Seminar für Englische Philologie

1.3 Kulturdidaktik

Die Kulturdidaktik setzt sich mit der Vermittlung von kulturellem Wissen, der Repräsentation (und Repräsentierbarkeit) von Kulturen, ihrem Verständnis und der Ausbildung von interkulturellen Kompetenzen (z.B. kommunikativen Kompetenzen wie die Kommunikations- und Verstehensbereitschaft und die Fähigkeit zur Bedeutungsaushandlung, Einstellungen sowie die Fähigkeit zu Perspektivenwechseln und Fremdverstehen) auseinander. In kulturdidaktischen Seminaren geht es um kulturbezogene Fragen des Fremdsprachenunterrichts: Welches landeskundliche Wissen sollte wie vermittelt bzw. erarbeitet werden? Welche interkulturellen Kompetenzniveaus können wie und unter Einsatz welcher Materialien und Medien erreicht werden?

Die Kulturdidaktik berücksichtigt Entwicklungen in den Kulturwissenschaften (z.B. Auseinandersetzungen um den Kulturbegriff, den Diskurs um die mediale Vermittlung von Kultur, die Erkenntnis um die kommunikative und attitudinale Dimension von Interkulturalität sowie die Diskussion um Transkulturalität) und trägt der kulturwissenschaftlichen Öffnung der Fremdsprachendidaktik Rechnung: Die auf die Vermittlung von Sachwissen konzentrierte Landeskunde wurde zu einem interkulturell-interaktiven Ansatz weiterentwickelt; sprachliche und kulturelle Interaktion werden als untrennbar begriffen.

Die Kulturdidaktik befasst sich für ihre Zwecke auch mit literarischen Texten, doch legt sie den Fokus weniger auf die Ausbildung literarischer Kompetenzen als vielmehr auf den Erwerb von kulturellem Wissen und interkulturellen Fähigkeiten durch den Text und seine Kontextualisierung. Auch eine Auseinandersetzung mit der Fremdsprache auf Meta-Ebene findet statt, indem Sprache stets als Bestandteil von Kultur begriffen wird und ihre Merkmale in Bezug zu weiteren Kulturmerkmalen untersucht werden.
Für den Erwerb und die Erweiterung (inter-)kultureller Kenntnisse ist im Bachelor ein Seminar der Landeskunde bzw. nach der neuen Studienordnung eine Interkulturelle Übung zu besuchen.
Im Master-Studium lassen sich spezifisch kulturdidaktische Vertiefungen besuchen. Auch in den Praktikums-Modulen gibt es eine interkulturelle Schwerpunktsetzung: Wenn Forschungs- oder Fachpraktikum mit einer Fremdsprachenassistenz abgedeckt werden, setzen sich die Studierenden in Vor- und Nachbereitungsblöcken mit der spezifischen interkulturellen Vermittlungs-Position der FremdsprachenassistentInnen auseinander, indem sie über kulturelle Repräsentationen, angemessene Lehrmaterialien und -zugänge sowie ihre eigenen interkulturellen Lernprozesse reflektieren. Dem Potenzial interkultureller Lernprozesse an außerschulischen Lernorten, insbesondere bei Klassenfahrten nach England, wurde auch in einem mehrfach durchgeführten zweisemestrigen Forschungspraktikumsprojekt in Kooperation mit einer Göttinger Gesamtschule nachgegangen (s.a. die Rubrik 'Kooperationen').



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Literatur zum Thema:


  • Byram, Michael (1997). Teaching and Assessing Intercultural Communicative Competence. Clevedon: Multilingual Matters.
  • Hallet, Wolfgang (2010). "Kulturdidaktik." In: Surkamp, Carola (Hrsg.). Lexikon Fremdsprachendidaktik. Stuttgart/Weimar: Metzler.
  • Hallet, Wolfgang & Nünning, Ansgar (Hrsg.). Neue Ansätze und Konzepte der Literatur- und Kulturdidaktik. Trier WVT.
  • Decke-Cornill, Helene & Küster, Lutz (2010). „Interkulturelle Kompetenzen – interkulturelles Lernen.“ In: dies. Fremdsprachendidaktik. Eine Einführung. Tübingen: Narr, 223-241.
  • Delanoy, Werner &Volkmann, Laurenz (Hrsg.) (2006). Cultural Studies in the EFL Classroom. Heidelberg: Winter.
  • Eckerth, Johannes & Wendt, Michael (Hrsg.) (2003). Interkulturelles und transkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht. Frankfurt a.M.: Lang.
  • Kramsch, Claire (1993). Context and Culture in Language Teaching. Oxford: OUP.