Fruchtfolgen in der Landwirtschaft

Aus Fakultätsbroschüre "Agrar aktuell" vom November 2017

Eine Fruchtfolge ist die Reihenfolge der Feldfrüchte auf einer Ackerfläche über die Jahre betrachtet. Ursprünglich handelt es sich dabei um ein ausgeklügeltes Konzept, um Boden und Pflanzen gesund zu halten, denn nicht alle Pflanzen vertragen sich gleich gut oder sie können nicht beliebig nacheinander angebaut werden. Die Fruchtfolge ist daher das zentrale Element im Ackerbau. In den vergangenen Jahrzehnten allerdings ging der Trend deutlich hin zum Anbau weniger Früchte auf immer größerem Flächenumfang. Das hat dazu geführt, dass nicht nur die Landschaften, sondern auch die Fruchtfolgen immer einheitlicher wurden. Für den Nährstoffhaushalt, die Pflanzengesundheit und die Biodiversität hatte das häufig nachteilige Folgen.
Göttinger Agrarwissenschaftler sind jetzt der Frage nachgegangen, wie es um die Fruchtfolgen wirklich bestellt ist. Bisher hatte man Aussagen lediglich auf der Grundlage grober statistischer Daten oder sogar nur anhand des Landschaftsbildes getroffen. Mit Hilfe präziser Daten aus der Agrarverwaltung wurde am Zentrum für Biodiversität und nachhaltige Landnutzung der Universität Göttingen die Bewirtschaftungshistorie von ca. 120.000 Feldern in Niedersachsen über sieben Jahre nachverfolgt und ausgewertet. Das entspricht einem Viertel der Ackerfläche und ist repräsentativ über das Bundesland verteilt.
„Erstmals konnten wir echte Anbaustrukturen sichtbar machen und damit über bisherigen indirekten Aussagen über Fruchtfolgen hinausgehen“, sagt Susanne Stein, die die Analysen durchgeführt hat und Erstautorin der Studie ist. Die Veröffentlichung mit dem Titel “Identifying crop rotation practice by the typification of crop sequence patterns for arable farming systems - A case study from Central Europe” wird in Kürze im European Journal of Agronomy veröffentlicht. In dem Beitrag entwickeln die Göttinger Agrarforscher ein Schema, mit dessen Hilfe Fruchtfolgemuster sichtbar gemacht und verglichen werden können. Das Schema besteht aus zwei Elementen. Zunächst wird die strukturelle Vielfalt anhand der Anzahl der verwendeten Feldfrüchte und der Anzahl der Fruchtwechsel ermittelt. Danach fließen funktionale Eigenschaften der verwendeten Feldfrüchte in die Bewertung ein, indem beispielsweise ausgeglichene Verhältnisse von Blatt- und Halmfrüchten sowie von Winter- und Sommerkulturen bewertet werden.
„Die klassische, lehrbuchhafte Fruchtfolge ist zwar noch vorhanden“, erläutert Dr. Horst-Henning Steinmann, der die Untersuchung betreut hat. „aber vielfach sind Strukturen zu finden, die einerseits sehr einfach aber andererseits auch sehr komplexer Natur sein können. Wir sprechen daher lieber von Anbaumustern.“ Etwa 30 Prozent der untersuchten Ackerfläche werden mit solchen Anbaumustern bebaut, die nur aus ein oder zwei Feldfrüchten bestehen und müssen damit als sehr vereinfacht angesehen werden. Fast 9 Prozent werden sogar im Daueranbau kultiviert – überwiegend mit Mais. Auf weiteren 30 Prozent stehen dagegen sehr diverse Fruchtfolgen, die ihrem Namen alle Ehre machen. Hier wurden in den sieben untersuchten Jahren vier oder mehr verschiedene Feldfrüchte in echtem Fruchtwechsel angebaut. Diese vielseitigen Anbauformen folgen in den seltensten Fällen einer strikten Regel, lassen sich aber mit dem entworfenen Schema in erkennbare Muster einteilen. Die restlichen ca. 40 Prozent der Ackerfläche umfassen die Dreifelderwirtschaften mit Raps, Rüben oder Kartoffeln, die zwar gute fachliche Praxis repräsentieren, sich aber mittlerweile in vielen Fällen als zu eng erwiesen haben.
„Niedersachsen verfügt damit nach wie vor über ein Potenzial für diverse Landnutzung, das unbedingt besser genutzt werden sollte“, stellen die Autoren fest. Auffallend ist nämlich, dass die vielseitigen Anbaustrukturen breitflächig über das Land verstreut sind, während die sehr einseitigen Anbaumuster in Problemzonen im Nordwesten des Bundeslandes zu finden sind. Hier ist der Dauermaisanbau stark verbreitet. Die Autoren warnen allerdings vor einem pauschalen Verteufeln der Fruchtart Mais. Immerhin ist Mais auch Bestandteil der vielseitigsten gefundenen Fruchtfolgen. Es sind daher nicht die Feldfrüchte, die kritikwürdig sind, sondern die Umstände des Anbaus.