Institut für Regionalforschung e.V.

16/04/2013:
Schlecht entlohnte und prekäre Jobs sind EU-weit auf dem Vormarsch

Die Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in Wien hat in zwei Forschungsprojekten die Beschäftigungsentwicklung und die Arbeitsqualität in fünf wachstumsstarken Arbeitsfeldern in der EU sowie im Bereich der sog. Green Jobs untersucht. Wie sich herausstellte konzentrieren sich viele der neu entstandenen Arbeitsplätze auf Branchen und Arbeitsfelder, in denen niedrige Löhne und niedrige Qualifikationen vorherrschen. EU-weit sei sogar die Hälfte des Beschäftigungswachstums seit dem Jahr 2000 auf prekäre, niedrig qualifizierte, belastende und niedrig entlohnte Jobs entfallen, so FORBA in einer Pressemeldung.

Wie es in der Meldung weiter heißt, seien die Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen in „Frauenbranchen“ wie z.B. die mobile Altenpflege oder die Büroreinigung besonders problematisch. Frauen arbeiteten hier vermehrt in den besonders schlecht bezahlten Niedriglohnjobs, sie bekämen häufig nur Teilzeitverträge und sie arbeiteten öfter in Jobs, in denen an den Tagesrändern gearbeitet werden müsse.

Einer anderen Untersuchung zufolge böten auch die viel beschworenen „Green Jobs“, eine spezifische Gruppe von Jobs, denen Beschäftigungspotenzial nachgesagt werde, den Beschäftigten oft nur unqualifizierte Niedriglohnjobs. In der öffentlichen Diskussion würden diese Jobs als attraktive und abgesicherte Arbeitsplätze für Fachkräfte mit Umweltqualifikationen dargestellt. Die Forschungsergebnisse seien jedoch ernüchternd. In der Land- und Forstwirtschaft zum Beispiel gebe es einen hohen Anteil an unqualifizierten Beschäftigten. Die Arbeit sei dort durch hohe zeitliche Flexibilitätsanforderungen, starke körperliche Belastungen und ein überdurchschnittliches Unfallrisiko charakterisiert. Auch in der Bauwirtschaft sei der Anteil an atypischer und instabiler Beschäftigung mit niedrigen Einkommen, hohen Unfallrisiken und starker körperlicher Belastung hoch.

Die Untersuchung zu den fünf Wachstumsbranchen der EU ist Bestandteil eines groß angelegten EU-Forschungsprojekts namens walqing (Work and Life Quality in New and Growing Jobs), das FORBA zwischen 2009 und 2012 gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnerinstitutionen aus zehn europäischen Staaten durchgeführt hat. Untersucht wurde dabei die Jobsituation von Müllarbeitern, Reinigungskräften, Bauarbeitern, Altenpflegern und Cateringkräften in elf Ländern. Es handelt sich dabei um jene Branchen, in denen die Beschäftigung vor der Finanz- und Wirtschaftskrise in der EU stark angestiegen war.

Quelle: FORBA-Pressemitteilung vom 11.04.2013

Weiterlesen:
Holtgrewe, U./ Sardadvar, K (2012): Hard work. Job quality and organisation in European low-wage sectors.

Leitner, A. /Littig, B. /Wroblewski, A. (2012): Die Qualität von Green Jobs. Informationen zur Umweltpolitik, Nr. 186, hg. v. d. Arbeiterkammer Österreich, Wien.

Hohnen, P. (2012): Capacities and vulnerabilities in precarious work. The perspective of employees in European low wage jobs.