Projektbeschreibung

Übergeordnetes Ziel des Forschungsvorhabens ist die Vertiefung und Validierung des Grundlagen- und Anwendungswissens zur nachhaltigen Nutzung von Energie aus Biomasse. Der beantragte Forschungsverbund besteht aus sechs Teilprojekten (TP), die einerseits jeweils eigenständige Ziele verfolgen, andererseits aber auch ineinander greifen und neue Umsetzungsperspektiven für die Bioenergie erschließen (s. Abb.).

BIS Übersicht


Ziel des TP 1(Bewertungskriterien) ist die Entwicklung und Anwendung von Kriterien zur Bewertung unterschiedlicher Biomassenutzungskonzepte. Einzelne Konzepte sollen in Bezug auf ihre Wirkung auf eine nachhaltige Entwicklung miteinander verglichen und übertragbare Konzepte und Leitlinien zur optimalen Biomasseerzeugung und -nutzung entwickelt werden. Dazu werden bestehende Nachhaltigkeitsindikatorensysteme speziell für den Bereich der Bioenergienutzung ergänzt und konkretisiert. Damit dient dieses TP zugleich dazu, den Datenbedarf des Gesamtprojekts zu definieren. In die multikriterielle Bewertung münden die entscheidungsrelevanten Ergebnisse aller Teilprojekte ein. Im TP 2 (Integrativer Energieplanzenbau) steht der so genannte „integrative Energiepflanzenbau“ im Mittelpunkt der Forschung. Dies ist ein von der Gesellschaft getragener und akzeptierter, naturverträglicher und rentabler Anbau von Pflanzen unter Harmonisierung mit den sonstigen Ansprüchen an die Natur (Nutzungskonkurrenzen); die Nutzung von Stroh und Waldrestholz für die Energiegewinnung wird ebenfalls berücksichtigt.
Zum Teil wird hierbei die Bevölkerung aktiv in den Forschungsprozess eingebunden, indem weitere Bioenergieregionen angeregt und bestimmte landwirtschaftliche Nutzungskonzepte real erprobt werden. Unterschiedliche Arten der Vertragsgestaltung zwischen Bioenergieproduzenten und landwirtschaftlichen Lieferanten werden mit ihren Vor- und Nachteilen erforscht. Begleitend finden Erhebungen zur Akzeptanz unterschiedlicher Biomassenutzungskonzepte bei der Bevölkerung und den Landwirten statt (TP 3: Konsensorientierter Ausbau). Von den Geowissenschaften werden die Bedingungen und Auswirkungen der Energiepflanzengewinnung auf kontaminierten Standorten (TP 4: Kontaminierte Standorte) sowie die Schadstoffemissionen bei der Wärmegewinnung aus Stroh und Holz erforscht (TP 5: Holz- und Strohverbrennung), um auch deren Potenziale für bioenergetische Konzepte einzuschätzen. Zusätzlich wird an der Modellierung und Optimierung des Produktions- und Distributionssystems für Bioenergiedörfer gearbeitet (TP 6: Produktions-/Distributionssystem). Darüber hinaus werden im Forschungsvorhaben Empfehlungen zu Möglichkeiten der Umsetzung dieser Leitlinien in die landwirtschaftliche Praxis erarbeitet. In den Teilprojekten 2 und 3 werden nicht nur „herkömmliche“ grundlagenwissenschaftliche Ansätze verfolgt: Das wichtigste Merkmal der vorgeschlagenen Aktionsforschung besteht vielmehr darin, dass neben der Prüfung theoretischer Annahmen gleichzeitig verändernd in soziale Zusammenhänge eingegriffen wird. Konkret sollen mit Hilfe dieses Forschungsdesigns, aufbauend auf den Ergebnissen der Vorarbeiten in den genannten Teilprojekten, in ca. drei Landkreisen Niedersachsens weitere Bioenergieprojekte unterstützt oder angestoßen werden, indem Akteure vor Ort in Planungswerkstätten oder Workshops an den Konzeptionen beteiligt werden.