Für mich als Politikhistoriker ist „das Mittelalter“ jenseits aller Aufladungen einfach eine lange Phase des politischen Wandels – so wie alle Zeiten davor und danach. Dieser Wandel hatte zwar eine Richtung, aber nie ein Ziel. Die Leitfrage meiner Seminare lautet deshalb nicht „Wie war Politik im Mittelalter?“, sondern „Wie hat sich das Politische in dieser Zeit verändert?“. Was mich interessiert, ist keine Geschichte „mittelalterlicher Politik“, sondern eine „Geschichte von unten“ und zwar in einem doppelten Sinne.
Thematisch beschäftigt mich besonders das politische Handeln jener Gruppen, denen keine Legitimität zugesprochen wurde: Bauern, Leibeigene, städtische Unterschichten – eben die „History from Below“, die mit Namen wie George Rudé verbunden ist. Denn „das Politische“ war zu allen Zeiten viel mehr als das, was von den Mächtigen als „die Politik“ verstanden wurde.
Methodisch ist eine „Geschichte von unten“ für mich eine Geschichte aus der Sicht der Akteure. Anstatt aus der Vogelperspektive die Geschichte von großen Strukturen zu betrachten – wie Königreichen, Fürstentümern oder Ideen –, möchte ich in meinen Seminaren in die Froschperspektive wechseln: Was tun städtische Zünfte, weltliche Fürsten, religiöse Bewegungen oder bäuerliche Gemeinden in einer konkreten politischen Situation? Welche Handlungsoptionen haben sie, wie machen sie sich bestehende Strukturen zunutze, um ihre Ziele durchzusetzen – und wo sind ihnen Grenzen auferlegt?
Aus diesem Blickwinkel möchte ich mit Studierenden ganz verschiedene politische Akteure des Spätmittelalters betrachten: Vom englischen König Richard II., der in unruhigen Zeiten seine Herrschaft sichern musste, über den Parvenü Cola di Rienzo, der sich in Rom zum Volkstribun aufschwang (und jäh wieder abstürzte) bis zum fränkischen Hirtenjungen Hans Böhm, der gegen die Sünden von Adel, Papst und Kaiser predigte und damit Zehntausende begeisterte. So wird ein Forschungsprogramm aus der oft zitierte Aussage, mit der ein Trierer Philosoph 1852 Ereignisse seiner eigenen Zeit beschrieb: „Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber nicht aus freien Stücken, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen“.


Curriculum Vitae

Akademischer Werdegang


  • Seit 9/2014 Promotionsvorhaben an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte (II)
    „Die Ressourcen subalterner Protestbewegungen im späten Mittelalter“
  • 9/2007 – 5/2014 Studium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Geschichte und Englisch für das Lehramt an Gymnasien, Staatsexamen mit Auszeichnung
  • 5/2006 Hohenlohe-Gymnasium Öhringen, Abitur


Beruflicher Werdegang


  • Seit 4/2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter (50%) an der Universität Göttingen, Lehrstuhl Prof. Frank Rexroth
  • Seit 3/2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter (25%) an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (4SWS Lehre)
  • 9/2017 – 2/2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter (100%) an der Pädagogischen Hochschule Freiburg (50% Lehre, 50% Koordination der Lehrkooperation zwischen Universität und PH Freiburg im Fach Geschichte)
  • 3/2016 – 8/2016 Vertretung der Koordination der Graduiertenschule Humanities der Universität Freiburg
  • 4/2015 – 1/2016 Wissenschaftliche Hilfskraft an der International Graduate Academy der Universität Freiburg
  • 12/2013 – 9/2015 Wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Seminar der Universität Freiburg
  • 9/2012 – 3/2014 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Freiburg, Projekt SOSCIE
  • 9/2010 – 6/2011 Lehrassistent für den Deutschunterricht, Franklin and Marshall College, Lancaster, Pennsylvania, USA
  • 10/2006 – 7/2007 Zivildienst, AWO Freiburg, Individuelle Schwerstbehindertenassistenz


Akademische Aktivitäten und Stipendien


  • Seit 10/2015 Promotionsstipendiat der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Seit 10/2014 Mitglied der Graduiertenschule Humanities der Universität Freiburg
  • 9/2017 Medieval History Seminar des DHI London. Beitrag: „Niklashausen 1476 – die Ressourcen subalterner Protestbewegungen“
  • 2/2017 Vortrag am Oberseminar des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte (II), Universität Freiburg. Titel: „Das Konzept der kulturellen Hegemonie und die Ressourcen von ‚popular politics‘ im 14. Jahrhundert“
  • 5/2016 Vortrag an der Queen Mary University London. Titel: „‘Be on your guard or you will have woe/ know your friend from your foe‘ – Enmity as a resource for popular politics in the later Middle Ages“
  • 11/2015 Vortrag beim Kolloquium des Konstanzer Arbeitskreises für Mittelalterliche Geschichte. Titel: „Die politische Struktur als Ressource ländlichen Protests im Spätmittelalter: England 1381 und andere ausgewählte Beispiele“
  • 7/2014 Summer School in British History des DHI London.
    Thema: „1066 – The Norman Conquest“