihre Rolle im globalen Handel wurden diese oft zu Knotenpunkten im deutschen Kolonialismus und verfügen bis heute über eine Vielzahl an Museen, die koloniale Sammlungen bewahren und kolonialgeschichtliche Themen ausstellen. In historischer Rückschau wird die Vorgeschichte des seit einigen Jahren einsetzenden Umbruchs und Umdenkens in der Museumslandschaft untersucht und hierbeigefragt, wie sich das Wissen über die koloniale Vergangenheit seit den 1970er Jahren wandelte. Das Projekt soll Aufschluss darüber geben, wie sich dieser Wandel in Museumsausstellungen niederschlug und inwiefern dieser Wandel selbst Impulse aus Museumsräumen erfuhr.


  • Sara Müller
    „Viele Wegen führen nach Göttingen. Die ethnologische Sammlung der Georg-August-Universität Göttingen und die internationalen Handelswege und Netzwerke im 19. und 20. Jahrhundert“ (Arbeitstitel)


    Ziel des Dissertationsprojekts ist die Rekonstruktion von Handelswegen und Netzwerken zwischen Deutschland und seiner ehemaligen Kolonie in Deutsch-Neuguinea, dem heutigen Papua-Neuguinea. Untersucht werden sollen jene Netzwerke und Handelswege, auf Objekte aus der Kolonialzeit, die auf die eine oder andere Art in die Ethnographische Sammlung der Universität Göttingen gekommen sind. Auf Grundlage dieser Objektbestände wird verschiedenen Fragen nachgegangen: Wie erwarben Europäer wie Europäerinnen und auch Einheimische Objekte in den Kolonien? Warum sind diese Objekte heute in Göttingen? Wie hat sich die Bedeutung der Objekte in diesem Transferprozess verändert? Welche Motive verfolgten die Akteurinnen und Akteure die Objekte produzierten/verschenkten/ verkauften/kauften oder sich gewaltsam aneigneten? Damit möchte die Dissertation zur Aufarbeitung der Deutschen Kolonialgeschichte in Ozeanien, sowie zur Aufarbeitung des kolonialzeitlichen Sammlungsbestandes der Ethnologischen Sammlung in Göttingen beitragen.


  • Mette Bartels
    Geschlecht und Klasse als Agitationsstrategie. Bewegungsinterne Richtungskämpfe, Inklusions- und Exklusionsprozesse der bürgerlichen Frauenbewegung im Deutschen Kaiserreich


    Im Zentrum des Dissertationsprojekts steht die bürgerliche Frauenbewegung, die sich um 1900 mit dem gemäßigten und dem radikal-fortschrittlichen Flügel in zwei scheinbar konträre Strömungen entwickelte. Inwieweit beide Fraktionierungen tatsächlich als trennscharf voneinander abgrenzend zu betrachten sind, ist eine meiner Fragen, die durch die beispielhafte Analyse von Debatten um weibliche Berufstätigkeit und die Betätigung von bürgerlichen Frauen im Sport erforscht werden soll. Die Debatten um die Berufsetablierung von Frauen als Gefängnisbeamtinnen, Fotografinnen, Gärtnerinnen und Hausbeamtinnen sowie um den Zugang zu den Sportbereichen Schwimmen, Fechten und Reiten erlauben nicht nur Einblicke in zeitgenössische Fraktionierungen, sondern auch – so eine Ausgangsüberlegung – dass stets genauso über Geschlechter- wie über Klassenordnungen diskutiert wurde. Durch die Analyse von Argumentationslinien- und strategien soll erstens die Auslotung von Klassen- und Geschlechtergrenzen untersucht werden und zweitens der Frage nachgegangen werden, wie jene Diskurse die bewegungsinternen Richtungskämpfe, Grenzziehungen und Anknüpfungspunkte zwischen radikalem und gemäßigtem Flügel beeinflussten.


  • Niklas Pelizäus
    Mit dem Phonographen in den Kolonien. Sammler außereuropäischer Musik und die Entstehung musikethnologischen Wissens im Deutschen Kaiserreich


    Das Dissertationsprojekt betrachtet die Aufnahme und Sammlung musikethnologischer Phonogramme als integralen Bestandteil musikethnologischer Wissensproduktion zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein beträchtlicher Teil der zwischen 1900 und 1914 im Berliner Phonogrammarchiv zusammengetragenen und von den dortigen Vertretern der sich etablierenden Disziplin der Vergleichenden Musikwissenschaft untersuchten ethnographischen Tonaufnahmen entstammt der Tätigkeit verschiedener Kontaktleute in den deutschen Kolonien. Welchen Einfluss gerade die Sammlungspraxis dieser Akteure außerhalb der Disziplin gegenüber der reinen Auswertung der Phonogramme aus der Armchair-Perspektive auf das entstehende Wissen hatte, soll herausgearbeitet werden. Hierbei wird auch die Vermittlung zwischen den Wissenschaftlern in Deutschland und den Sammlern vor Ort – zwischen den Paradigmen der Disziplin und der Expertise «im Feld» – im Vordergrund stehen. Die Generierung von Wissen soll für die Vergleichende Musikwissenschaft bzw. Musikethnologie somit verstärkt als sozialer und kommunikativer Prozess in einem globalen Kontext verstanden werden, der unter speziellen technischen, theoretischen sowie medialen Voraussetzungen und Problemstellungen ablief.


  • Annika Dörner
    Das Koloniale in Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, 1910–1933


    Das Dissertationsprojekt hat das Koloniale in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zwischen 1910 und 1933 zum Gegenstand. Untersucht wird, wie und auf welche Weise und mit welchen Intentionen verbunden das Außereuropäische und Kolonialismus Kindern und Jugendlichen präsentiert und vermittelt wurde, aber auch wie diese sich dazu verhielten. Der Blick darauf, wie beide Kategorien – Kindheit/Jugend und Kolonialismus - in ihrem Wechselspiel an dieser Schnittstelle über den Untersuchungszeitraum hinweg ausgehandelt wurden, ermöglicht nicht nur neue Erkenntnisse über koloniale Gedankenwelten, sondern auch über historisch verfasste Vorstellungen von „Kindheit“ und „Jugend“. Neben den Diskursen wird nach der Ausgestaltung konkreter Praktiken auf lokaler Ebene gefragt. Der Blick auf kindliche Praktiken des Kolonialen, wie man sie etwa bei den Kolonialpfadfindern, in Missionsvereinen oder den Jugendgruppen des Kolonialvereins beobachten kann, bezieht Kinder als historische Subjekte explizit mit ein. Zudem erlaubt der Untersuchungszeitraum, der Kaiserreich und Weimarer Republik gleichermaßen in den Blick nimmt, neue und bisher kaum erforschte Perspektiven auf Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte des deutschen Kolonialismus.


  • Yovita Vokalavene
    The Role of African Women in the First Wolrd War (1914-1918) in German East Africa


    World War I is one of the key landmarks of global history. Although it started in Western Europe, many other countries outside Western Europe were involved. It is in this context that Germany East Africa (Rwanda, Burundi and Tanganyika) a Germany colony since 1885, got involved in the war. The dissertation investigates the roles played by African women in WWI in Tanganyika and the importance of those roles. The aim is to contribute to a decentred and gender sensitive understanding of WW I, as well as to the ongoing discussion on historical gender relations in African societies.


  • Annekathrin Krieger
    Wissen global im Kaiserreich: Affen, Präparate und die Ausdifferenzierung der Zoologie


    Nicht allein die Arbeiten Charles Darwins (1809-1882) sondern auch die Ankunft erster lebender Menschenaffen in europäischen Zoos und die Entdeckung des Gorillas im Jahr 1847 machten Menschenaffen zu einem breit in Öffentlichkeit und Wissenschaft diskutierten Thema und zu dem zentralen Objekt in der Frage: Wie viel Mensch steckt im Affen und wie viel Affe im Menschen? Das Dissertationsprojekt untersucht die Generierung und den Transfer von Wissen anhand von Menschenaffen, die tot und lebendig nach Deutschland gebracht wurden und spätestens nach ihrem Ableben der Forschung zur Verfügung standen. Gefragt wird nach Formen und Folgen des Transfers, nach Praktiken, wie der Präparation der Tiere und der Bedeutung verschiedener Akteure im Prozess der Wissensgenerierung, in dessen Verlauf aus Tieren/ Affen wissenschaftliche Objekte wurden. Unter Berücksichtigung aktueller Forschungsfragen aus dem Bereich material turn und postcolonial animal turn soll neben schriftlichen Quellen auch die Präparate selbst untersucht werden.


  • Michael Schütte
    Günther Tessmann und der Transfer von Wissen. Zur Ethnologie im Wissensraum Lübeck am Beginn des 20. Jahrhunderts.


    Das Dissertationsprojekt geht anhand einer Untersuchung der Hinterlassenschaften des Lübecker Ethnologen, Afrika- und Naturforschers Günther Tessmann (1884-1969) der Frage nach, wie, zu welchen Bedingungen und in welcher Form am Beginn des 20. Jahrhunderts Wissen im Kontakt zwischen Europa und der außereuropäischen Welt entstanden ist.
    Anhand einer mikrohistorischen Analyse Tessmanns als Akteur in der Produktion und des Transfers von modernen, ethnologischen Wissen, sollen hierbei detaillierte Kenntnisse über die Verflechtungs- und Vernetzungsgeschichte des Wissens erlangt werden und zugleich ein Schlaglicht auf die Rolle eines hanseatisch geprägten transnationalen Wissensraum wie Lübeck in diesen vielschichtigen Prozessen der Wissensgenese geworfen werden.


  • Sarah Frenking
    "Sämtliche über die Landesgrenze eintreffenden Eisenbahnzüge sind zu kontrollieren...". Praktiken der Grenzregime an der deutschfranzösischen und deutsch-niederländischen Grenze 1880 - 1920.


    Die Annahme von der Grenze als "permeabler Membran" und eines age of free migration für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bestimmt das Bild über die westeuropäischen Grenzregime um 1900. Doch wie passt diese (vermeintliche) Offenheit mit der Hochphase des westeuropäischen nationbuilding zusammen? Das Dissertationsprojekt fragt nach der der Entwicklung und dem Wandel von Praktiken der Grenzkontrolle. Dabei wäre sowohl Geschlecht zu berücksichtigen, als auch antisemitische und antiziganistische Kategoriebildung sowie etwa (wiederum vergeschlechtlichte) Diskurse über Schmuggel und Spionage.
    Als Kultur und Geschlechtergeschichte der Verwaltung und des Politischen geht es um den Wandel der bürokratischen Praktiken (mit Augenmerk auf die spezifische Vernunft der "Migrationsverwalter" und die Materialität von Akten). Der Blick auf die Akteure (auch als "Männer des Nationalstaates") sowie das jeu d'échelles, das Globales, Nationales und Lokales in Beziehung setzt, soll einen kritischen Beitrag zur (Geschlechter)Geschichte der Grenzen und des nationbuilding in diesem Zeitraum ermöglichen.


  • Daniel Ristau
    dristau at gwdg.de
    BeziehungsWeise - Vernetzung und Entflechtung als Praxis und Imagination: Das Beispiel der jüdischen Familie Bondi (1790-1870).
    Das Promotionsprojekt untersucht die Vernetzungs- und Entflechtungsprozesse der Mitglieder des grenzübergreifenden Verwandtschaftsnetzes der jüdischen Familie Bondi zwischen etwa 1790 und 1870. Die Arbeit setzt das "Jüdische" ihres Gegenstandes als Begründungs- und Erklärungskategorie nicht schon von vornherein als gegeben voraus, sondern hinterfragt dessen Bedeutung und Erklärungspotential ebenso, wie jenes der bereits in anderen Forschungskontexten aufgeworfenen Kategorien -"Geschlecht" und "Lebenswelt".




  • B. Promotionen (abgeschlossen)


    • Karolin Wetjen
      karolin-wetjen at t-online.de
      Mission und Moderne. Theologische Diskurse zwischen Afrika und Europa am Ende des 19. Jahrhunderts

      Das Dissertationsprojekt, das an der Schnittstelle von Missions-, Religions-, Theologie- und Wissensgeschichte angesiedelt ist, fragt am Beispiel der ev. luth. Leipziger Missionsgesellschaft und ihrer Arbeit unter den Chagga im Gebiet des Kilimandscharo in einer Verbindung diskursanalytischer und mikrohistorischer Ansätze nach dem Austausch und Transfer von religiösen Wissensbeständen zwischen Mission, Theologie und Öffentlichkeit des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1890 und 1914. Unter dem heuristischen Fokus des "Christianity Making" sollen Aushandlungsprozesse vom Christentum in der Mission und deren Verflochtenheit mit (theologischen) Debatten im Kaiserreich aufgezeigt werden. Es wird gefragt, wie und in welcher Gestalt das Christentum in der Mission vermittelt wurde, und zwar in Abgrenzung zu "anderen" religiösen Praktiken und zum Säkularen. Die Äußere Mission, so soll gezeigt werden, trug als Vorposten konservativer Theologie dazu bei, Vorstellungen einer alternativen Moderne zu entwickeln.


    • Reik Jagno
      reik.jagno at stud.uni-goettingen.de
      Deutsche "o-yatoi gaikokujin" im Japan der Meiji-Zeit

      Im Jahr 1853 endeten für das Inselreich Japan 200 Jahre einer selbstgewählten Isolation vom Rest der Welt. Nach mehreren innenpolitischen Umstürzen wurde das Land im Rahmen der Meiji-Restauration komplett reformiert. Um schnell Anschluss an die restliche Welt zu finden, berief die japanische Regierung Ausländer in ihr Land, sogenannte "o-yatoi gaikokujin", welche die Reformation der Bildung nach westlichem Vorbild leiten sollten. In diesem Rahmen wurden auch Deutsche, wie z.B. der Göttinger Professor Max Fesca und der Göttinger Student Gottfried Wagener, nach Japan berufen. Einige dieser Spezialisten haben derart umfangreiche Aufbauarbeit geleistet, sodass sie dort bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert sind. Diese Dissertation untersucht eine Auswahl dieser Deutschen und stellt den von ihnen betriebenen Wissenstransfer zwischen den beiden Ländern dar.


    • Lars Kreye
      l.kreye at gmx.net
      Konflikte um naturale Grundstoffe im 19. Jahrhundert - transnationale Perspektive

      Die Dissertation beschäftigt sich als eine Verbindung von "Transnationaler Geschichte" und "Historischer Ökologie" mit grenzüberschreitenden Prozessen von Umweltveränderungen in kolonialen Gebieten des 19. Jahrhunderts und deren zeitgenössischer Wahrnehmung. Im Kern geht es um die Herkunft und Anwendung von Technologien zur Nutzung des Umweltmediums Wald sowie die ökologischen, sozialen und kulturellen Folgen der Implementierung von Formen der modernen Forstwissenschaft unter kolonialen Bedingungen. Dabei werden Konflikte innerhalb der kolonialen Verwaltung, der Forstwissenschaft und mit der lokalen Bevölkerung hinsichtlich unterschiedlicher Vorstellungen zur Nutzung der Umwelt untersucht.


    • Björn Klein
      bklein at gwdg.de
      Self-writing around 1900 – Fractured identities in New York City

      Das Dissertationsprojekt erforscht die Vorgeschichte zum gegenwärtigen Verständnis von Transgender Identitäten und Praktiken. Durch die methodische Verbindung von Interdiskursanalyse und Ansätzen aus der Emotional History soll den Transgender Subjektformen in New York um 1900 nachgegangen werden. Durch die Analyse von medizinischen und juridischen Quellen, populärkulturellen Zeitungen und Zeitschriften und nicht zuletzt den Aufzeichnungen von Transgender Personen selbst, wird das Projekt die Wahrnehmung, Sinnstiftung und (Selbst-)Deutung der Subjekte in den Blick nehmen.


    • Nives Kinunda Ngullu
      Negotiating Women’s Labour: Women Farmers, State, and Society in the Southern Highlands of Tanzania, 1885-2000


      This project studies the relationship between state and society in the exploitation of women labour in the farming system particularly in the southern highlands of Tanzania (1900-2000). Generally women have been the main provider of labour in the agriculture sector in all historical epochs. Furthermore women's work has not been rewarded accordingly due to various practices and conditions. Governments have been blind as far as women's labour processes are concerned. As a result of this women have been living in low standard of life and marginalization from their potential properties. This study intends to document this historical process and examine the way women labour resources were exploited in farming system and how the state and the society are responsible for the status. This historical research concentrates on three districts namely Makete, Mbinga and Mbozi located in Njombe, Ruvuma and Mbeya regions respectively from 1900 to 2000.


    • BrockmeyerBettina Brockmeyer
      bettina.brockmeyer at web.de
      Schreibweisen des Selbst. Zur Geschichte der Wahrnehmungen und Darstellungen von Körper und Gemüt um 1830

      Im Zentrum der Arbeit steht die Frage nach Konstruktion und Erfahrung von Körper und Geschlecht in Bezug auf Ausdrucksformen und dargestellte Lebenspraxis von Frauen und Männern. Selbstzeugnisse, die Körperwahrnehmungen thematisieren, bilden die Quellengrundlage der Untersuchung. Methodisch orientiert sich die Arbeit sowohl an diskursanalytischen Ansätzen als auch an Erfahrungsgeschichte.





    • BueschelHubertus Büschel
      hubertus_bueschel at web.de
      "Untertanenliebe" - Der Kult um deutsche Monarchen 1770-1830.

      Das Dissertationsprojekt untersucht den bürgerlichen Kult um die Monarchie in Preußen, Bayern, Sachsen-Weimar-Eisenach und Sachsen-Coburg-(Saalfeld) und Gotha zwischen 1770 und 1830. Unter Kult werden dabei pompöse feierliche Rituale und persönliche "Passionen", wie das Sammeln monarchischer Reliquien, verstanden. Ziel der Dissertation ist es, anhand von Analysen der individuellen Wahrnehmung einzelner Untertanen bis zur psychischen Bedeutung des Kults um "ihren" Monarchen vorzustoßen, um damit die Tiefenschichten eines der zentralsten bürgerlichen "emotionalen Werte" um 1800 freizulegen - der "Untertanenliebe".



    • ShevchenkoNadezda Shevchenko
      nchevtc at imprs-hist.mpg.de
      Eine historische Anthropologie des Buches. Bücher in der preußischen Herzogsfamilie zur Zeit der Reformation

      Im Rahmen dieser Dissertation werden die herzoglichen Bibliotheken und die auf den preußischen Hof bezogenen Prozesse der Buchherstellung und der Bucherwerbung im 16. Jahrhundert untersucht. Im Mittelpunkt der Analyse steht der Umgang mit dem Buch, dessen räumliches Platzieren und die Einbettung in die anderen höfischen Lebenswelten.



    • Tamara Frey
      tamara.frey at phil.uni-goettingen.de
      Heiraten per Annonce. Eine Analyse von Kontaktanzeigen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

      Heiratsinserate können über die in einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit bestehenden Normen und Leitbilder Aufschluss geben, indem sie Einblick in die Kriterien der Partnerwahl ermöglichen, aber ebenso in die Art und Weise der Selbstdarstellung der Inserenten. In einer Zeit, die durch sich verändernde Rahmenbedingungen von der Formierung der "modernen" Gesellschaft geprägt ist, wurden in den Heiratsgesuchen gegenseitige, aber auch an sich selbst gerichtete Rollenerwartungen formuliert und ausgehandelt. Hier wurden Charakterisierungen und Zuschreibungen vorgenommen, die handlungsrelevante Geschlechterbilder und -ordnungsvorstellungen und damit auch Machtbeziehungen re-/produzierten. Das Dissertationsprojekt untersucht diese Kontaktanzeigen als performativen Raum.


    • Hoelzl waldRichard Hölzl
      rhoelzl at gwdg.de
      Der Wald im 19. Jahrhundert als ökologischer, sozialer und kultureller Konfliktraum. Auseinandersetzungen um den Zugang zum Wald und dessen gesellschaftliche Wahrnehmung aus umwelt-, sozial- und kriminalitätshistorischer Perspektive

      Im Zentrum dieser regionalgeschichtlichen Dissertation steht das Massendelikt des "Forstfrevels", welches vor dem Hintergrund der Ausbildung der 'rationellen Forstwissenschaft' und dem Entstehen der modernen Forstwissenschaft zum einen, dem sich wandelnden Umgang mit dem Wald zum anderen und vor dem Hintergrund der sich verändernden Eigentumsordnung drittens untersucht werden soll. Mit dieser Verkoppelung von umwelt- und kriminalitätsgeschichtlichen Perspektiven wurden gleichsam die Hobsbawmsche These vom 'Sozialrebellentum' und die Überlegungen von Dirk Blasius zur frühen Klassenbildung überprüft.


    • RaeisanenPäivi Räisänen
      Taufer und Taufergesinnte in Württemberg im 16. und 17. Jahrhundert

      Die Taufer und Taufergesinnten in Württemberg wurden vor dem Hintergrund ihrer ländlichen Lebenswelt auf ihre religiösen Deutungen wie aber auch hinsichtlich ihrer sozialen Positionierung in der dörflichen Gesellschaft des 16. und 17. Jahrhunderts untersucht.





    • GerstChristoph Gerst
      gerst77 at gmx.de
      Hexenverfolgung und Juristerei. Der Spruchkörper der Helmstedter Juristischen Fakultät, der Wolfenbüttler Hofrat und die Hexen in den welfischen Gebieten des 17. Jahrhunderts

      Im Mittelpunkt des Projektes stehen die Hexenprozesse, die im 17. Jahrhundert auf dem Herrschaftsgebiet der welfischen Herzöge zur Anklage gebracht wurden. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die juristischen Experten gelegt, die bei kniffligen Rechtsfragen hinzugezogen wurden. Insbesondere geht es um den Spruchkörper an der Universität Helmstedt und den Wolfenbüttler Hofrat.



    • OrtmannAlexandra Ortmann
      alexandra_ortmann at web.de
      Machtvolle Verhandlungen. Zur Kulturgeschichte der deutschen Strafjustiz 1879 - 1924.

      In diesem mikrohistorischen Dissertationsprojekt wurde mit Hilfe von Strafprozessakten analysiert, welche Kenntnisse juristische Laien durch die Öffentlichkeit der Strafverfahren und die aufkommende Massenpresse über Gerichtsverfahren, Deliktarten, Strafen und Rechtslogiken hatten. Mit welchem Verhalten meinten Söldner, Lehrerinnen oder Schuhmachergehilfen, vor Gericht als ZeugInnen erfolgreich zu sein? Auf welche Weise wirkten Mägde, Pfarrer oder Kaufleute als Angeklagte am "dispute process" mit? Das Projekt nimmt dabei eine kriminalitäts-, sozial- und kulturhistorische Perspektive ein und orientiert sich an diskursanalytischen Ansätzen.



    • HauserJulia Hauser
      jckhauser at web.de


      Gegenstand des Projekts ist die Untersuchung der 1851 einsetzenden Erziehungsarbeit der Kaiserswerther Diakonie im Osmanischen Reich bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, wobei nach der Spezifität der von Kaiserswerth propagierten geschlechtsspezifischen Erziehungskonzepte gefragt werden soll. Damit versteht sich das Projekt als ein Beitrag zu einer Forschung, die nach den kulturellen Implikationen missionarischer Arbeit fragt. Basierend auf der reichhaltigen Überlieferung an Egodokumenten soll Mission aus einer geschlechtergeschichtlich und mikrohistorisch orientierten Perspektive als eine, wenngleich asymmetrisch geprägte, interkulturelle Begegnung analysiert werden. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Untersuchung der sehr weit verbreiteten a la mode Denkschriften. Sie wurden als Teil einer sich neu formierenden Hofkultur auf ihre soziale und kulturelle Bedeutung hin befragt.



    • SchallmannJürgen Schallmann
      schallmannsjuergen at gmx.de
      Arme und Armut in Göttingen 1860-1914

      Das vorliegende Projekt soll - am Beispiel Göttingens - die Praxis der Armenpflege im 19. Jahrhundert untersuchen. Wann wurden welche Hilfen gewährt, welche Rolle spielten soziale Netzwerke und welche Kenntnisse von Personen und bürokratischen Verfahrensweisen waren unerlässlich, um die gewünschte Hilfe zu bekommen?. Ziel des Projektes ist es, durch eine Fokussierung auf die verschiedenen Unterstützungsinstitutionen und die "Armen" gleichermaßen die Dynamik zwischen beiden Seiten herauszustellen und eine neue Perspektive auf die Frage, welche Formen des Umgangs mit sozialer Ungleichheit es im 19. Jahrhundert gab, zu werfen.


    • Giulia Frontoni
      Giulia.Frontoni at mail.uni-goettingen.de

      Das weibliche Engagement in den Revolutionen 1848/49 nahm unterschiedliche Gestalt an. In aller erster Linie vertraten gebildete Frauen des Bürgertums (insbesondere im deutschsprachigen Raum) bzw. aus der Oberschicht (in Italien), ihre Meinung in der Öffentlichkeit und hatten Zugang zu einer breiten Vielfalt von Informationen. Durch Zeitungslesen und Briefwechsel konnten nationale Grenzen überwunden werden, und auch Frauen nahmen an diesem Gedanken- und Wissenstransfers teil. In meinem Projekt habe ich die Bedeutung dieses Kommunikationsnetzwerkes untersucht, das auch zum politischen Bewusstsein der adligen und bürgerlichen engagierten Frauen beitrug. Die Dissertation ist hier einsehbar.



    • TemplinChristina Templin
      Christina.Templin at web.de
      Medialer Schmutz. Eine Skandalgeschichte des Nackten und Sexuellen im Deutschen Kaiserreich 1890-1914

      Um 1900 häuften sich im Deutschen Kaiserreich Skandale um die Darstellung von Nacktheit und Sex in unterschiedlichen Medien. Die medialen Ordnungen des Darstellbaren und die medial transportierten sexualmoralischen Normen wurden nun zunehmend zu einem öffentlich verhandelten Problem. Christina Templin analysiert erstmals systematisch diese in breiter Medienöffentlichkeit verlaufenden Skandale mit Blick auf die medialen Grenzziehungsprozesse, die in ihnen aufgebrachten Deutungsmuster und die aus den Konflikten resultierenden Dynamiken. Die Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Sexualitäts- und Mediengeschichte des Kaiserreichs.



    • Kurtz DissPaul Michael Kurtz
      Kaiser, Christ, and Canaan: The Religion of Protestant Germany, 1871-1918


      Die Arbeit, untersucht was wilhelminische Gelehrte in Bezug auf Altisrael unter dem Begriff Religion verstanden haben, wie sie bei der Erforschung dieses Konzeptes vorgingen und warum sie ihre Forschung in der Weise betrieben haben, wie sie es taten. Exemplarisch werden werden Julius Wellhausen (1844-1918) und die Quellenkritik, Hermann Gunkel (1862-1932) und der Kulturvergleich und Rudolf Kittel (1853-1929) und die Einbeziehung der Archäologie analysiert. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie soziale sowie biographische Einflüsse die fachliche Entwicklung des Wissenschaftlers geprägt haben, wie sich die Arbeit an der Religionsgeschichte Altisraels in das akademische Gesamtwerk und die entsprechende berufliche Karriere einordnet und wie jeweils umfassendere begriffliche Konzeptionen den Einsatz spezifischer methodischer Ansätze zur Rekonstruktion einer historischen Religion gerechtfertigt haben.


    • Katja Jana
      kjana at gwdg.de
      Alle unter einen Hut? Männlichkeiten im späten Osmanischen Reich und der frühen türkischen Republik im Spannungsfeld von Nationalismus und Kolonialismus

      1925 wurde im türkischen Parlament ein Gesetz verabschiedet, dass das Tragen aller Kopfbedeckungen außer dem "europäischen Hut" verbot. Die sogenannte "Hutrevolution" war Teil des kemalistischen Modernisierungsprogramms und somit ein wichtiger, wenn nicht wesentlicher Bestandteil des türkischen Nation-Building, der ein beträchtliches Maß an Widerstand hervorrief. Ausgehend von diesem Gesetz werde ich mich in meiner Dissertation den Kontroversen um Kopfbedeckungen, Kleidung und damit verbundenen Körperpraktiken im Osmanischen Reich und der Türkei vor und nach der Hutreform widmen. Ich gehe der Frage nach, inwiefern die Diskurse um Verwestlichung und Modernisierung und die damit einhergehende Dichotomie von Okzident vs. Orient in Männlichkeitskonzepten ihren verkörperlichten Ausdruck finden und welche Konsequenzen dies für die konkrete Ausgestaltung politischer Projekte und Gesellschaften hatte.
      Die Dissertation ist hier einsehbar.