Zentrale Kustodie

Pharmakognostische Sammlung

Die pharmakognostische Sammlung der Universität Göttingen wurde im Jahr 1836 durch den Göttinger Pharmazeuten Heinrich August Ludwig Wiggers begründet. Die Sammlung diente vor allem als Referenz für das Identifizieren von Pflanzen für die Arzneimittelherstellung. Bis zu Wiggers´ Tod war die Sammlung auf etwa 5000 Objekte erweitert worden und durch den Nachlass des Gießener Apothekers Carl F. W. Mettenheimer wuchs die Sammlung erneut um etwa 1900 Objekte. Nachdem im Jahr 1935 die pharmazeutische Abteilung der Georg-August Universität eingestellt wurde geriet die pharmakognostische Sammlung in Vergessenheit und überdauerte in Holzkisten verpackt auf dem Dachboden des Botanischen Instituts bevor sie 1997 zufällig wiederentdeckt wurde. Die Objekte wurden daraufhin bearbeitet, in eine Datenbank eingetragen und in einen Sammlungsraum der Abteilung Systematische Botanik untergebracht.
Heute umfasst die Sammlung etwa 8500 Objekte von denen 7543 katalogisiert sind. Es besteht kein Kustodiat für die Sammlung, aber die Sammlungsgegenstände werden von der Abteilung Systematische Botanik für Forschungszwecke bereitgestellt.
Die pharmakognostische Sammlung enthält einen Querschnitt der Heilpflanzen des 19. Jahrhunderts, von denen viele noch in den originalen Gläsern und Schachteln aufbewahrt sind und noch die originalen Etiketten und Siegel tragen. Neben pflanzlichen Drogen, die vor allem in Form von Blättern, Samen und Rinden vorhanden sind, beinhaltet die Sammlung einige tierische Präparate wie Moschusdrüsen, Elchklauen, Cochenilleschildläuse und Schwämme. Die Sammlung beinhaltet auch einige besondere Einzelexemplare, wie das erste Pfeilgift, das im 19. Jahrhundert nach Deutschland kam und von Justus Liebig analysiert wurde, ein von Alexander von Humboldt in Südamerika gesammeltes Stück Rinde des "Hemdenbaumes", oder Kuriositäten wie etwa Eidechsen in Lavendelblüten. Ein ursprünglich in der Sammlung enthaltenes Becherglas voller Rohopium wurde mittlerweile an die Polizei übergeben.

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Blick in einen Sammlungsschrank.
Insgesamt 7543 Objekte der Sammlung wurden bereits katalogisiert und mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Die Nummern sind unten an den Glasbechern erkennbar.

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Exponate von Früchten und Samen.
Beispiele pflanzlicher Arzneidrogen. Von links nach rechts: Mohnkapseln, Rizinussamen, Früchte von Dill und Koriander.

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Arzneiwurzeln.
Wurzeln vom Gelben Enzian (links) und der Ginsengpflanze (rechts). Das Originalsiegel des Enzianpräparates ist noch vorhanden.

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Zoologische Objekte.
Die überwiegende Mehrzahl des Objekte der pharmakognostischen Sammlung stammen aus dem Pflanzenreich. Es sind jedoch auch Präparate von Tieren vorhanden. Die Käfer aus dem rechten Gefäß tragen den Namen "Spanische Fliege" und zermahlene Tiere werden als Potenzmittel verwendet.