Rekonstruktion der Landschaftsentwicklung in der Mongolei unter dem Einfluss von Klima und Pastoralismus anhand geomorphologischer Archive

Die Kernfrage dieses Projekts, seit wann und in welchem Ausmaß der Mensch das Vegetationsmuster in den semihumiden bis ariden Waldsteppen- und Steppengebieten der Mongolei beeinflusst hat, ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Die archäologische Überlieferung durch Gräber und Sakralbauten setzt erst mit der Bronzezeit (3,5 ka BP) ein, als der der Nomadismus mit seinem gesamten Tierspektrum bereits voll entwickelt war. Dagegen ist die vorausgegangene Übergangsperiode von der Lebensform der Jäger und Sammler hin zur Haltung domestizierter Weidetiere aufgrund der wenigen erhaltenen Artefakte aus dieser Zeit kaum dokumentiert. Dieses Projekt basiert auf der Hypothese, dass die Entwicklung des Pastoralismus seit dem ausgehenden Neolithikum in den Steppenlandschaften der Mongolei zu tiefgreifenden Veränderungen der Vegetation führte, die wiederum eine Intensivierung geomorphologischer Prozesse auslösten. In diesem Projekt wird ein innovativer Forschungsansatz entwickelt und angewendet, der es ermöglicht, die räumlichen und zeitlichen Muster des Einsetzens der Landschaftsveränderungen durch den Menschen auf lokaler und regionaler Ebene zu erfassen. Der Ansatz stützt sich auf eine Kombination aus geomorphologisch-pedologischen Gelände- und Labormethoden, numerischen Datierungen, Holzkohle- und Biomarkeranalysen.

Die eingesetzten geomorphologisch-pedologischen Methoden basieren auf der folgenden Kausalkette: Menschliche Aktivitäten wie Holzeinschlag, Feuer und Waldweide führten zur Reduzierung der Waldfläche und zur Degradierung der Steppenvegetation durch Überbeweidung. Folgen dieser Eingriffe in die Landschaft waren erhöhte Bodenerosion sowie fluviale und äolische Sedimentumlagerungen. Diese wiederum führten zu der in dieser Landschaft auffällig weiten Verbreitung von geschichteten Sedimenten mit organischen Lagen, Paläoböden und Holzkohle. Letztere stellen nun hervorragende Archive zur Rekonstruktion der holozänen Geomorphodynamik und ihres zeitlichen Verlaufs in dieser Landschaft dar. Sie bilden die Schlüssel-Untersuchungsobjekte dieses Projekts. Der direkte Nachweis des erstmaligen Auftretens domestizierter Herdentiere und entsprechender Weidewirtschaft wird mittels Lipidbiomarkern erfolgen. Hierbei dienen Fäkalsteroide, die als stabile Substanzen in Paläoböden und Sedimenten erhalten bleiben, als Indikatoren für die lokale Präsenz der relevanten Tierarten wie Pferd, Yak, Rind, Schaf und Ziege.

Die erfolgreiche Implementierung der vorgesehenen Kombination aus geomorphologischen, pedologischen und geochemischen Methoden wird auch einen neuen Ansatz zur Identifizierung anthropogener Signale in Paläoklimarekonstruktionen liefern. Dieser Beitrag ist hochrelevant, da sich die derzeit bestehenden Unsicherheiten in der Rekonstruktion der jungholozänen Klimaentwicklung in der Mongolei vor allem durch die Überlagerung von klimatischen und anthropogenen Signalen in den Proxydaten ergeben, die mit den bisherigen Verfahren kaum voneinander zu separieren sind.


Projektleitung:



Projektpartner Mongolei:

  • Prof. Dr. Dashtseveg Tumen, National University of Mongolia, Department of Archeology and Anthropology
  • Dr. Natalia Tsydenova, National University of Mongolia, Dept. of History and Culture of Central Asia, Institute of Mongolian, Buddhist and Tibetan Studies
  • Dr. Undrakh-Od Baatar, Mongolian Academy of Science, Soil Research Group



Kooperationspartner: