Germanistische Mediävistik

Die Germanistische Mediävistik beschäftigt sich mit der deutschen Sprache und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Ihr Interesse gilt damit nicht nur der gesamten Textüberlieferung der Zeit vom 9. bis zum 16. Jahrhundert, sondern auch deren spezifischen medialen und kulturellen Bedingungen. Zur alt-, mittel- und frühneuhochdeutschen Literatur zählen demnach nicht nur Geschichtsdichtung, Heldenepik und geistliche Dichtungen, Minnelyrik und höfischer Roman, kleine Erzählformen, Schwankroman und Fastnachtsspiel, sondern auch pragmatische und lehrhafte Texte aus den verschiedenen Bereichen mittelalterlichen Wissens.
Um diese im erweiterten Sinne literarischen Gegenstände in philologischen Lektüren zu erfassen, um ihre Übergänge von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit der mittelalterlichen Handschriften und des frühen Buchdrucks in den Blick zu nehmen, um ihre historischen Bedeutungsgehalte im Rahmen der mittelalterlichen Geschichte und Kultur als symbolischen Praktiken zu interpretieren, arbeitet das Fach mit aktuellen Methoden und Theorien. Im Seminar werden dazu historisch-narratologische, medientheoretische sowie kultur- und diskurstheoretische Modelle in einer forschungsbasierten Lehre erprobt und in der Forschung weiterentwickelt.
Germanistische Mediävistik versteht sich damit historisch und konzeptionell als eine Grundlagenwissenschaft der Germanistik, bildet aber auch mit den anderen Mittelalterdisziplinen bzw. Mediävistiken in Göttingen über das Zentrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung (ZMF) ein Lehr- und Forschungsnetzwerk.



Aktuelles

FoLL XVII – Zwischen Beutelbuch und Schmuckstück. Inkunabeln und Handschriften im Mini-Format in norddeutschen Frauenklöstern

von Gurbet Colpan, Svenja Heckerott, Fabian Henke, Anna Hilbig, Sarah Kubin, Dorothea Lux, Nele Martin, Jasmin Ritter, Heike Sahm, Alex Schmidt, Katharina Schmidt, Sarah Vincent, Julia Wagner.

Handschriften und Drucke im Kleinstformat gehören zu den bemerkenswerten Überlieferungsformen aus dem späten Mittelalter. Solche Miniatur-Bücher sind einerseits als Inkunabeln und andererseits als Handschriften erhalten und haben bisher kaum das Interesse der Forschung gefunden. Auf Grund des einmaligen Überlieferungsbestandes in den Lünburger Klöstern begrenzen wir unser Projekt auf die Institution der Frauenklöster und den dort nachweisbaren Gebrauch der Miniatur-Codices. Wir untersuchen, welche Funktion Texte haben, wenn sie in derart kleine Medien eingetragen sind, dass man sie kaum noch lesen kann. Es ist denkbar, dass solch kleine Formate besser transportabel waren und man sie so - wie ein Beutelbuch - mit sich führte; dass solche kleinen Formate zu repräsentativen Mini-Codices ausgestaltet wurden, die man als Schmuckstück sichtbar am Kleid trug; dass man solche Texte abschrieb, denen man eine besondere Wirkung zuschrieb, und diese dann als Talisman bei sich hatte.
Auf Grundlage von Digitalisaten werden wir eine systematische Übersicht erstellen, um ein vorläufiges Typenrepertoire der Miniatur-Handschriften aufstellen zu können. Die Übersicht über die in den Lünburger Klöstern erhaltenen Miniatur-Inkunabeln werden wir anhand der Daten im Gesamtkatalog der Wiegendrucke in die in Norddeutschland insgesamt beobachtbare Druckproduktion von Mini-Inkunabeln einordnen. Im Rahmen des Projektes werden wir Exkursionen in die Klöster Mariensee, Wienhausen und Lüne sowie nach Berlin zum Gesamtkatalog der Wiegendrucke unternehmen.
Für Informationen zum Projekt wenden Sie sich gerne an Heike Sahm.



  • Altgermanistisches Kolloquium
    Ort und Zeit: Mi, 18 Uhr c.t. in Raum 1.245 (Medienraum) des Seminars für Deutsche Philologie
    Alle sind herzlich eingeladen!

    Im Sommersemester 2019 finden folgende Vorträge statt (weitere Termine folgen in Kürze):

    08.05.2019
    Tanja Mattern (Düsseldorf)
    „Gold und Land: Differenzierung von Besitz- und Herrschaftsformen in der ‚Kudrun‘"

    12.06.2019
    Stefan Tomasek (Würzburg)
    „,Überlieferungsgeschichtliche Tiefenstrukturen‘ als Analysekategorie für die Kindheit Jesu Konrads von Fußesbrunnen“

    10.07.2019
    Katharina Wimmer (Göttingen / Genf)
    „Von Spiegeln und Schatten. Spiegelungsphänomene in höfischen Romanen“


  • Veranstaltungen des ZMF - Zentrum für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung

    Göttinger Streitgespräche zu Mittelalter und Früher Neuzeit
    Ort und Zeit: 18.00 Uhr c. t., Hörsaal AP26, Sprachlehrzentrum (ZESS), Goßlerstr. 10

    22.05.2019
    „Der einflussreiche Gelehrte al-Ghazali (gest. 1111), das Schicksal der islamischen Philosophie und die Modernisierung nahöstlicher Gesellschaften.“
    Prof. Dr. Lutz Berger (Kiel), Prof. Dr. Frank Griffel (Yale, USA)

    05.06.2019
    „Alternative Fakten? Alltagskultur vs. Kanon in der Musik(geschichtsschreibung)“
    Prof. Dr. Frank Hentschel (Köln), Prof. Dr. Irmgard Scheitler (Würzburg)

    26.05.2019
    „Inhumaner Humanismus? Debattenkultur im Gelehrtenmilieu des 15. Und 16. Jahrhunderts“
    Prof. Dr. Thomas Haye (Göttingen), Prof. Dr. Thomas Kaufmann (Göttingen)


  • Workshops im SoSe 2019

    14./15.06.2019
    Literaturwissenschaftlicher Textarbeit-Workshop, veranstaltet von Dr. Daniel Eder
    (Ort: Medienraum, SDP 1.245):
    „Queer reading als Textkompetenz. Überlegungen zur Neuperspektivierung eines Forschungsparadigmas"
    Flyer/Programm

    28./29.06.2019
    Workshop des Pro-Niedersachsen-Projekts, veranstaltet von Prof. Dr. Heike Sahm und Prof. Dr. Marco Coniglio
    (Ort: Medienraum, SDP 1.245):
    „Im Spannungsfeld von Literaturwissenschaft, Sprachwissenschaft und Digital Humanities. Möglichkeiten der Erschließung und Analyse mittelniederdeutscher Texte"
    Programm