campusinform Januar 2020

campus | inform 18. Jahrgang | Ausgabe Januar 2020 Digitalisierung Data Science Region Südniedersachsen: Universität und HAWK richten Digi- talisierungsprofessuren ein. Seite 3 Exzellenzcluster Forschung und Graduiertenausbildung zur Struktur, Funktion und Störung von Herz- und Nervensystem. Seite 2 Feministischer Blick Anglistikstudentin Avrina Jos Joslin Thambi überzeugt mit Wissenschaft, Prosa und Lyrik. Seite 7 Neues Mitglied Peter Strohschneider (her) Das Niedersächsische Wissen- schaftsministerium hat im Einver- nehmen mit dem Senat Prof. Dr. Peter Strohschneider zum 1. Januar 2020 zum Mitglied des Stiftungs- ausschusses Universität bestellt. Er ist damit zugleich auch Mitglied des Stiftungsrates. Zuletzt war Stroh- schneider von 2013 bis Ende 2019 Präsident der Deutschen Forschungs- gemeinschaft. (her) Seit Dezember 2019 nimmt Prof. Dr. Reinhard Jahn das Amt des Präsidenten bis zur Aufnahme der Amtsgeschäfte durch einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin wahr. Der Neurobio- loge ist emeritierter Direktor am Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie sowie Ho- norarprofessor und Alumnus der Universität Göttingen. Herr Jahn, warum haben Sie sich als Max Plancker und Vollzeit- Forscher entschieden, für eine ge- wisse Zeit das Präsidentenamt zu übernehmen? Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, meine Lebensplanung sah anders aus. Im September hat mir Wissenschaftsminister Björn Thümler sehr deutlich gemacht, warum ich mich zur Verfügung stel- len solle. Angesichts der Krise und den auch öffentlichen Auseinander- setzungen an der Universität er- schien es ihm und vielen anderen sinnvoll: Wir brauchen jemand, der – wie ich – einerseits von außen kommt, aber andererseits die Uni- versität seit vielen Jahren gut kennt und sehr viele Verbindungen in die Universität hinein hat. Meine Be- dingung war die Zustimmung in den Gremien, was der Fall war. Ich habe mich also überzeugen lassen, auch wenn die Zeit bis zur Über- nahme sehr kurz war. Schon Ende September sprachen Sie von einer Aufbruchstimmung an der Uni. Wie äußert sich dies? Als ich angefangen habe, ernsthaft Gespräche zu führen, war für mich der Wille erkennbar, aus der Situa- tion herauszukommen. Auch weil die sehr negative Berichterstattung nicht dem entspricht, was unsere Universi- tät ausmacht. Ja, es hat eine Füh- rungskrise und auch unangenehme Auseinandersetzungen gegeben. Aber: In einer akademischen Institu- tion geht es auch mal dezidiert und meinungsstark zu, das finde ich gar nicht so schlimm. Im Augenblick empfinde ich einen sehr starken Wil- len, nach vorne zu kommen. Und nach den ersten Wochen muss ich sagen: Das ist eine faszinierende Uni- versität mit ganz tollen Leuten. „Faszinierende Universität mit tollen Leuten“ Reinhard Jahn nimmt Amt des Präsidenten wahr – Interview über die Universität und den Göttingen Campus Inwiefern? Das sind alles Individualisten, aber es sind engagierte Menschen, hoch intelligent, analytisch stark und her- vorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das macht die Universität Göttingen aus. Die Leis- tungsdaten zeigen, dass wir unter den besten Dutzend deutschen Uni- versitäten sind. Da gehören wir hin. Und deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass wir diese Krise sehr gut meistern werden. Sie gehören zu den Gründervätern des Göttingen Campus. Warum haben Sie sich damals dafür einge- setzt? Ich kam 1997 aus den USA zurück, ans Max-Planck-Institut, und stellte fest, dass die Institutionen nebenein­ ander herliefen mit Ausnahme der Zusammenarbeit in Sonderfor- schungsbereichen. Ich dachte, es kann doch nicht sein, dass Studie- rende gar nicht mitbekommen, was hier an Spitzenwissenschaft auch außerhalb der Uni existiert. Mein Biochemiker-Kollege Professor Kurt von Figura und ich haben dann mit tatkräftiger Unterstützung mehrerer Kollegen ein innovatives Ausbil- dungskonzept entworfen, das zur Gründung von zwei internationalen Studiengängen in den Neurowissen- schaften und in der Molekularbio­ logie führte. Das war die Keimzelle für die Entstehung des Göttingen Campus, weil hier Universität und Max-Planck-Institute sehr konstruktiv zusammengearbeitet haben. Es ist ein Vertrauensverhältnis entstanden. Als Herr von Figura Unipräsident wurde, hat das Ganze enormen Rücken- Nachbarschaft: Universität, Max-Planck-Institute und Deutsches Primatenzentrum. Zuversichtlich: Universitätspräsident Reinhard Jahn. Liebe Leserinnen und Leser, willkommen zur zweiten Campus- Ausgabe der uni|inform. Auch in diesem Jahr wollen wir die erste Aus- gabe des Jahres nutzen, die Kompe- tenz und Expertise am Göttingen Campus mit Berichten zu würdigen. Zehn Wissenschaftseinrichtungen bündeln hier ihre Expertise und le- ben eine Partnerschaft in Forschung, Lehre, Graduiertenausbildung sowie Infrastruktur. Rahmenverträge si- chern die Campus-Struktur; ge- meinsame Ziele aller Beteiligten werden im Göttingen Campus Council abgestimmt. Ergänzt wird der Göttingen Campus durch der- zeit 14 Assoziierte Partner aus For- schung und Wirtschaft. www.goettingen-campus.de Heike Ernestus Chefredakteurin Zahl 542 Nachwuchsforschende sind mit dem Göttingen Campus Postdoc Netzwerk verbunden. Das Netzwerk bietet Aus- tausch bei bis zu zwei „Post- doc Fairs“ pro Jahr sowie bei den regelmäßigen „Postdoc Socials“. Über Forschen und Leben in Göttingen informiert ein monatlicher Newsletter. www.goettingen-campus.de/ postdoc wind bekommen: Göttingen Cam- pus, gemeinsame Berufungen, Free Floater und Courant Forschungs- zentren und die Graduiertenschule GGNB unter meiner Federführung. Mit der Reformierung der Gradu­ iertenschule GAUSS ist es uns gelungen, die Erstbetreuung in der Promotion durch Gruppenleiter von außeruniversitären Institutionen zu ermöglichen. Soweit ich weiß, hat dies nach wie vor keine andere deutsche Universität in dieser Form umgesetzt. Wo stehen wir heute? Über die Jahre hat es eine Menge an Austausch zwischen den Campus- Partnern gegeben, auch personell – letztendlich gehöre ich ja auch dazu. Wir haben enorm viel an personel- lem und wissenschaftlichem Kapital. Mir geht es darum, dass wir jetzt überprüfen, was wir alles erreicht haben, und auf der Basis diskutie- ren, wo wir strategische Instrumente für die Zusammenarbeit weiter stär- ken können. In Ihrer Rede am 5. Dezember 2019 äußerten Sie sich kritisch über den hohen Stellenwert der Forschungs- verbünde in der Wissenschaftspoli- tik. Der Göttingen Campus setzt auch an einer Verbund-Idee an. Wie passt das zusammen? Der Campus ist ja eigentlich nichts weiter als eine lokale Vernetzung, die die Zusammenarbeit über die institu- tionellen Grenzen hinaus erleichtert. Das ist ein Gewinn für den Standort. Ein Cluster oder ein SFB ist etwas ganz anderes, nämlich ein thematisch fokussiertes Verbundprojekt. Her- vorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler lassen sich nicht gern unter ein Dach zwingen, das vielleicht nicht allen entspricht. Wir müssen also auf den Stärken der Leute aufbauen und einen konzep­ tionellen Rahmen finden, der Mehr- wert bietet, nicht nur für die Struktur der Organisation, sondern auch für die Beteiligten selbst. Und Ihre Forschung, liegt die jetzt auf Eis? Nein, aber ich habe dafür jetzt tem- porär weniger Zeit. Ich brauche un- gefähr einen Tag pro Woche in mei- ner Forschungsgruppe, dazu einen Tag vom Wochenende – das ist das absolute Minimum. Kommunizie- ren per E-Mail geht immer, und wenn mich jemand sehen will, schaffe ich das auch. Wir sind ja alle nicht weit weg. Jahns Rede zum Jahresabschluss 2019 als Video und zum Nach­ lesen: www.uni-goettingen.de/ de/617422.html

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