Phytodiversität und Vegetationsstruktur von Pferdeweiden - Grundlagen nachhaltiger Weideführung

Beteiligte Wissenschaftler:

Anja Schmitz, Bettina Tonn , Johannes Isselstein

Ziel:

Ziel des Projektes ist ein verbessertes Verständnis der Vegetationsstruktur von Pferdeweiden sowie deren Dynamik in Abhängigkeit von Parametern des Weidemanagements. Daraus hervorgehend sollen Grundlagen zur Bewertung des ökologischen Potentials von Pferdeweiden sowie Ansätze für eine nachhaltige Bewirtschaftung von Grünland mit Pferden generiert werden.

Hintergrund:

Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahren zunehmend zu beklagenden Verlustes artenreichen Grünlands durch Nutzungsintensivierung wird verstärkt nach Möglichkeiten gesucht, diesen Prozess aufzuhalten und Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität des Grünlands zu entwickeln. Dahingehend ist der positive Effekt extensiver Beweidung bekannt, die Weidewirtschaft in der konventionellen Landwirtschaft jedoch rückläufig.
Pferde gewinnen als Weidetiere für die Bewirtschaftung und den funktionalen Erhalt des Grünlands insbesondere in ballungsraumnahen ländlichen Gebieten zunehmend an Bedeutung. Der ökologische Wert von Pferdeweiden wird jedoch in der Praxis aufgrund der mitunter zu beobachtenden Narbendegradierung bei zu hohem Besatz (selektiver Fraß, Vertritt und Nährstoffumlagerung) kontrovers diskutiert. Pferdeweiden bergen aufgrund der kleinräumigen Heterogenität in der Vegetationsstruktur und der tendenziell schlecht nährstoffversorgten Böden jedoch auch ein hohes Potential für ausgeprägte Artenvielfalt. Qualität, Quantität und Dynamik der Weidewirkung des Pferdes und daraus hervorgehender Effekte auf lokale und regionale Phytodiversität wurden allerdings bislang nicht hinreichend untersucht. Ein verbessertes Verständnis des Weideeffekts des Pferdes in Abhängigkeit von Standort und Management ist erforderlich, soll langfristig eine nachhaltige Nutzung angestrebt werden.

Projekt:

Einem stratifiziert genesteten Design folgend werden Pferdestand-, Pferdeumtriebs- und Rinderweiden von insgesamt 60 Praxisbetrieben im Bergisches Land hinsichtlich ihrer Vegetation und deren Dynamik in Abhängigkeit vom jeweiligen Management und Standort vergleichend untersucht.

Untersuchungsschwerpunkte:

  • Heterogene Strukturen in Vegetationskomposition und Bodennährstoffverfügbarkeit von Pferdeweiden im Vergleich zu Rinderweiden. Relativer Einfluss von Nutzungsregime und Management.
  • Räumliche und jahreszeitliche Dynamik der Patchiness und Vegetationskomposition von Pferdeweiden. Relativer Einfluss von Nutzungsregime und Management.
  • Phytodiversität von Pferdeweiden im Vergleich zu Rinderweiden auf verschiedenen räumlichen Skalenebenen.
  • Diasporenbank unter Pferde- und Rinderweiden in Abhängigkeit von Nutzungsintensität und Standortfaktoren. Möglichkeiten zur Steigerung der Phytodiversität oder Risiko der Ausbreitung von Weideunkräutern?

  • Anja Schmitz wird im Rahmen des Promotionsstipendienprogrammes der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.