Forschungsdatenbank „Digitale Kartographie mythischer Stoffe“

Mythen sind Erzählstoffe. Diese liegen uns aber nicht vor. Vielmehr sind sie eingearbeitet in mediale Konkretionen wie Texte, Bilder, Filme, Tänze, Pantomimen oder andere Handlungsvollzüge. Grundlage für die wissenschaftliche Arbeit der Forschergruppe ist daher die Rekonstruktion dieser mythischen Erzählstoffe aus verschiedenen antiken Kulturen. Dies gelingt durch Analyse der medialen Konkretionen: aus diesen werden die kleinsten handlungstragenden Einheiten bestimmt, die wir als (mythische) Hyleme bezeichnen. Durch dieses Vorgehen werden Mythen aus verschiedenen medialen Quellen – aus verschiedenen Räumen, Zeiten, Sprachen, Religionen und Kulturen – in eine vergleichbare, formalisierte und standardisierte Form gebracht. Damit werden verschiedene Mythen vergleichbar, was hilft, spezifische Eigenheiten oder verbindende Ähnlichkeiten zu erkennen und historisch-funktional, sowohl innerkulturell wie kulturenübergreifend. So werden differenzierende Auswertungen antiker Mythen möglich.


Im ersten Bewilligungszeitraum von drei Jahren hat die Forschergruppe vornehmlich mit Textquellen gearbeitet, in der zweiten Phase sollen auch ikonografische Quellen einbezogen werden. Das praktische Vorgehen der hylembasierten Stratifikationsanalyse mythischer Stoffe und Texte der Antike wird durch die Forschungsdatenbank Digitale Kartographie mythischer Stoffe technisch wie organisatorisch unterstützt. Die Forschungsdatenbank dient als zentrale Forschungsplattform für die Arbeit der Forschergruppe mit ihren Teilprojektleitenden, -mitarbeitenden sowie den assoziierten und kooperierenden Projekten und den studentischen Hilfskäften in den Bereichen Datenerfassung, Bearbeitung, Analyse und Visualisierung sowie Daten- und Informationsaustausch. Hierzu dient eine modulare webbasierte Client-Server Lösung entwickelt, die die Evaluierung der Mythen und mythischen Hyleme, eine Verortung in Raum und Zeit sowie eine Identifikation mythischer Stoffe und ihrer Versionen ermöglicht. Die Forschungsdatenbank erlaubt das ortsverteilte kollaborative Arbeiten an Text- und Bilddaten sowie die Anbindung an Repositorien über Schnittstellen, als auch die Verarbeitung von Daten aus fremden Sprachen und Schriften (z.B. durch Umschrift-Code für Keilschrift).