Hallo 😊 Wie heißt du und in welchem Semester studierst du Skandinavistik?

Ich heiße Annemie und ich studiere aktuell im 4. Mastersemester.

In welcher Stadt bzw. an welcher Uni bist du gerade und wie findest du es dort?

Ich bin im dänischen Århus und fühle mich hier sehr wohl. Ich wohne mit zwei anderen Frauen in einer WG in einem kleinen Reihenhaus. Mit diesem Zimmer hatte ich sehr Glück und auch mit meinen Kursen an der Uni bin ich zufrieden. Ich bin ja auch außerhalb meines Auslandssemesters häufiger hier und deshalb fühle ich mich fast genauso zu Hause wie in Göttingen.

Warum hast du dich für diese Uni/Stadt entschieden?

Da ich den Monomaster in Skandinavistik mache und meine Hauptsprache Dänisch ist, hatte ich keine andere Wahl als nach Århus zu gehen. Das ist aber auch völlig perfekt so, weil ich die Stadt eben schon kenne und sehr entspannt an das Erasmus Semester herangehen konnte.

Welche Kurse/Vorlesungen/Seminare hast du denn so gewählt und wie gefallen sie dir?

Ich besuche 3 Kurse und mache damit insgesamt 30 ECTS. Mein Lieblingskurs heißt Sproglig Variation. Also Sprachliche Variation. Wir forschen empirisch zu dänischen Dialekten, Soziolekten und Multiethnolekten. Beispielsweise hatten wir ein Bild von einem Warentrenner auf dem Laufband im Supermarkt und sind damit in Supermärkte gegangen und haben die Leute gefragt, wie sie dieses Teil bezeichnen. Viele wussten gar keine Antwort, weil sie sich einfach keine Gedanken darüber machen. Für mein Portfolio untersuche ich jedenfalls den Grundton im Stød Dialekt, also den sogenannten Knacklaut, den die Mehrheit der Dänen beim Sprechen macht, mit Hilfe eines Computerprogramms. Sehr spannend!
Der zweite Kurs heißt Sprog, Tekst og Samfund (Sprache, Text und Gesellschaft) in dem untersuchen wir vorwiegend Texte und Bilder aus den sozialen Medien darauf, wie sie gesellschaftlich einzuordnen sind. Besonders beliebt zur Analyse waren Beiträge von Mette Frederiksen, der dänischen Staatsministerin. Zum Portfolio gehört allerdings auch das Schreiben einer Rede, in der ich von der Rettung des Dänischunterrichts in der Welt geschrieben habe :D
Der letzte Kurs heißt Nyere Litteraturhistorie und da geht es ganz einfach um skandinavische Literaturgeschichte von 1850 bis zur Gegenwart. Einiges kannte ich schon, habe aber auch erstaunlich viele neue Eindrücke gewinnen können bzw mein Wissen vertiefen können.

Wie sieht es mit deinen Sprachkenntnissen aus? Kannst du sie im Alltag anwenden, haben sie sich verbessert?

Ich spreche fast ausnahmslos Dänisch. Ich habe mich zweimal mit meiner Erasmusgruppe getroffen, die alle kein Dänisch sprechen, das war dann auf Englisch. Ansonsten wohne ich ja mit zwei Däninnen zusammen, habe alle Seminare auf Dänisch und habe regelmäßigen Kontakt zu engen dänischen Freunden meiner Familie, deren kleine Kinder auch bisher nur Dänisch sprechen können. Tatsächlich habe ich unabsichtlich dänische Redewendungen übernommen, die ich ab und an in meine Sprache einfließen lasse. Man lernt also die ganze Zeit auch unbewusst und auch wenn man denkt, man kann schon alles.

Wie verbringst du deine Freizeit?

Ich fotografiere viel und lerne darüber auch neue Leute kennen auch mal aus anderen Städten. Das macht viel Spaß. Ansonsten schätze ich die Harry Potter Abende mit meinen Mitbewohnerinnen sehr. Ich verbringe viel Zeit bei meiner Dänischen Familie oder bin zu Hause, mache Unikram, gehe zum Sport oder stricke. Eine Freundin von mir, die auch von der Skandinavistik kommt, ist auch zurzeit in Århus und manchmal unternehmen wir etwas zusammen.

Gibt es etwas in Bezug auf deine ERASMUS-Erfahrung, das dir nicht so gefällt/das du gerne ändern würdest?

Die Erasmus-Veranstaltungen sind zwar ganz nett, wenn man ankommt und noch niemanden kennt, um Leute kennenzulernen, aber wenn man nicht so aktiv nach Kontakt zu Muttersprachlern sucht, dann passiert es schnell, dass man in dieser Internationalen Gruppe hängenbleibt und die Beziehung zu dem Land, das man kennenlernen möchte, etwas auf der Strecke bleibt. Deshalb bin ich kein großer Fan von diesen Partys, weil da vieles einfach oberflächlich bleibt. Man hat auch oft das Gefühl, wenn man die Instagramstorys sieht, dass es vor allem darum geht, wer am meisten erlebt und die spektakulärsten Bilder posten kann und das ist nicht so mein Ding, weil man dadurch das Gefühl bekommt, man verpasst etwas.
Das ist aber natürlich meine subjektive Wahrnehmung und ich bin einfach nicht der Typ dafür. Es gibt sicher eine Menge Studierende, die diese Angebote sehr schätzen und deshalb ist es natürlich gut, dass es sie gibt. 😊 Sonst bin ich eigentlich in Hinsicht auf Erasmus mit allem zufrieden.

Was würdest du Skandis, die sich überlegen, mit ERASMUS ins Ausland zu gehen, mitgeben (Geheimtipps, Hinweise zur Organisation, Life Hacks etc.)?

Also zum einen ist es sehr wichtig, sich jede E-Mail, die man von der Partneruni oder Göttingen International wirklich gründlich und bis zum Ende durchzulesen. Man bekommt gerade am Anfang sehr viele Informationen und da muss man sehr aufpassen, dass man nicht aus Versehen irgendwelche Fristen verpasst.
Zum Thema wohnen kann ich ja auch zwei Semestern Erfahrung sprechen. Wenn man angibt, dass man über die Uni ein Zimmer vermittelt bekommen möchte, ist das sehr praktisch und man muss nicht viel machen. 2020 hatte ich da mit meinem Studentenwohnheim sehr Glück. Dieses Mal hat mir aber das Kollektiv mit 10 anderen International, mit keiner anderen dänisch sprechenden Person, nicht so zugesagt, weshalb ich das Risiko eingegangen bin und in einer von vielen Facebookgruppen gesucht habe und wahnsinnig Glück mit einem super Zimmer für einen Preis gefunden habe, den man sonst in der ganzen Stadt nicht bekommt. Also sucht euch da frühzeitig schon Alternativen, aber brecht auch nicht in Panik aus. Erfahrungsgemäß ergibt sich immer irgendwas.
Allerdings solltet ihr auch dafür sorgen, dass ihr genug finanzielle Sicherheit habt, denn Dänemark kann in dem einen Semester schon wirklich teuer werden, wenn ihr gut essen wollt und die Erasmus Förderung ist eine super Stütze, deckt aber nicht alles ab. Apps wie ToGoodToGo sind aber sehr beliebt und sinnvoll um Geld zu sparen.
Ein kleiner Geheimtipp: Ich wohne direkt bei den Hasle Bakker. Das sind renaturierte Hügel auf einer ehemaligen Bauschutt Deponie. Man läuft nur ein paar Minuten hoch und kann aber über fast die ganze Stadt schauen.
Außerdem müssen am Anfang viele Dokumente gedruckt und unterschrieben werden. Das geht problemlos im Dokk1 also in der Bibliothek bzw da wo der Bürgerservice und die Ausländerbehörde ist. Da müssen ohnehin alle am Anfang hin, um sich registrieren zu lassen und die CPR Nummer zu bekommen. Dafür bietet Erasmus aber Termine an und man muss sich keinen großen Kopf machen. Wichtig ist wie gesagt nur: Emails ordentlich lesen!

Wie lang bist du noch in Dänemark und hast du Pläne, was du noch so machen möchtest?

Ich fahre über Weihnachten nach Hause, komme aber im Januar nochmal für 2 oder 3 Wochen zurück. Ich besuche noch einige Freunde in verschiedenen Teilen Dänemarks und habe auch eine Freundin gefunden, die auch Fotografin ist und mit der ich noch Sachen umsetzen möchte. Außerdem werde ich mich in Ruhe in die Bibliothek im Dokk1 setzen und mit Blick auf den Hafen eine ausstehende Hausarbeit für Göttingen schreiben. 😊


Mange tak für deine Zeit und die vielen Einblicke! Weiterhin alles Gute für deinen Aufenthalt in Dänemark!