Forschung

Abgeschlossene Forschungsprojekte

1.) Risikomanagement im Outdoorsport: Interdisziplinäre Grundlegungen einer Theorie des Risikosports (Dissertationsprojekt); 2002 - 2005

Ausgehend von einer geringen wissenschaftlichen Fundierung des Forschungsgegenstandes wurde in diesem Projekt eine interdisziplinäre Theorie des Risikosports entworfen sowie eine theoretisch-empirische Verknüpfung der Thematik im Rahmen einer sicherheitspsychologischen Untersuchung vorgenommen. Das Dissertationsprojekt beinhaltete dabei zwei Herausforderungen, die - aufeinander bezogen - unterschiedliche Herangehensweisen und Forschungszugänge erfordern: Zunächst wurde eine inhaltliche Bestimmung des Risikosportphänomens vorgenommen und Erklärungszusammenhänge im Rahmen eines interdisziplinären Erkenntnisprozesses exploriert. Mittels kritischer Interpretation und Abduktion wurden schließlich psychologische, historische, soziologische, ethische und pädagogische Fragestellungen thematisiert und zu einer integrativen Theorie verknüpft. Im zweiten Teil des Forschungsprojektes wurden die theoretischen Kontexte des Risikosports im Rahmen einer empirischen Untersuchung in ihrem Erklärungsgehalt deduziert und für mögliche Anwendungsfelder transformiert.

Veröffentlichungen / Dokumentation:
Göring, A. (2006): Risikosport - Interdisziplinäre Annäherung, empirische Befunde und Anwendungsbezüge. Dissertation an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen.
Göring, A. (2007): Risikosport - zwischen Trend und Tradition. Eine sozialwissenschaftliche Untersuchung. Saarbrücken: Verlag Dr. Müller.


2.) Gesundheitsförderung im Ganztag: Evaluation des ‚SportsFinderDays’; 2007-2008

Der ‚SportsFinderDay’ stellt eine Intervention der Sportjugend des Landessportbundes Niedersachsen an der Schnittstelle zwischen dem organisierten Sport und dem Sozialsystem der Schule dar. Vor dem Hintergrund allgemeiner bildungspolitischer Transformationen wie der Einführung der Ganztagsschule und der Diagnose gesundheitlicher Defizite bei Kindern und Jugendlichen wurde in diesem Forschungsprojekt untersucht, inwieweit die Ziele des SportsFinderDays (Förderung der Bewegungsaktivität von Kindern und Jugendlichen; Veränderung des Ernährungsverhaltens; Einbindung des organisierten Sports in Konzepte und Angebote der Ganztagsschule) erfüllt werden konnten und welche Entwicklungsperspektiven die Maßnahme besitzt. Dazu wurde eine Längsschnittstudie an drei unterschiedlichen Schulen ausgeführt, an denen der SportsFinderDay durchgeführt wurde (N=1820). Darüber hinaus wurden qualitative Interviews mit beteiligten Lehrern und Vereinsvertretern geführt und mit nicht-teilnehmenden Beobachtungen trianguliert. Die Evaluationsstudie konnte zeigen, dass die Intervention selbst als hochgradig erfolgreich eingestuft wurde. Nachhaltige Veränderungen im Leben der Kinder und Jugendlichen ließen sich allerdings nicht feststellen.

Veröffentlichungen / Dokumentation:
Göring, A. (2008): SportsfinderDay - eine Evaluationsstudie. Abschlussbericht zum Forschungsprojekt "SportsfinderDay". Hannover: Landessportbund.
Gefördert durch:
Landessportbund Niedersachsen

3.) Genderperspektiven im Risiko- und Wagnissport; 2008 - 2011

Risiko- und Wagnissportarten wie das Bergsteigen, das Kanu Wildwasserfahren oder auch das Wellenreiten gelten traditionell als typisch männliche Sportarten. Aus der Perspektive der Genderforschung fördert das Handlungsfeld des Risikosports durch vermeintliche sportartspezifische Anforderungen wie Kraft, Mut und Angstlosigkeit klassische Identitätsfolien zur Ausbildung und Verstetigung traditioneller, männlicher Geschlechtsrollen. Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Aktivitätsgrades von Frauen in Risikosportaktivitäten wurde gefragt, welche Geschlechtsrollenidenitäten Frauen im männerdominierten Risikosport entwickeln, wie sich Geschlechtsstereotypen in konkreten Handlungen ausdrücken, welche Transformation die Geschlechtsrolle in risikosportlichen Handlungssituationen erfährt und wie das Geschlecht in jugendlichen Risikosportszenen kommuniziert und inszeniert wird. Um eine möglichst umfassende Erkenntnisse über die Forschungsfragen zu erhalten, wurde zunächst eine vertiefte theoretische Exploration vorgenommen. Dazu wurde der Theoriebestand der Genderforschung im Hinblick auf ihren konkreten Beitrag zum Erkenntnisinteresse ebenso berücksichtigt wie die Habitustheorie Bourdieus und die psychologischen Ansätze Eislers. Neben einer umfangreichen Querschnittsstudien zum Geschlechtsrollenstress im Risikosport (N=1158), wurden qualitative, leitfadenzentrierte Interviews zur Fragestellung angefertigt und ausgwertet. Darüber hinaus wurde eine Diskursanalyse in Anlehnung an Foucault realisiert. Derzeit werden die Ergebnisse der einzelnen Teilstudien zusammengeführt und diskutiert.

Projektmitarbeiter:
Tim Schröder, Katharina Pluta, Michael Haenelt
Veröffentlichungen / Dokumentation:
Göring, A. (2011): Geschlechterpädagogik?! Geschlecht als Kategorie in der Erlebnispädagogik In: Erleben und Lernen. Internationale Zeitschrift für handlungsorientiertes Lernen , 6(2011), S. 3-6.
Göring, A. (2011): Geschlechtsrollenstress im Abenteuersport? Empirische Ergebnisse und erlebnispädagogische Implikationen. In: Erleben und Lernen. Internationale Zeitschrift für handlungsorientiertes Lernen , 6(2011), S. 7-10.
Göring, A. & Schröder, T. (2009): Das Geschlecht läuft mit oder wann Man(n) zum Risikofaktor wird. In: BergundSteigen. Internationale Zeitschrift für Risikomanagement , 1(2009), S. 18-21.

4.) Sport und Studium: Theoretische Exploration und empirische Bestandsaufnahme; 2009 - 2012

Kaum eine andere gesellschaftliche Institution hat sich in den letzten Jahren derart radikal verändert wie das Hochschulwesen. Neben der Veränderungen der Studienstrukturen durch den europaweiten Bologna Prozess hat vor allem die zunehmende Liberalisierung des Hochschulsystems zu massiven Transformationen an den deutschen Hochschulen geführt. Angesichts einer geringen wissenschaftlichen Fundierung des Sports an Hochschulen wurde in diesem Forschungsprojekt erforscht, welche Bedeutung die Hochschulreformen der letzten Jahre für den Hochschulsport als spezifische Organisation besitzen und welche Nachfrage der Hochschulsport von Seiten der Studierenden gegenwärtig erfährt. Darüber hinaus wurde nach den spezifischen gesundheitsförderlichen Potenzialen des Hochschulsports gefragt und eruiert, welche gesundheitlichen Ressourcen bei Studierenden durch Sport gefördert werden. Dazu wurden eine triangulierte Studie durchgeführt, die eine repräsentative Befragung zum Sportverhalten von Studierenden in Deutschland beinhaltete (N=7080), eine auf gesundheitliche Potenziale und Ressourcen ausgerichtete Untersuchung an der Universität Göttingen (N=3585) sowie eine qualitative Studie zu subjektiven Belastungen und Bewältigungsstrategien im Studium (N=30). Die Ergebnisse zeigen, dass das Sporttreiben eine wichtige gesundheitsfördernde Ressource darstellt. Gleichzeitig machen die Untersuchungsergebnisse deutlich, dass sich das Sporttreiben der Studierenden zunehmend entstruktralisiert und von traditionellen Organisationsformen entkoppelt. Die Ergebnisse der Studie werden derzeit in einer eigenen Buchveröffentlichung zusammengefasst.

Projektmitarbeiter:
Dr. Daniel Möllenbeck
Veröffentlichungen / Dokumentation:
Göring, A. & Möllenbeck, D. (i.Druck): Sport in Zeiten von Bologna. In: Sport und Gesellschaft , 3(2011), erscheint im April 2012
Göring, A. & Möllenbeck, D. (2010): Gesundheitspotenziale des Hochschulsports. Sporttreiben als soziale Unterstützung und zur Belastungsbewältigung im Studienalltag. In: Prävention und Gesundheitsförderung, 3 (2010), S. 238-243
Göring, A. (2010): Der Hochschulsport und der Abschied von Humboldt. Über die Transformation des Hochschulwesens und deren Folgen für den Sport. In: Sportzeiten. Sport in Gesellschaft, Kultur und Geschichte, 3/2010, S. 48-64
Gefördert durch:
Deutsche Sportjugend, Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband, FAZit Stiftung