Institut für Regionalforschung e.V.

AUFSTOCKER:




04/06/2013:
Hohes Maß an Niedriglohnsubventionierung im Einzelhandel

Etwa 1,3 Millionen Bezieher von Arbeitslosengeld II sind im Jahresdurchschnitt 2012 erwerbstätig gewesen. Ihr Einkommen war demnach so gering, dass sie es zur Existenzsicherung mit Hartz IV-Leistungen aufstocken lassen mussten. Für diese Subventionierung des Niedriglohnsektors muss der Staat jährlich mehrere Milliarden Euro aufwenden (siehe 16.11.2012).

Ein großer Teil des Geldes fließt in die Unterstützung von Geringverdienern in der Leiharbeitsbranche Nach Angaben des DGB sind schlecht verdienende Leiharbeiter/innen allein im Jahr 2011 mit insgesamt 307,6 Millionen Euro aufstockenden Hartz IV-Leistungen unterstützt worden (siehe 27.02.2013). Auf diese Weise subventioniert wird auch die Callcenter-Branche. Hier sind 2011 die Löhne der Beschäftigten mit 32,7 Millionen Euro Hartz IV-Leistungen aufgestockt worden (siehe 11.03.2013).

Auch der Einzelhandel profitiert einer Meldung von Spiegel Online zufolge in ganz erheblichem Maße von der Lohnsubventionierung. Wie aus einer dem Online-Portal des Spiegel vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervorgehe, flössen jährlich 1,5 Milliarden Euro an Beschäftigte des Handels, deren Einkommen nicht zum Leben reiche – drei Viertel von ihnen arbeite im Einzelhandel.

Das Ausmaß der Niedriglohnbeschäftigung im Einzelhandel ist laut Spiegel Online erheblich. 2010 habe jeder dritte der rund 3,2 Millionen Beschäftigten zu einem Stundenlohn von unter zehn Euro gearbeitet, jeder fünfte habe sogar weniger als 8,50 Euro erhalten. Als Folge müssten viele dieser Löhne aufgestockt werden. So seien etwa im Juni 2012 die Einkommen von rund 130.000 Beschäftigten des Einzelhandels auf ein existenzsicherndes Niveau aufgestockt worden.

Aus der Antwort der Bundesregierung gehe auch hervor, wie sehr sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen im Einzelhandel abgenommen und atypische Beschäftigungsformen zugenommen hätten. 2011 seien fast 40 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel in befristeten Jobs, in Teilzeit mit weniger als 20 Stunden oder in Minijobs tätig gewesen. Im Jahr 2000 seien es noch 31 Prozent gewesen.

Quelle: Spiegel Online vom 04.06.2013

Weiterlesen:
Lohndumping im Einzelhandel und die Verantwortung der Politik. Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Sabine Zimmermann, Jutta Krellmann, Diana Golze, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. BT-Drucksache 17/13647 (05/2013).