Titel des Projekts
HOW TO VENTURE CAPITAL: FINANZIERUNG VON START-UPS IM GEFÜGE VON STAAT, BANKEN UND BÖRSEN. Eine vergleichende Untersuchung der deutschen und US-amerikanischen Unternehmensfinanzierung

Kurzgliederung:

1 EINLEITUNG: INNOVATIONSFINANZIERUNG UND FINANZIERUNGSSYSTEME

1.1 ENTWICKLUNGSBEDINGUNGEN VON VENTURE CAPITAL
1.2 INNOVATIONSFINANZIERUNG IN FINANZIERUNGSSYSTEMEN. KONVENTIONELLE LESART DER INSTITUTIONELLEN LANDKARTE 1.3 VORSCHLAG EINES ALTERNATIVEN ANALYSERAHMENS
1.4 VORGEHENSWEISE

2 INNOVATIONSFINANZIERUNG IM FINANZIERUNGSSYSTEM DER USA

2.1 INNOVATIONSFINANZIERUNG IN DEN USA. VORGEHENSWEISE
2.2 DAS US-AMERIKANISCHE FINANZIERUNGSSYSTEM
2.3 DIE AMERICAN RESEARCH AND DEVELOPMENT CORPORATION. EIN PRIVATWIRTSCHAFTLICHER VERSUCH DER INNOVATIONSFINANZIERUNG
2.4 SMALL BUSINESS INVESTMENT COMPANIES. ZUSAMMENSPIEL VON STAATLICHER INITIATIVE UND KAPITALMARKT
2.5 DIE LIMITED PARTNERSHIP. SCHILD DER INNOVATIONSFINANZIERUNG VOR DEM KAPITALMARKT UND SCHWERT DES KAPITALS IN DER UNTERNEHMENSFINANZIERUNG
2.6 DAS STAATLICHE SMALL BUSINESS INNOVATION RESEARCH PROGRAMM. ERGÄNZUNG ZUR PRIVATEN INNOVATIONSFINANZIERUNG
2.7 ZUSAMMENFASSUNG ZU US-AMERIKANISCHEN ORGANISATIONSFORMEN DER VENTURE CAPITAL-FINANZIERUNG

3 INNOVATIONSFINANZIERUNG IM FINANZIERUNGSSYSTEM DEUTSCHLANDS

3.1 INNOVATIONSFINANZIERUNG IN DEUTSCHLAND. VORGEHENSWEISE
3.2 DAS DEUTSCHE FINANZIERUNGSSYSTEM
3.3 DIE DEUTSCHE KAPITALBETEILIGUNGSGESELLSCHAFT. EINE ABRUNDUNG DES BANKENORIENTIERTEN FINANZIERUNGSSYSTEMS 3.4 STAATLICHE IMPULSE UND FÖRDERUNG DER BETEILIGUNGSFINANZIERUNG INNOVATIVER UNTERNEHMEN
3.5 EXPANSION DER DEUTSCHEN KAPITALBETEILIGUNGSGESELLSCHAFTEN IN DEN 1980ER UND 1990ER JAHREN UND IHRE URSACHEN
3.6 FÖRDERUNG DER INNOVATIONSFINANZIERUNG DURCH DEN STAAT
3.7 ZUSAMMENFASSUNG

4 FAZIT

4.1 DIE ENGE FRAGESTELLUNG: ENTSTEHUNG VON VENTURE CAPITAL
4.2 DIE WEITE FRAGESTELLUNG: KONVERGENZTENDENZEN BEIDER FINANZIERUNGSSYSTEME
4.3 VERBLEIBENDE FORSCHUNGSLÜCKEN UND AUSBLICK

Zusammenfassung:
Führt eine allgemein konstatierte Innovationskrise in Deutschland dazu, daß sich das deutsche System der Unternehmensfinanzierung an das US-amerikanische Vorbild anpaßt? Der vorliegende Beitrag nimmt sich dieser Frage an, indem er historisch-vergleichend vorgeht und dabei die Funktion von Venture Capital-Gesellschaften (VCGs) im Rahmen der nationa-len Institutionen beider Länder untersucht.

VCGs sind spezialisierte Finanzintermediäre zwischen innovativen Unternehmen und Kapi-talgebern. Sie balancieren die Risiken der Kapitalüberlassung gegen die Chancen hoher Ren-diten aus: Zum einen selektieren und finanzieren sie vielversprechende sowie innovative Un-ternehmen und unterstützen sie während ihrer Wachstumsphase. Zum anderen helfen VCGs bei der Diversifizierung, indem sie das eingesetzte Kapital aus unterschiedlichen Quellen be-ziehen und in verschiedene Unternehmen investieren.
Die Bestimmung von Investitionsstrategien wird in dieser Untersuchung an eine historisch-komparative Betrachtung der Entwicklungen in Deutschland und den USA angebunden. Da-bei interessieren vor allem drei Fragen. Erstens, wie durchdringt der jeweilige Charakter des nationalen Finanzierungssystems den Bereich der Innovationsfinanzierung? Zweitens, bietet der institutionelle Rahmen, in den US-amerikanische VCGs eingebunden sind, ihnen bessere Ausgangsbedingungen als in Deutschland? Und zuletzt, stellen US-amerikanische Rahmen-bedingungen den Konvergenzpunkt des deutschen Finanzierungssystems dar? Und falls dies zutreffen sollte: Wäre eine solche Konvergenz als Prozeß zunehmender Vermarktlichung zu charakterisieren?

In den USA bildeten sich VCGs früher als in Deutschland, als Vorreiter gilt die American Research and Development Corporation. Nennenswerte Summen bewegten sie freilich erst mit der Unterstützung staatlicher Programme, darunter des SBIC-Programms. Der entschei-dende Durchbruch kam indes erst, als zu den privaten Kapitalgebern institutionelle Investoren hinzukamen, insbesondere große Pensionsfonds. Dies war aber nur möglich auf der Grundla-ge einer spezifischen Intervention des Staates. Dieser mußte die Verbreiterung der Investiti-onsmöglichkeiten von institutionellen Anlegern sicherstellen - durch deren Immunisierung gegenüber den Einwänden von Pensionsempfängern. Die bis dahin gerichtlich durchsetzbaren Forderungen von Rentenbeziehern nach einer risikoscheuen Investitionspraxis hinderte Pensi-onsfonds daran, auf der Suche nach hohen Renditen in Venture Capital zu investieren. Das amerikanische System ist also viel weniger marktzentriert als man bisher annahm: govern-ment matters!

In Deutschland entstanden ebenfalls zahlreiche VCGs, das geschah aber relativ spät, zum En-de der 1990er Jahre. Diese VCG wurden zumeist von deutschen Banken im Rahmen der Ver-änderung ihrer Strategien gegründet, welche weg von dem Universalbanksystem auf eine stärkere Betonung des Investmentbankings zielten. Somit führte auch im bankenzentrierten System Deutschlands ein Weg hin zu VCGs. Allerdings stützten die deutsche VCG-Welle zwei weitere Faktoren: Zum einem der Umbau der Institution "Börse" durch Etablierung des "Neuen Markts", d.h. einer bisher fehlenden Möglichkeit zur Emission von Aktien kleiner Hightech-Unternehmen, nicht zuletzt durch VCGs. Der zweite Faktor war die Neuakzentuie-rung der Institution "Staat" durch die Einrichtung staatlicher Förderprogramme zur Minde-rung des Anlagerisikos privater Investoren, insb. VCGs, in Venture Capital. So bleibt auch hier festzuhalten: Keines dieser institutionellen Rearrangements erklärt für sich den VCG-Schub in Deutschland, und die neuen Bankenstrategien waren ebenso wichtig wie die institu-tionellen Veränderungen.

Summa summarum zeichnet der angestellte Vergleich der deutschen und US-amerikanischen Entwicklung des Venture Capitals und dessen Einbettung ins jeweilige Finanzierungssystem ein Bild, das durch einseitige „Konvergenz" und „Imitation" nicht zutreffend beschrieben werden kann. Zum einen deuten der Aufbau und die Entwicklung der VCG darauf hin, daß beide Finanzierungssysteme keinesfalls so restriktiv gegenüber „systemfremden" Elementen sind, wie oft angenommen. Dies betrifft sowohl die Funktionen der Selektion, Betreuung von Beteiligungen als auch deren Veräußerung, die erst im Rückgriff auf das sie umgebende Fi-nanzierungssystem Unterschiede aufweisen. Unterschiedlich ausgerichtete Finanzierungssy-steme können also durchaus Ähnliches leisten, d.h. hier Innovationsfinanzierung bereitstellen. Entscheidend ist freilich die Passung ins institutionelle Gefüge, so ein wichtiges und fundier-tes Ergebnis der Untersuchung.
Neben der Anpassung der Innovationsfinanzierung in das jeweilige Finanzierungssystem lie-fert die Analyse Anhaltspunkte für die Behauptung, daß beide Systeme einem Wandel unter-liegen. Dieser führt sie in Richtung auf das jeweils andere hin, keinesfalls kann aber davon gesprochen werden, daß eines das Gravitationszentrum für das andere darstellte. Es scheint ein (in der weiten Zukunft liegendes) drittes Ziel zu geben, das beide anvisieren, freilich von unterschiedlichen Ausgangspunkten her.