Lichtenberg-Kolleg - The Göttingen Institute for Advanced Study

Dr. theol. Markus Zimmermann-Acklin

Von April bis Juli 2012
PD Dr. theol., Lehr- und Forschungsrat am Departement für Moraltheologie und Ethik
Universität Fribourg, Schweiz

Geboren 1962 in Lahnstein, Deutschland
Studium der katholischen Theologie in Frankfurt a. M. und Fribourg (Schweiz)



Forschungsvorhaben
Ethische Überlegungen zur Rationierung im Gesundheitswesen

Wie kann angesichts der knappen Ressourcen im Gesundheitswesen eine qualitativ hoch stehende und sozial finanzierte Gesundheitsversorgung für alle auf Dauer gesichert werden? Diese Frage steht im Zentrum der gegenwärtigen Rationierungsdebatten, die in vielen Hochlohnländern der Welt geführt werden.Die Knappheit wird wahrscheinlich aufgrund demographischer Veränderungen und steigenden Personalmangels in den nächsten Jahren noch zunehmen. Im
Rahmen ethischer Debatten ist darum zu überlegen, wie der Zugang zu Leistungen gerecht und menschlich angemessen gestaltet werden kann. Gesundheitsversorgung und Pflege sind zentrale Themen der christlichen Sozialethik: Im Rahmen normativer Überlegungen sind Prinzipien wie die Menschenwürde, Solidarität und Verletzlichkeit zentral, mit Blick auf das christliche Menschenbild geht es um Fragen der christlichen Identität. Knappheits- und Grenzerfahrungen legen zudem nahe, grundlegende Sinnfragen zu stellen, welche die Endlichkeit menschlichen Lebens und den Sinn des medizinischen Fortschritts
betreffen. Der amerikanische Philosoph und Gründer des Hastings Centers Daniel Callahan hatte dies bereits 1999 mit seinem Buch »False Hopes« angeregt.
Die gesundheitsethischen Fragen beschäftigen mich seit einigen Jahren im Rahmen von Forschungsprojekten und öffentlichen Debatten, auf deren Basis auch einige Publikationen entstanden sind. Die Zeit am Lichtenberg-Kolleg möchte ich nutzen, um die Arbeit an einer Monographie zum Thema fortzusetzen, die mich seit einiger Zeit beschäftigt und welche in fünf Teilen angelegt ist: (1) Problemstellung, (2) Begriffsklärungen, (3) Erfahrungen mit Leistungsbeschränkungen, (4) bereichsethische Diskussion, (5) Empfehlungen. Das Ziel meiner Forschungsbemühungen besteht darin, Orientierungs- und Handlungswissen zuhanden der Verantwortlichen auf den verschiedenen beteiligten Ebenen in Politik, Management und am Krankenbett zu erarbeiten.


Ausgewählte Publikationen

Zimmermann-Acklin, M. 2011 (forthcoming). »Altersrationierung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen« in Schicktanz, S. / Schweda, M. (eds.): Pro-Age oder Anti-Aging? Altern im Fokus der modernen Medizin. Frankfurt a. M.: Campus.

Zimmermann-Acklin, M. 2011. »Die Rationierungsdiskussion in der Schweiz. Beobachtungen aus ethischer Perspektive« in Wild, V. / Pfister, E. / Biller-Andorno, N. (eds.): DRG und Ethik. Ethische Auswirkungen von ökonomischen Steuerungselementen im Gesundheitswesen. Basel: EMH-Verlag, pp. 127–139.

Zimmermann-Acklin, M. 2010. Bioethik in theologischer Perspektive. Grundlagen, Methoden und Bereiche. Freiburg i. Ue. / Freiburg i. Br.: Academic Press Fribourg / Verlag Herder, 2. erw. Aufl., zuerst 2009.

Zimmermann-Acklin, M. 2009. Verlust der Ethik? Bioethik zwischen Institutionalisierung und Ideologiekritik. Bioethica Forum 3(1) (2010): 12−16.

Zimmermann-Acklin, M. / Halter, H. (eds.). 2007. Rationierung und Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Beiträge zur Debatte in der Schweiz. Basel: EMH-Verlag.