Forstbotanischer Garten
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Wasserbau und Holzschuhe

Das leicht zu bearbeitende, fein gezeichnete Holz der Erle wurde früher zu Küchengeschirr, Schusterleisten und Zigarrenkästchen verarbeitet. Die Verwendung ihres Holzes für die viel benötigten Holzschuhe brachte der Schwarzerle im Oldenburgischen auch den Namen „Holschenboom“ (Holzschuhbaum) ein. Doch nicht nur das Holz fand Verwendung: Blüten und Rinde wurden zum Ledergerben und Wollefärben benutzt, aus den Zapfen gewann man schwarze Tinte und das Reisig diente dem Kleinvieh im Winter als Nahrung.
Damals wie heute schätzt man die hohe Haltbarkeit des Erlenholzes im Wasserbau: Halb Venedig und halb Alt-Amsterdam stehen auf Erlenpfählen! Doch auch in der Kunst- und Möbeltischlerei, im Instrumentenbau oder als Furnierholz macht das weiche, leichte Holz mit der feinen Struktur eine gute Figur. Eine Besonderheit der Schwarzerle: ihr frisch geschnittenes Holz verfärbt sich durch Oxidation rot. Die Erle kann außerdem einen fakultativen Graukern ausbilden (2,4,11).


Alnus glutinosa Stammscheibe


Abbildung 6: Stammscheibe einer Schwarzerle mit fakultativem Graukern.


Helferin im Hochwasserschutz

Nach der Hochwasserkatastrophe im Jahre 2002 hat man sich auch die Bedeutung der Schwarzerle für den Hochwasserschutz wieder ins Gedächtnis gerufen: Von den drei europäischen Erlenarten (neben A. glutinosa kommen auch A. incana, Grauerle und A. viridis, Grünerle, vor), die zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) zählen, eignet sich die Schwarzerle am besten für die Uferbefestigung von Bächen und Flüssen. Ihr ausgeprägtes Wurzelwerk kann bis zu 4m in die Tiefe wachsen und dabei auch Bodenverdichtungen durchdringen. Und da sie enorm durstig ist, zieht die Schwarzerle gleichzeitig Wasser wie ein Schwamm (4,11).


Forstliche Bedeutung

Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist die Schwarzerle eine Nebenbaumart. Auf nassen Standorten kommt ihr jedoch eine wichtige waldbauliche Bedeutung zu. Durch ihre verstärkte Verwendung in der Möbelindustrie und die stärkere Gewichtung der Laubbaumarten in der Forstwirtschaft hat die Schwarzerle in den letzten Jahre vermehrtes Interesse gefunden (4,11).







Alnus glutinosa

Abbildung 1: Schwarzerlen-Solitär an kleinem Bachlauf.



Kontakt:

Forstbotanischer Garten und Pflanzengeographisches Arboretum der Universität Göttingen

Büsgenweg 2

37077 Göttingen

Germany

Tel. +49 (0)551 / 39-33 492 (Herr Meng)
Tel. +49 (0)551 / 39-33 482 (Sekretariat)
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Wissenschaftliche Leitung:
Prof. Dr. Andrea Polle
apolle@gwdg.de

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