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Lichtenbergs MenschenBilder - Charaktere und Stereotypen in der Göttinger Aufklärung

Titel der Veranstaltung Lichtenbergs MenschenBilder - Charaktere und Stereotypen in der Göttinger Aufklärung
Veranstalter Lichtenberg-Kolleg
Veranstaltungsart Ausstellung
Kategorie Campus Leben
Anmeldung erforderlich Nein
Beschreibung Mit Blick auf den Namensgeber des Kollegs Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) und seinen Kollegen Johann Friedrich Blumenbach (1752-1840) widmet sich die Ausstellung einem schwierigen Kapitel der europäischen Aufklärungstradition: der Wissenschaft vom Menschen und der Wahrnehmung und Konstruktion von Diversität. Ohne die Fehler und Essentialismen des Aufklärungszeitalters zu wiederholen, wollen wir die Motivationen und Methoden der Zeit bei ihrer Verwendung und Produktion von Bildern beleuchten.
Lichtenberg ist international vor allem für seine naturwissenschaftlichen Arbeiten berühmt. Besonders seine Studien über geometrischen Gebilde, die bei elektrischen Entladungen entstehen sind heute als "Lichtenbergsche Figuren" bekannt. Die Ausstellung nimmt aber andere “Figuren” in den Blick, denen Lichtenberg im Leben und in Texten begegnete.
Die europäischen Handelsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts hatten bereits zur europäischen Begegnung mit afrikanischen und amerikanischen Gesellschaften geführt. Mit den Schiffen kamen nicht nur Waren aus allen Teilen der Welt in Europas Metropolen, sondern auch Menschen. Diese allerdings nur in seltenen Fällen freiwillig. Im 18. Jahrhundert entstand eine neue Welle von Expeditionen zur See, die auch von wissenschaftlichem Interesse getragen war. Diese Reisen, besonders in den pazifischen Raum, hinterließen einen bleibenden Eindruck auf die europäischen Gesellschaften und ihre Wissenspraktiken. Die Reiseberichte wurden zu Bestsellern. Die Ausstellung nimmt Lichtenbergs Lektüre dieser Berichte und seine eigenen Reisen nach London zum Ausgangspunkt, um zentrale Themen der Göttinger Aufklärung aufzuzeigen. Dies waren die „Wissenschaft vom Menschen“ und die Debatten über menschliche Varietät, an denen sich auch Lichtenberg beteiligte. In London begegnete Lichtenberg den Grafiken William Hogarths, die ein ungeschöntes Portrait des Londoner Bürgertums und des kolonialen Konsums zeichneten. Hogarths Arbeiten wurden schnell berühmt und Lichtenberg trug durch seine ausführlichen Kommentare zu Ihrer Popularisierung in Deutschland bei. Die Kommentare fielen hier auf fruchtbaren Boden, da es ein großes Interesse daran gab, was den Menschen eigentlich ausmachte. Publikationen wie Johann Kaspar Lavaters „physiognomische Fragmente“, die hierauf Antworten zu geben vorgaben, beeinflussten das Denken über menschliche Vielfalt. Die angenommene Übereinstimmung zwischen dem Aussehen einer Person und ihren charakteristischen Eigenschaften wurde viel diskutiert. Lichtenberg trat dabei als ironischer und hellsichtiger Kommentator auf.
Lichtenbergs Göttinger Kollege, Blumenbach (Professor für Medizin und Aufseher am akademischen Museum in Göttingen), war genauso fasziniert von Bildern menschlicher Varietät. Er nahm die künstlerischen Talente des Zeichners und Kupferstechers Daniel Chodowiecki (1726-1801) in Anspruch, um seine Theorie der “Einheit des Menschengeschlechts” zu visualisieren. Der Göttinger Mediziner ist heute besonders für seine Sammlung menschlicher Schädel bekannt, die er für vergleichende Untersuchungen nutzte. Weniger präsent ist, dass Blumenbach auch sehr an Berichten von Reisenden in andere Erdteile und Abbildungen von deren Bewohnern interessiert war.

Anhand von Reproduktionen aus der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen sowie aus der ethnologischen Sammlung und der Kunstsammlung der Universität zeigen wir, wie Lichtenberg und seine Kollegen visuelle Mittel verwendetet haben und Bilder herstellten, die eine lange Wirkung auf die europäische Fremd- und Eigenwahrnehmung hatten. Es ging um nichts weniger, als um die Frage, was es heißt, Mensch zu sein.

Die Ausstellung wurde von Demetrius Eudell (Wesleyan University/Lichtenberg-Kolleg) und Dominik Hünniger (Lichtenberg-Kolleg) mit Unterstützung von Jan Stieglitz kuratiert und findet vom 12. April bis 5. Mai in der Historischen Sternwarte statt. Sie ist geöffnet donnerstags und freitags von 14 bis 18 und samstags 11 bis 17 Uhr. Führungen werden immer eine Stunde vor Schließung angeboten.
Zeit Beginn: 09.06.2018, 11:00 Uhr
Ende: 09.06.2018 , 17:00 Uhr
Ort Historische Sternwarte
Kontakt 0551-3910623
lichtenbergkolleg@zvw.uni-goettingen.de
Externer Link http://www.uni-goettingen.de/de/584786.html