Seminar für Ur- und Frühgeschichte

Studioausstellung im Archäologischen Museum (Braunschweigisches Landesmuseum) in Wolfenbüttel:
"Stück für Stück ins Grab. Abschied vor 4000 Jahren"

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Projektleiter: rechts die Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, Frau Dr. Heike Pöppelmann, kniend der kommissarische Direktor des Seminars für Ur- und Frühgeschichte, Dr. Immo Heske und der wiss. Mitarbeiter des Museums, 2 v. l. Robert Hintz
Projektteam: von links nach rechts Malte Sierk (B.A.), Philip Zimmermann (B.A.), Tobias Uhlig (B.A.), Phoebe Zabel (B.A.), Anna Wesemann, Sergej Most (M.A.), Agathe Palka, René Phiel, Dominique Franke (M.A.) und Alexander Sakuth (B.A. und hier Fotograf)

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Die Studierenden, hier Dominique Franke mit weißem Oberteil, stehen den über 100 Besuchern bei der Eröffnung Rede und Antwort. Im Vordergrund die Bestattungen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.

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Beitrag im Göttinger Tageblatt vom 10.03.2017

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Zeitungsausschnitt aus "Wolfenbütteler SCHAUFENSTER" vom 12. März 2017


Der Tagebau Schöningen ist immer für eine archäologische Sensation gut, wie die international für Aufsehen sorgenden "Schöninger Speere". Doch sie sind keineswegs die einzigen herausragenden Funde von dort: Im Dezember 2000 wurde dort das einzige bisher bekannte Gräberfeld der jungsteinzeitlichen Glockenbecherkultur in Niedersachsen entdeckt. In fünf Gräbern fanden sich drei Männer und zwei Frauen, die teilweise durch einen robusten, athletischen Körperbau auffielen. Die Glockenbecherkultur, benannt nach der Form der typischen Beigabengefäße, ist ein gesamteuropäisches Phänomen aber ihr Vorkommen beschränkt sich auf kleine, inselartig voneinander getrennte Siedlungsgebiete, darunter auch das Braunschweiger Land.

Nach dem Tod folgt die Beerdigung und dann die ewige Ruhe ... lange hat die archäologische Forschung auch für die Epoche der Jungsteinzeit daran nicht gezweifelt. Ausnahmen von dieser Regel wurden stets als Sonderfälle betrachtet. Erst jüngst ist vermehrt zu sogenannten mehrphasigen Bestattungen geforscht worden - also solchen, bei denen die Körper der Verstorbenen zahlreiche andere Praktiken erfuhren, bevor sie schlussendlich in die Erde gelangten. Dabei zeigt sich, dass es meist kleinste Spuren und Befunde sind, die zeigen, dass das archäologisch dokumentierte Grab nur die Endstation eines längeren Totenrituals war.

Die Grabfunde aus Schöningen haben nun erstmals auch für die jungsteinzeitliche Glockenbecherkultur entsprechende Beobachtungen ermöglicht: Während die Knochen eines Toten Spuren massiver Gewalteinwirkung auf den Körper schon zu Lebzeiten aufweisen, trägt ein anderes Skelett eindeutige Spuren von Manipulationen am Leichnam lange nach dem Tod des Individuums.

Studierende des Seminars für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen haben im Rahmen einer Lehrveranstaltung auch mit Objekten aus der eigenen Lehrsammlung am Braunschweigischen Landesmuseum eine kleine Studioausstellung erarbeitet, die diese spannenden Befunde vorstellt. Sie ist ab dem 10. März 2017 zu den regulären Öffnungszeiten im Archäologischen Museum (Braunschweigisches Landesmuseum) in Wolfenbüttel zu sehen.


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