Prof. Dr. Ina Hunger - Sportpädagogik/-didaktik

Verbundprojekt: Zur sozialen Bedingtheit von Bildungs- und Entwicklungschancen durch Bewegung. Empirische Studien und Transfers unter dem Fokus von Diversität


Gefördert von: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen der ministeriellen Ausschreibung "Frühkindliche Bildung und Entwicklung".


Laufzeit: Juni 2017 - Mai 2020


Verbundprojekte:

Prof. Dr. phil. Ina Hunger (Verbundsprecherin)
Sportpädagogik (Institut für Sportwissenschaften) - Georg-August-Universität Göttingen

Prof. Dr. rer. soc. Gabriele Rosenthal
Soziologie (Methodenzentrum Sozialwissenschaften) - Georg-August-Universität Göttingen

Prof. Dr. med. Knut Brockmann
Sozialpädiatrie (Klinik für Kinder- und Jugendmedizin / SPZ) - Georg-August-Universität Göttingen



Hintergrund
Im Kontext der Diskussionen um frühkindliche Bildungs- und Entwicklungsförderung wird Bewegung ein hoher Stellenwert zugeschrieben. Sowohl aus gesellschaftspolitischer, wissenschaftlicher als auch praxiserfahrener Sicht wird regelmäßig darauf verwiesen, dass kindlichen Bewegungsaktivtäten ein hohes Maß an kognitiven, psychischen, sozialen, emotionalen, körperlich-motorischen und gesundheitlichen Entwicklungspotenzialen innewohne. Die Fragen, welche Kinder besonders von diesen Potenzialen profitieren können und welche Rolle die sie jeweils umgebenden sozialen Konstellationen dabei spielen, wurden bislang nicht systematisch erörtert.

Ziele des Verbundprojektes
Die Verbundforschung untersucht dieses Desiderat mit einem Fokus auf die (sozialen) Eltern vor dem Hintergrund ihrer Rolle als primäre Erziehungs- und Sozialisationsinstanz. Sie hat zum Ziel,

  • die mit Blick auf spezifische soziale Konstellationen typischen Strukturen der Bewegungssozialisation der ersten Lebensjahre (und ihrer Potenziale) aufzuzeigen,
  • das handlungsorientierende Alltagswissen der Eltern und ihre Fördermotive in Bezug auf die frühkindlichen Bewegungsaktivitäten zu rekonstruieren,
  • förderliche und hemmende soziale Bedingungen hinsichtlich der Unterstützung entwicklungstherapeutischer Verfahren zu analysieren
  • und die eruierten sozialen Rahmungen mit dem (regelmäßig diagnostizierten) Entwicklungsverlauf des Kindes in Beziehung zu setzen.


Die Forschung fokussiert dabei im Rahmen von drei direkt aufeinander bezogenen Teilstudien auf Familien unterschiedlicher sozialer und ethnisch-kultureller Herkunft und berücksichtigt darüber hinaus die Bedeutsamkeit des Geschlechts des Kindes und des angezeigten Förderbedarfs.

Praxistransfer
Auf der Basis des eruierten differenzierten Wissens über das sozial und kulturell je spezifische Selbstverständnis bzgl. der frühkindlichen (geschlechtsbezogenen) Bewegungssozialisation, -erziehung bzw. -förderung/-therapie wird es in einer Praxis- bzw. Transferphase darum gehen, (sozial- oder heil-) pädagogische, entwicklungsbezogene und gesundheitsorientierte Beratungsgespräche im Sinne von Diversität spezifischer auszurichten. Langfristiges Ziel der kooperativen Forschung und des Praxistransfers ist es, den (sozialen) Zugang zu Bewegungsaktivitäten insbesondere für solche Kinder zu erhöhen, die noch stärker von diesen zugeschriebenen Bildungs- und Entwicklungspotenzialen profitieren können.

Teilstudie: "Qualitative Studie zur frühkindlichen Bewegungssozialisation, -erziehung und -förderung unter den Aspekten von Diversität"
Die erste Teilstudie analysiert und rekonstruiert die frühkindliche Bewegungssozialisation, -erziehung und -förderung. Sie verfolgt die Ziele:

  • die jeweils spezifischen, familialen sozialen Praktiken zu analysieren, die die kindliche Bewegungssozialisation und -erziehung im Kern ausmachen und den Kindern jeweils unterschiedliche Lern- und Erfahrungsgelegenheiten eröffnen,
  • die jeweiligen auf Bewegung bezogenen expliziten oder impliziten Normalitätsvorstellungen, Erziehungsziele, Fördermotive der Eltern zu erfassen, die den jeweiligen spezifischen Praktiken zugrunde liegen.


Dafür werden Eltern und Kinder unterschiedlicher ethnischer und sozio-kultureller Herkunft über drei Jahre begleitet. Es werden Interviews mit den Eltern, Feldgespräche sowie ethnografische Beobachtungen von Bewegungsaktivitäten in unterschiedlichen Settings durchgeführt.

Leitung: Prof. Dr. phil. Ina Hunger
Professur für Sportpädagogik/-didaktik, Georg-August-Universität Göttingen

MitarbeiterInnen:
Tina Sänger (Projektkoordination)
Janine Holzhauer (wiss. Mitarbeiterin)
Fanny Petermann (wiss. Mitarbeiterin)

Teilstudie: „Qualitative mikrosoziologische Untersuchung zu sozialen Passungsverhältnissen im Rahmen von Entwicklungsberatung“ (Methodenzentrum Sozialwissenschaften)

Teilstudie: „Sozialpädiatrische Untersuchungen zum frühkindlichen Entwicklungsstand“ (Sozialpädiatrie UMG)