Forstbotanischer Garten

Brauchtum


Die Hainbuche wurde schon früh waldbaulich eingesetzt, zum einen als pflegender Begleiter der Eiche, und zum anderen in der Zeit, als der Wald fast ausschließlich in einer dem Niederwald ähnlichen Bewirtschaftungsform zur Brenn- und Bauholzgewinnung diente. Für diese Art der Bewirtschaftung benötigt man Baumarten, die wieder austreiben, wenn sie abgeschnitten bzw. auf den Stock gesetzt werden. Die Hainbuche besitzt neben der Eiche ein sehr hohes Stockausschlagvermögen, so dass mit Umtriebszeiten von 15-20 Jahren gewirtschaftet werden konnte. Heute ist diese Art der Niederwaldwirtschaft fast ausgestorben. In einigen Teilen Deutschlands haben sich jedoch solche historischen Bewirtschaftungsformen erhalten, wie z.B. im Siegerland. Hier wird die Siegerländer Haubergswirtschaft betrieben, bei der aber vermehrt auf die Stockausschläge der Eiche gesetzt wird, als auf die der Hainbuche.

Des weiteren ist die Hainbuche schon immer als Hecke und Ziergehölz beliebt. Eine spezielle Form hiervon sind die Hage, in denen sie mit anderen Hagehölzern wie dem Feldahorn als „lebende Zäune“ verwendet wird. Das Tegernseer Tal stellt eine jahrhundertealte Kulturlandschaft dar, die in ihrer ursprünglichen Form fast vollständig erhalten geblieben ist. Diese Kulturlandschaft wird dabei sehr von den noch erhaltenen Hagen geprägt. Diese entstanden im 12. Jahrhundert und waren eine Bewirtschaftungsauflage der Klöster, um die verschiedenen Höfe der Lehensträger von einander abzugrenzen. Eine weitere Funktion dieser Hagen ist die der Weidezäune für das Vieh. Viele dieser Hagen wurden schon in den fünfziger Jahren unter Naturschutz gestellt und haben somit die Flurbereinigungen überstanden. Auch heute noch sind diese alten Hagen nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern bieten vielen Tierarten Unterschlupf und bieten Wind- und Erosionsschutz.

Eine weitere mittelalterliche Verwendung der Hainbuche findet sich in den so genannten Knickichten, Wehrholzen oder Gebücken. Schon Cäsar und Tacticus erkannten, dass die Nervier und die Treverer solche Wehrhecken bauten. Auch in der Zeit der Karoliner ließen diese ihre Fliehburgen von solchen natürlichen Hindernissen umwachsen. Eine besondere Rolle spielten die Landwehre oder Gebücke während des Dreißigjährigen Krieges. Sie bestanden ursprünglich aus einem Wall mit einem dazugehörigen feindwärts gelegenen Graben und auf den Wällen wurden meist Hainbuchen oder andere Hagehölzer gepflanzt, die dann mit der Axt umgeknickt und mit den wildwachsenden Brombeeren, Heckenrosen und anderen Dornenbüschen verknüpft wurden. Sie bildeten so recht schnell eine breite Barriere. Ein bekanntes Beispiel eines solchen Landwehrs ist das Rheingauer Gebück. Im Süden ist der Rheingau seit jeher durch den Rhein abgesichert. Allerdings musste auch ein effektiver Schutz nach Osten hin her. So beschlossen die Rheingauer Ende des 11. Jahrhunderts, sich mit der Natur zu verbünden und eine „lebende Mauer“ zu errichten. Über Kilometer wurden dicht an dicht Triebe und Zweige von gekappten Bäumen miteinander verflochten. Um dies zu erreichen, bückte man meist Hainbuchen und Buchen, aber auch ereinzelt Triebe von Eichen, Spitzahorn und Eschen. Beim Bücken der Bäume werden diese zuerst angeschlagen und nach der gewünschten Seite gekippt, danach hatte man dann die Zweige miteinander verflochten. Auf diese Weise entstand ein wohl stellenweise bis zu 100 m breiter, nicht zu überwindender oder zu durchquerender natürlicher Zaun bzw. Wall. Seine Wirkung wurde noch dadurch verstärkt, dass er mit Dornensträuchern ausgepflanzt wurde. Hinter diesem Verteidigungswall verlief ein befestigter Weg, der benutzt werden konnte um Truppen und Kriegsgerät möglichst schnell zu bewegen. Wo Wege den Wall kreuzten, wurden große Bollwerke errichtet, wie z.B. die Mapper Schanze. Außer diesen gut befestigten Pforten wurden keine Wege oder auch nur Trampelfade erlaubt. Wer aber trotzdem etwas von den Trieben abschnitt oder versuchte hindurchzukriechen, wurde hart bestraft. Das Rheingauer Gebück ist nur noch in ganz kleinen Resten vorhanden. Um aber ein Anschauungs- und Forschungsobjekt zu haben, wurde unterhalb der Mapper Schanze ein kleiner Gebückstreifen wieder angelegt und kann besichtigt werden.


Gebueck


Rekonstruktionszeichnung vom Gebück (Beschwitz)