Studienbüro Mathematik

Dr. Clarisse Weischedel - Referentin für Technologietransfer und -netzwerke im Geschäftsbereich "Innovation und Umwelt" bei der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar

Bei welchem Unternehmen sind Sie beschäftigt und in was für einer Position/ in welchem Bereich arbeiten Sie dort? Was sind Ihre Aufgaben?

Ich arbeite bei der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar als Referentin für Technologietransfer und -netzwerke im Geschäftsbereich "Innovation und Umwelt". In dieser Position bin ich für die Region Vermittler und Übersetzer zwischen Forschung und Wirtschaft mit dem Ziel, die Entwicklungen der Hochschulen mit den tatsächlichen Fragestellungen der Unternehmen zusammenzubringen (fachübergreifend). Dazu gehört auch die Betreuung von Unternehmensnetzwerken, die Unterstützung von Unternehmen bei der Beantragung von Fördermitteln und die Entwicklung von geeigneten Veranstaltungs- und Kooperationsformaten zwischen Hochschulen und Unternehmen.

Wie haben Sie diese Position erlangt bzw. wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Die Stelle bei der Industrie- und Handelskammer habe ich erst vor ein paar Monaten angefangen. Davor habe ich zwei Jahre als "Referentin Forschung" bei der BAUER Maschinen GmbH gearbeitet. Dieses Unternehmen entwickelt und produziert Baumaschinen für den Spezialtiefbau. Als Forschungsreferentin war ich in der Abteilung "Entwicklung & Konstruktion" als Stabsstelle verantwortlich für Forschungsprojekte (im Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik, Erneuerbare Energien, u.a.), Hochschulkooperationen, Studentenbetreuung, theoretische Voruntersuchungen und Modellbildungen (mit Matlab und Excel).

Wie haben Sie Ihren Berufseinstieg erlebt bzw. wie hat das Studium auf die Praxis vorbereitet?

Für meine Promotion hatte ich ein Stipendium vom Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern. Durch die Abteilung, in der ich dort tätig war (Mathematische Methoden für Dynamik und Festigkeit) hatte ich schon eine gewisse Nähe zum Maschinenbau und viel Spaß an technischen Fragestellungen. Nachdem ich 2012 meine Promotion im Bereich "Diskrete Differentialgeometrie" in Göttingen abgeschlossen hatte, habe ich mich dann vor allem bei Maschinenbau-Unternehmen auf Stellen in der Forschung/Vorentwicklung beworben, auch wenn ich oft nicht exakt auf die Profile in den Stellenauschreibungen gepasst habe.

Inwiefern wenden Sie Ihre im Studium erlernten Fähigkeiten und Fachkenntnisse im Beruf an?

Die BAUER Maschinen GmbH hat mir trotz relativ wenig Erfahrungen aus der Wirtschaft eine recht verantwortungsvolle Stelle angeboten. Das inhaltliche Fachwissen für diese Stelle musste ich fast komplett "on the job" lernen. Vom Mathematikstudium konnte ich "nur" eine strukturierte Herangehensweise einbringen, die aber die Einarbeitung sehr erleichtert hat (und in Unternehmen oft fehlt). Zu keinem Moment hatte ich das Gefühl, durch fehlendes Fachwissen mehr Betreuung als z.B. ein frisch promovierter Ingenieur zu benötigen. Aus dem Studium haben mir ansonsten noch grundlegende Programmierkenntnisse geholfen, die ich für verschiedenste Aufgaben hilfreich einsetzen konnte.

Denken Sie an Ihre Studienzeit in Göttingen zurück ...

Durch meine Arbeit am Fraunhofer Institut in Kaiserslautern war ich zwar nur ein bis zwei Jahre in Göttingen, aber ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt. Gerade als Mathematik-Student ist es eine besondere Stadt, da man an allen Ecken den Stolz darüber spüren kann, die Stadt von Gauß zu sein, und auch die mathematische Fakultät spürbar einen höheren Stellenwert im Vergleich zu anderen Fachbereichen hat als in anderen Uni-Städten.

Welche Tipps geben Sie Studierenden und Berufseinsteigern/innen mit auf den Weg?

Meine Empfehlung ist, sich in der Bewerbungsphase nicht von Stellenanzeigen abschrecken zu lassen. Viele Stellen, für die man als Mathematiker mit einem breiten Fokus sehr gut geeignet ist, sind nicht für Mathematiker ausgeschrieben, weil Fachfremde meist überhaupt nicht einschätzen können, was Mathematiker können und was nicht. Wenn man sich für den Bereich interessiert, sicher ist, dass man alles, was man für die Stelle noch braucht schnell dazulernen kann und das auch noch alles klar im Anschreiben darstellt, hat man bei fast allen Stellen eine Chance (vor allem bei Stellen, die für mehrere Fachrichtungen ausgeschrieben sind). Besonders hilfreich ist es natürlich, wenn man dazu noch ein paar passende Praktika vorweisen kann.