Sebastian Bitsch

Sebastian Bitsch ist seit August 2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Scheiner.

Thema der Dissertation sind die religiösen Dimensionen der Herrschaftslegitimation der marwānidischen Linie der umayyadischen Kalifen. Hierbei werden in diachroner Perspektive die beiden Großmächte der Spätantike, Byzanz und das Sāsānidenreich, sowie die verschiedenen Ausprägungen des alt-arabischen „Maliktums“ in den Blick genommen. In synchroner Perspektive soll danach gefragt werden, inwiefern sich die umayyadische Praxis religiöser Legitimation kalifaler Herrschaft als Reaktion auf sakrale bzw. theokratische Diskurse ʿalīdischer, proto-šīʿitischer und ḫāriǧitischer Oppositions-Bewegungen verstehen lässt. Vor diesem Hintergrund wird die Artikulation religiös grundierter Legitimität auf breiter Quellenbasis untersucht.


Neben den historiographischen Quellen werden Kanzleibriefe der Kalifen, Panegyrik und biographische Lexika sowie materielle Evidenz in Gestalt von Repräsentationsbauten und Inskriptionen, sowie numismatische Zeugnisse und Papyri einbezogen. Methodisch rekurriert die Arbeit zum einen auf die mediävitische Konzeption des Sakralkönigtums als Analysekategorie von Herrschaft, zum anderen werden Ansätze des transkulturellen Vergleichs und der Verflechtungsgeschichte für die Frühzeit des Islams nutzbar gemacht.


Ziel ist es einen bisher nicht unternommenen Versuch zu wagen, die Artikulation umayyadischer religiös grundierter Herrschaftslegitimation im Kontext spätantiker Ideologeme zu verorten, Interdependenzen herauszuarbeiten und damit einen Beitrag zur der Debatte um die Sinnhaftigkeit der Integration des frühen islamischen Imperiums in den „Denkraum Spätantike“ auf ideengeschichtlicher Grundlage zu leisten.