Institut für Historische Landesforschung

Niedersächsisches Klosterbuch

Walkenried
Stift und Kloster Walkenried




Das Niedersächsische Klosterbuch ist erschienen.


Niedersächsisches Klosterbuch
Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. 4 Bände (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 56,1-4)
Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012
ISBN 978-3-89534-957-7




Klösterliche Gemeinschaften übten seit dem frühen Mittelalter einen nachhaltigen und vielfältigen Einfluss auf Kirche, Staat und Gesellschaft aus, der heute weithin unbeachtet und in vielem unbekannt ist. Sie waren Orte geistlichen und intellektuellen Lebens und bildeten Zentren des Handwerks und der Landwirtschaft. Durch ihre nationale und internationale Vernetzung wurde ein umfangreicher kultureller Austausch und Wissenstransfer ermöglicht. Den Klöstern fiel gerade in Niedersachsen besondere politische Bedeutung zu, da sie beispielsweise als Träger der Christianisierung seit der Eroberung Sachsens seit Karl dem Großen fungierten sowie zentrale Machtfaktoren besonders der Ottonen waren. Anders als in anderen Regionen des Reichs wurde nur ein kleiner Teil der Klöster unmittelbar in Folge der Einführung der Reformation geschlossen – viele – besonders Frauenklöster - wurden zu evangelischen Stiften umgewandelt und prägen daher bis heute das caritative wie das kulturelle Leben. Erstmals werden nun also nach einheitlichem Muster die Angaben aller monastischen Einrichtungen in Niedersachsen und Bremen zusammengetragen.


Das Niedersächsische Klosterbuch leistet einen zentralen Beitrag zur Erforschung der monastischen Gemeinschaften, ihrer Klöster und Stifter, die seit dem frühen Mittelalter die Kulturlandschaft Mitteleuropas nachhaltig geprägt haben. Sie waren nicht nur Orte geistlichen und intellektuellen Lebens, sondern bildeten auch Zentren des Handwerks und der Landwirtschaft. Kirche, Staat und Gesellschaft wurden von ihnen in einem Umfang beeinflusst, der heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Daher ist ihre Erforschung eine wichtige Aufgabe der Geschichtswissenschaft.


Die systematische Erfassung aller seit dem Mittelalter in Deutschland gegründeten Klöster wird seit langem als Desiderat empfunden. Die den Raum des heutigen Niedersachsen und Bremens betreffenden Übersichten (vgl. die Arbeiten von Hoogeweg und Streich) beschränkten sich auf wenige Daten, die für die Entwicklung des jeweiligen Klosters oder Stiftes von Bedeutung waren. Es handelt sich demnach um sehr kurz gefasste Orientierungen. Reihenwerke zur Geschichte einzelner Orden und Kongregationen haben zwar umfangreiche Erkenntnisse zu den untersuchten Institutionen erbracht. Eine umfassende, nach einheitlichen Kriterien konzipierte lexikonartige Übersicht über alle monastischen Institutionen Niedersachsens und Bremens fehlte bislang. Das vor wenigen Jahren erschienene Westfälische Klosterbuch wies neue Wege für ihre Erfassung und Darstellung und hatte Vorbildcharakter für andere in Bearbeitung befindliche oder bereits abgeschlossene Projekte (z. B. für Brandenburg, Schleswig-Holstein, Hessen, Thüringen, das nördliche Rheinland). Auch das Niedersächsische Klosterbuch fühlte sich diesem Vorbild verpflichtet.


Das Niedersächsische Klosterbuch erfasst als ein wissenschaftliches handbuchartiges Inventar sämtliche Domkapitel, Stifte, Klöster, Ordenskommenden sowie Beginen- und Begardenhäuser im Gebiet der heutigen Bundesländer Niedersachsen und Bremen von der Christianisierung bis zum Jahre 1810 und stellt sie in einzelnen Artikeln dar. Es ermöglicht einen schnellen, präzisen und zuverlässigen Zugriff auf die monastische Kulturlandschaft Niedersachsens. Es wendet sich damit zum einen an Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen, wie Historiker, Kunsthistoriker, Archäologen, Archivare und Bibliothekare, Kulturwissenschaftler und Denkmalpfleger. Es richtet sich zum anderen auch an den interessierten Laien, der Auskünfte zu diversen Lokalitäten sucht und allgemeinverständlich erklärt bekommt.


Die 362 Artikel fassen die wesentlichen Informationen zu jeder Institution prägnant zusammen:
- die administrative und kirchliche Zugehörigkeit
- die Rechtsform
- die Hauptpatrozinien
- die innere Verfassung
- die Institutsvorstände
- die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen (z.B. Münz- und Marktrechte)
- die kulturellen und spirituellen Leistungen.
- der Einfluss auf andere Institutionen
- einen eventuellen Konfessionswechsel
- die Gebäude und ihre Ausstattung mit Altären, Orgeln, Glocken, Kelchen und Monstranzen, Statuen, Grabdenkmälern, Wandmalereien, Inschriften, Siegel und Wappen
- das Archiv und die Bibliothek mit den heutigen Aufbewahrungsorten der Archivalien, Gemälde, Ansichten, Grundrisse, Karten und Fotos
Ein detailliertes Orts- und Personenregister erschließt die Artikel, ein umfassendes Literaturverzeichnis ermöglicht weitergehende Forschungen.


Das Niedersächsische Klosterbuch wurde von 2008 bis 2012 von einer Redaktion unter Leitung von Dr. Josef Dolle am Institut für Historische Landesforschung der Universität Göttingen erarbeitet. An seiner Erstellung haben 138 AutorInnen sowie nahezu alle Archive in Niedersachsen mitgewirkt. Das Institut für Historische Landesforschung hat als einzige landeshistorisches Forschungseinrichtung in Niedersachsen die Aufgabe, Forschungsvorhaben zur Geschichte Niedersachsens zu konzipieren, zu koordinieren und durchzuführen. Herr Dr. Dolle gehört zu den Spezialisten im Bereich der mittelalterlichen Geschichte Niedersachsens und hat bereits zahlreiche Urkundenbücher herausgegeben.


Das Niedersächsische Klosterbuch wurde vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln der Förderlinie PRO*Niedersachsen sowie von der Klosterkammer Hannover gefördert.