Göttinger Centrum für Geschlechterforschung

Situation der Gender Studies in Ungarn


In Ungarn wird derzeit geplant das Fach Geschlechterforschung abzuschaffen. An dieser Stelle bieten wir eine Zusammenfassung über die Auseinandersetzung zu diesem Thema.
Letzte Aktualisierung: 23.10.2018


22.11.2018
"The Assault on Gender and Gender Studies" (American Association of University Professors) [Link]
Die American Association of University Professors (AAUP) äußert sich in diesem Statement zu den Entwicklungen in den USA bezüglich einer biologistischen Definition von "Gender". Auch die Abschaffung der Gender Studies in Ungarn spielt dabei eine Rolle.

08.11.2018
Anhörung im Europäischen Parlament zur Lage der Geschlechterforschung in Ungarn und Europa mit Prof. Dr. Ulrike E. Auga (Humboldt-Universität zu Berlin) und Dr. Annette von Alemann (Universität Paderborn) [Link]
Nach der politisch motivierten Nichtwiederzulassung der Gender Studies in Ungarn im Oktober 2018 und einem einmaligen Eingriff durch einen Mitgliedsstaat der Europäischen Union in die akademische Freiheit waren zahlreiche Protestnoten abgegeben worden. Das Committee on Women’s Rights and Gender Equality des Europäischen Parlaments in Brüssel hatte ein Schreiben der International Association for Institutions of Advanced Gender Studies (RINGS), einem Verbund von mehr als 60 internationalen renommierten Institutionen der Geschlechterforschung, erhalten. Das Komitee lud daraufhin Mitglieder von RINGS zu einem Meinungsaustausch ein. In der öffentlichen Sitzung des Komitees am Donnerstag, den 8. November 2018, trugen Prof. Dr. Ulrike E. Auga und Dr. Annette von Alemann ihre Statements vor, die neben Ungarn über weitere Angriffe der politischen Rechten auf die wissenschaftliche Forschung, Gender Studies als Fach und LGBTIQ Leben in Europa inklusive Deutschland berichteten. Das Committee on Women’s Rights and Gender Equality zeigte sich tief besorgt über den Paradigmenwechsel in der Art der Attacken. Nach Abschluss der Sitzung erhielten die Expertinnen zahlreiche Anfragen der Parlamentarier*innen.

Prof. Dr. Ulrike E. Auga nahm als Vertreterin einer Mitgliedsinstitution der RINGS, des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien (ZtG) der Humboldt-Universität zu Berlin, dessen assoziiertes Mitglied sie ist, als eine der beiden Expertinnen an der Anhörung auf Einladung von Vilija Blinkeviciute, der Vorsitzenden des Committees on Women’s Rights and Gender Equality, teil.

Prof. Dr. Ulrike E. Auga war von 2008 bis 2016 Juniorprofessorin für Religionswissenschaft und Geschlechterforschung sowie Gastprofessorin für Gender, Diversity und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin und gewann 2016/17 den Humboldt-Princeton-Strategic-Partnership-Preis. Sie erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen und Gastprofessuren in New York, Princeton, Wien und Salzburg. Aktuell arbeitet sie als Visiting Professor am Intersectional Center for Inclusion and Social Justice (INCISE) der Canterbury Christ Church University, UK. Anette von Alemann ist Soziologin und Gender Expertin und derzeit Gastprofessorin an der Universität Paderborn.

17.10.2018
"Gender Studies in Ungarn: Frontalangriff auf die Wissenschaftsfreiheit und europäischen Wertekanon" (Kai Gehring, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen, Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule) [Link]
"Die rechtskonservative Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orbans geriert sich mit der Verbannung der Geschlechterforschung von den ungarischen Hochschulen einmal mehr als wissenschaftsfeindlich – und damit demokratie- und europafeindlich. Wissenschaftsfreiheit gehört zum Markenkern des europäischen Wertekanons, das muss auch die ungarische Regierung akzeptieren. Mit diesem Frontalangriff auf unser Wertefundament will Orban Ungarn ins vormoderne Vorgestern zurückkatapultieren und die Verteidiger*innen gesellschaftlicher Vielfalt weiter einschüchtern."

17.10.2018
"Hungary Officially Ends Gender Studies Programs" (Elizabeth Redden) [Link]
"The European Parliament cited attacks on academic freedom in voting in September to authorize the first step in a process that could ultimately lead to sanctions against Hungary. The Parliament passed a measure asking European Union member states to determine if Hungary was at risk of violating the founding values of the union, including values related to academic freedom."

16.10.2018
"Ungarn verbannt Geschlechterforschung aus den Unis" (Zeit Online) [Link]
"In der aktualisierten Verordnung ist an der betreffenden Stelle nur noch eine leere Zeile vorhanden. 'Wir sind plötzlich verschwunden', schrieb Andrea Pető, Professorin am Institut für Geschlechterforschung der Central European University in Budapest, auf Facebook. 'Das ist der Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der ungarischen Hochschulbildung.' "

16.10.2018
"Regierung verbietet Geschlechterforschung an Universitäten" (Deutschlandfunk) [Link]
"In der akademischen Welt wird der Schritt als schwerer Angriff auf die Freiheit von Lehre und Forschung kritisiert."

16.10.2018
"CEU Reiterates Opposition to Removal of Gender Studies Programs in Hungary" (Central European University) [Link]
"Gender Studies is an internationally recognized academic field, which produces socially relevant knowledge, and which has been taught at CEU for well over two decades. Eliminating this program will be a significant loss to the Hungarian scholarly community and for democratically-minded public policy makers."

16.10.2018
"Hungary gender studies ban draws university anger" (France24) [Link]
"The CEU, where gender studies has been taught for over two decades, is also embroiled in a bitter administrative dispute that the university says could drive it out of the Hungarian capital, its home since 1993."

15.10.2018
"Hungarian Government’s Spectacular Phase of Attacks Against Academia" (The Globe Post) [Link]
"In modern societies, academic freedom is typically treated as a sacred cow. Up until recently, even semi-authoritarian regimes hesitated to close down universities, define the terminology of academic degrees along ideological lines, conduct smear campaigns against researchers because of their topics of interest, or censor the schedule of academic conferences. In such regimes, academia used to function as a refuge for intellectuals who could justify their status with the standard qualifications of science even if they disagreed with the government."

24.09.2018
"Attack on Freedom of Education in Hungary. The case of gender studies" (Andrea Pető ) [Link]
"It is not a surprise that gender studies programs were targeted by the Hungarian government as ‘gender serves symbolic glue’. The concept of ‘gender’ is used to mobilize very different political forces to construct one, united enemy to hate, in this case, the gender studies scholars and practitioners. Also it has become a central rhetorical tool of those efforts that try to determine for the wider audience what “pure reason” should mean, and thereby try to create a new consensus of what should be seen as normal and legitimate."

12.09.2018
"Gender Studies und die starken Männer von der Donau – Vorgehen gegen einen unliebsamen Studiengang in Ungarn" (Mark Varszegi) [Link]
"Dass es der Regierung bei der Maßnahme um die Chancen der Absolventinnen und Absolventen der Gender Studies-Studiengänge auf dem Arbeitsmarkt geht, ist wenig glaubwürdig. Aus den Statistiken der CEU geht hervor, dass diejenigen, die im Fach Gender Studies einen Abschluss erworben haben, überwiegend eine Stelle gefunden haben. Der größte Teil von ihnen in der Wissenschaft, andere bei Behörden, bei Großunternehmen, NGOs oder bei internationalen Organisationen. Auch finanzielle Bedenken dürften eher eine Nebenrolle gespielt haben, da die CEU als Privatuniversität keine staatlichen Gelder erhält und die Kosten für die wenigen Studierenden an der ELTE überschaubar sein dürften. Darüber hinaus bietet gerade die ELTE zahlreiche exotische Master-Studiengänge an, deren Absolvierende ihre Nische oft nur schwer finden können – schwerer als die 'Genderologen'."

28.08.2018
"Post aus Ungarn - Gender-Studies im europäischen Hochschulraum" [Link]
Uta C. Schmidt im blog der interdisziplinären geschlechterforschung

24.08.2018
European University Association condemns Hungarian government plan to ban gender studies [Link]

21.08.2018
"Aus Angst um den Mann" (taz) [Link]
"Zwei Universitäten in Ungarn bieten Geschlechterstudien an: Die Central-European University (CEU) startete im Jahr 2006 als erste, es wird auf Englisch unterrichtet, und am Ende bekommen die Studierenden ein amerikanisches und ein ungarisches Diplom. 139 Studierende haben dort bereits ihren Abschluss gemacht. Im schicken neuen Campus der Universität kann man auch promovieren. Kritik und Hetze ist man dort gewohnt: Gegründet wurde die Uni vom ungarnstämmigen Milliardär George Soros und ist seit Jahrzehnten Hassobjekt der ungarischen Rechten. Orbán versucht seit zwei Jahren, die Uni aus dem Budapester Regierungsviertel zu verjagen."

15.08.2018
"Ungarn will Geschlechterforschung von Unis verbannen" (Neues Deutschland) [Link]
"Derzeit bieten in Ungarn die staatliche Lorand-Eötvös-Universität (ELTE) und die private US-amerikanische Central European University (CEU) Master-Kurse in Geschlechterforschung an, mit jeweils rund 20 Teilnehmern. Beide Hochschulen sind in Budapest ansässig. In einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme kritisierte die ELTE-Universität den Schritt deutlich. Sie betonte in der Stellungnahme die Bedeutung des Faches und verwies zudem auf die ungarische Verfassung, die die Autonomie von Hochschulbildung und Wissenschaft garantiere."

14.08.2018
"Orbán will Gender-Studies abschaffen" (deutschlandfunknova) [Link]
"Neben der offiziellen Variante gibt es noch einen anderen Erklärungsansatz, warum ein kleiner Studiengang in den Fokus der Regierung gerate, erläutert Srdjan Govedarica, ARD-Korrespondent für Ungarn. So befassen sich Gender-Studies als Zweig der Sozialwissenschaft mit den gesellschaftlich Aspekten von Geschlecht und betrachten beispielsweise Geschlecht als soziales Konstrukt. Eine Sichtweise, die der rechtskonservativen Partei von Viktor Orbán widerstrebe."

13.08.2018
"Orbán-Regierung will Geschlechterforschung von Unis verbannen" (Zeit-Online) [Link]
Ungarns Regierung sieht in Gender Studies einen Angriff auf die christliche Familie – und will sie deshalb abschaffen. Lehrkräfte kritisieren den Plan.

13.08.2018
"Ungarn will Genderforschung aus Universitäten verbannen" (Frankfurter Allgemeine Zeitung) [Link]
"Vertreter der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatten in letzter Zeit die Geschlechterforschung immer wieder angegriffen. Unter anderen warfen sie ihr vor, die „Fundamente der christlichen Familie“ untergraben zu wollen. Das Netzwerk der Lehrkräfte, eine Dachorganisation der Universitäts- und Hochschullehrer, kritisierte die geplante Abschaffung des Forschungszweigs als unzulässigen Eingriff in die Freiheit von Lehre und Forschung."

13.08.2018
"Ungarns Regierung will Gender-Studies verbieten" (Der Standard) [Link]
"Orbán selbst scheut vor frauenfeindlichen Aussagen nicht zurück. Auf Fragen von Journalisten, warum er seine ehemalige Botschafterin in Washington, Réka Szemerkényi, vorzeitig abberufen ließ, sagte er: "Mit Frauensachen beschäftige ich mich nicht."

Weitere Informationen zum Thema "Angriff auf die Gender Studies":

05.07.2018
"Attacken haben eine neue Qualität" [Link]
Attacken in den Medien, physische Bedrohung und der Entzug finanzieller Förderung: Die Gender Studies geraten weltweit immer stärker unter Druck. Soziologe David Paternotte über Hass auf Gender Studies.