Seminar für Deutsche Philologie, Abteilung Komparatistik

Was ist Komparatistik?

Als Allgemeine Literaturwissenschaft befasst sich die Komparatistik mit grundlegenden Fragen der Literaturtheorie, Methodologie, Poetik und Intertextualität.

Als Vergleichende Literaturwissenschaft beschäftigt sie sich mit der Gesamtheit der formalen, historischen, thematischen Beziehungen zwischen Werken verschiedener Nationalliteraturen, Zeit-, Sprach- und Kulturräume. Vorzugsweise gilt ihr Augenmerk der Wirkungsgeschichte von Texten der Weltliteratur, d.h. den Ähnlichkeiten und Differenzen, wechselseitigen Einflüssen und typologischen Beziehungen zwischen Einzelliteraturen, nationalliterarischen Schulen, Stilrichtungen, Strömungen bzw. einer Vielfalt von Stoff-, Motiv-, Problem-, Gattungs- und Epochenzusammenhängen in fachübergreifender und nationenübergreifender Perspektive und schließlich der Theorie und Praxis der literarischen Übersetzung.

Als Vergleichende Kunst- und Kulturwissenschaft interessiert sich die Komparatistik für Fragen der Intermedialität und des Wechselspiels der Literatur mit anderen Künsten, Medien und kulturellen Diskursen.

Zu den Nationalphilologien und den einzelnen Kunst- und Kulturwissenschaften steht die Komparatistik in einem wechselseitig fruchtbaren Austausch- und Ergänzungsverhältnis. Sie bewegt sich in den Übergangs- und Berührungszonen vieler Einzelfächer des literatur-, kunst- und kulturwissenschaftlichen Spektrums, deren Erkenntnisse und Fragestellungen sie aufgreift und erweitert. Zugleich eröffnet die komparatistische Perspektive ihrerseits anregende und innovative Gesichtspunkte für das Studium der Nationalliteraturen und der einzelnen Künste.


„Was verstehen Sie unter Komparatistik?“
Antworten von MA-Studierenden im ersten Semester im Februar 2012

„Eine Disziplin, welche sich übernational und übermedial mit Literatur und ‚Texten’ auseinanderzusetzen weiß, dabei in der Lage ist, ihre Methodik für sich auszuweiten und auf andere Disziplinen zu übertragen. Sie ist somit eine ständig grenzendurchbrechende und -erweiternde Disziplin.“

„Komparatistik ist für mich – nach diesem ersten Semester – eine allgemeine Literaturwissenschaft, die primär von der Literatur ausgeht, es aber auch ermöglicht, von der Literatur aus andere Bereiche zu betrachten und mit Literatur zusammenzubringen. Der Vergleich enthält zudem – soweit ich sehe – die Möglichkeit, über die Feststellung der Differenz der Untersuchungsobjekte zu einer Synthese allgemeiner Schlussfolgerungen zukommen.“

„Corbineau-Hoffmann folgend sehe ich Komparatistik als AVL mit einem sehr weiten/offenen Arbeitsfeld. Man kann von Fluch und Segen sprechen, das als Untersuchungsgegenstand im Grunde jedwedes literarische Erzeugnis als auch solche, die auf Literatur zurückzubeziehen sind, dienen kann/können. Komparatistik ermöglicht einen Zugang zur Welt, insbesondere der medialen, der stets eine literaturwissenschaftliche Basis hat und somit ein bestimmtes Verständnis der Dinge ermöglicht, aber bisweilen auch erfordert.“

„Komparatistik ist eine Literaturwissenschaft, die sich mit allgemeinen literaturtheoretischen Fragen beschäftigt und der dafür theoretisch (je nach Sprachkenntnis) alle Texte der Welt zu diesen Themen zur Verfügung stehen. Außerdem vergleicht sie Werke und Phänomene über nationale, mediale und sprachliche Grenzen hinweg.“

„Meiner Meinung nach ist die deutsche Bezeichnung ‚Allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft’ sehr treffend für das Fach. Dabei sehe ich das ‚allgemeine’ vor allem im Gegenstand: alle Literatur(en) ohne Einschränkungen können untersucht werden. ‚Vergleichende’ und ‚Literaturwissenschaft’ beschreiben dagegen besonders die Methodik. Die Komparatistik ist also eine Literaturwissenschaft, die sich v.a. durch ihren Gegenstand und dem besonderen Schwerpunkt auf dem Vergleichen von den anderen Philologien unterscheidet. Ansonsten können/müssen aber durchaus ähnliche Methoden verwendet werden, wie in den anderen Literaturwissenschaften, in denen das Vergleichen auch nicht unüblich ist. Besonders wenn es um die Definition von Gattungen oder die Beschreibung von Epochen geht, kann die Komparatistik mit ihrem übergeordneten Standpunkt auch Impulse für die anderen Philologien geben – und bei der Forschung auf deren Ergebnisse zurückgreifen.“

„Komparatistik ist für mich eine Art Netzwerk/-system, welches die unterschiedlichen Philologien, die Literatur und alles, was mit ihr zusammenhängt, verbindet. Sie setzt da an, wo andere Philologien enden, und führt diese weiter. Sie ist grenzüberschreitend und ermöglicht somit eine Art ‚Erleuchtung’, eine Überschaubarkeit.“

„Zunächst wird im Zusammenhang mit der Komparatistik der Vergleich genannt. Sicher ist dies zutreffend, doch meiner Meinung nach geht die Komparatistik noch weit darüber hinaus. Sie betrachtet Literatur und Werke, die die Grenzen der verschiedenen Sprachräume überwinden, wertet jedoch nicht zwangsläufig, zudem ist sie hilfreich dabei, Erfahrungen über Eigenes zu sammeln. Die Komparatistik zeigt internationale Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten auf literarischer Ebene auf.“

„Die Komparatistik zielt darauf ab, eine möglichst unvoreingenommene und sprach-/nationen- und fachübergreifende Haltung den Künsten, gesellschaftlichen Diskursen und Modi des menschlichen Ausdrucks gegenüber anzunehmen. Ich halte es jedoch auch für sinnvoll, wenn der Komparatist seine eigenen Hintergründe und Vorkenntnisse anwendet, damit diese seinen Forschungsgegenstand weitmöglichst erhellen. Den Schwerpunkt auf die verschiedenen Disziplinen der Geistes- und Naturwissenschaften finde ich auch sehr wichtig – Der Komparatist scheint überall und nirgendwo fremd zu sein.“