Institut für Regionalforschung e.V.

03/01/2013:
Starker Abbau von Vollzeitjobs im Saarland, Niedriglöhne und atypische Beschäftigung im westdeutschen Durchschnitt

Obwohl im Saarland die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Arbeitsplätze in den Jahren 2001 bis 2011 überdurchschnittlich stark abgenommen habe, sei die Entwicklung atypischer Beschäftigung nicht stärker vorangeschritten als in Westdeutschland insgesamt, und auch der Niedriglohnsektor habe sich weniger stark ausgeweitet als in Rheinland-Pfalz und in Westdeutschland, das berichtet die Saarbrücker Zeitung.

Die Zeitung bezieht sich in ihrem Bericht auf Ergebnisse einer Regionalstudie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach sei die Anzahl der zu Niedriglöhnen arbeitenden saarländischen Arbeitnehmer 2001 bis 2010 um 8,9 Prozent, in Rheinland-Pfalz um 14 Prozent und in den alten Ländern um 17,9 Prozent gestiegen. Allerdings seien im Jahr 2001 an der Saar mit einem Anteil von 17,8 Prozent bereits mehr Menschen im Niedriglohnbereich tätig gewesen als in Rheinland Pfalz (17,5 Prozent) und in Westdeutschland (16,7 Prozent). Im Jahr 2010 habe der Anteil der Niedriglöhner im Saarland dann bei 21 Prozent gelegen (Rheinland-Pfalz: 20,6 %, Westdeutschland: 20,5 %).

Der starke Abbau von Vollzeitjobs beruhe nach Aussagen der Autoren der Studie vor allem auf dem Rückgang des Steinkohlebergbaus, einer Branche, in der überwiegend Vollzeitkräfte gearbeitet hätten. Die mit 19 Prozent (Westdeutschland: 19,9 %) vergleichsweise geringe Quote der Teilzeitbeschäftigung beruhe nach Ansicht der Forscher ebenfalls darauf, dass es im Saarland spürbar mehr Arbeitsplätze im industriellen Bereich gebe, der traditionell mehr Vollzeitanstellungen böte als der Dienstleistungssektor.

Bei der befristeten Beschäftigung habe man 2010 an der Saar mit einem Anteil von 6,8 Prozent im Trend gelegen. In Rheinland-Pfalz seien es 6,7 und in Westdeutschland 6,6 Prozent gewesen. Bei den Minijobs verlief die Entwicklung deutlich verhaltener als in den alten Bundesländern insgesamt: So sei die Zahl der geringfügig Beschäftigten laut IAB-Studie im Saarland von 2001 bis 2011 nur um 55,3 Prozent gestiegen, in Rheinland-Pfalz hingegen um 78,8 Prozent und in Westdeutschland um 80,1 Prozent. Der genaue Anteil der Minijobber an allen Beschäftigten 2011 im Saarland im Vergleich zu Westdeutschland wurde allerdings nicht ausgewiesen. Die Quote der Leiharbeiter lag dagegen über dem Durchschnitt: 2011 seien im Saarland 3,1 Prozent aller Beschäftigten Leiharbeiter gewesen. In Rheinland-Pfalz habe die Quote bei 2,6, in Westdeutschland bei 2,8 Prozent gelegen.

Die Arbeitskammer des Saarlandes sieht die Entwicklung des saarländischen Arbeitsmarktes kritischer. Ihrer Ansicht nach steht es mit der Qualität der Arbeitsplätze im Saarland nicht zum Besten, da das Land überdurchschnittlich hohe Anteile an atypisch bzw. prekär Beschäftigten aufweise (siehe 06.06.2012).

Quelle: Saarbrücker Zeitung vom 03.01.2013

Weiterlesen:
Arbeitskammer des Saarlandes (2012a): AK-Fakten: Arbeitsmarkt im Saarland 2012.

Arbeitskammer des Saarlandes (2012b): AK-Fakten: Verdienste im Saarland 2012.