Philosophisches Seminar

Professor (em.) Dr. Dr. h. c. Konrad Cramer †

Nachruf
Am 12. Februar 2013 verstarb Prof. Dr. Dr. h.c. Konrad Cramer in seinem 80. Lebensjahr in Göttingen. Er wurde am 6. Dezember 1933 in Breslau als Sohn des Philosophen Wolfgang Cramer geboren. Konrad Cramer promovierte in Heidelberg bei Hans-Georg Gadamer und Dieter Henrich mit einer Arbeit zu Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Er lehrte zunächst in Münster, ab 1982 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1998 dann als Ordinarius für Philosophie in Göttingen. Er gehörte zu den renommiertesten deutschen Experten für die Philosophie der Neuzeit und war u. a. Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, in deren Auftrag er als Vorsitzender der Leitungskommission die Akademie-Ausgabe der Schriften Kants betreute, Ehrendoktor der Universität Halle-Wittenberg, Träger der Erinnerungsmedaille der Medizinischen Fakultät der Jagiellonischen Universität Krakau (Polen), Mitglied des Beirats der Internationalen Schleiermacher-Gesellschaft und hatte zahlreiche Gastprofessuren inne. Das philosophische Seminar verliert mit ihm eine beeindruckende Persönlichkeit und einen scharfsinnigen Kollegen, der auf lebendigste Weise den Geist der Philosophie verkörperte und den Charakter des Seminars über viele Jahre entscheidend prägte.
Der Nachruf ist hier herunterladbar.

Kurz-Vita
Geboren am 06.12.1933 in Breslau, Sohn des Philosophen Wolfgang Cramer. Studium der Philosophie, Soziologie, Rechtswissenschaften, Latinistik u. Hispanistik an den Universitäten Innsbruck, München, Tübingen, Frankfurt a.M., Wien und Heidelberg als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Promotion bei H.-G. Gadamer und D. Henrich in Heidelberg 1967, Habilitation daselbst 1975. 1977-1980 o. Prof. für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule Westfalen/Lippe in Münster, 1980-1982 an der Universität Münster. Seit 1982 Inhaber eines Lehrstuhls an der Georg-August-Universität Göttingen. 1970-75 Sekretär der Internationalen Hegel-Vereinigung. 1976-79 Mitglied des Arbeitskreises für religionstheoretische Grundlagenforschung "Glaube und Zeit" der Thyssen-Stiftung, 1983-88 des Arbeitskreises "Philosophie des Psychischen" der Thyssen-Stiftung. 1991 Gutachter für die Koordinierungs- und Abwicklungsstelle für die Institute u. Einrichtungen der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR. 1991-93 Mitglied der ministeriellen Besetzungskommission zur Neuordnung der Fächer Philosophie und Politikwissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Vorsitzender der Berufungskommissionen zur Besetzung von C4-Gründungsprofessuren im Fach Philosophie. 1991-92 Gastprofessor an der Universität Halle-Wittenberg, 1993-94 an der Humboldt-Universität Berlin, 1996 und 1998 an der philosophischen Abteilung des Instituts für Katalanische Studien in Barcelona. 1999 erster Inhaber der Christian-Wolff-Stiftungsprofessur an der Universität Halle-Wittenberg. 1987 Ehrenmitglied des "Centro de Investigaciones Éticas" der Nationaluniversität Buenos Aires. Seit 1997 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, 1998 Vorsitzender von deren Leitungskommission für die Akademie-Ausgabe der Schriften Kants. 1999 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Internationalen Schleiermacher-Gesellschaft. 1998 Verleihung der Erinnerungsmedaille der Medizinischen Fakultät der Jagiellonischen Universität Krakau. Ausgedehnte Vortrags- und Lehrtätigkeit insbesondere in Spanien, Mittel- und Südamerika.

Schwerpunkte in Forschung und Lehre
Geschichte der Neueren Philosophie von Descartes bis Husserl, Philosophie der Subjektivität, Metaphysik, Philosophische Theologie, Ethik.

Veröffentlichungen (Auswahl)


  • Materialien zu Kants 'Kritik der praktischen Vernunft', (mit R. Bittner) Frankfurt a.M. 1975.
  • Nicht-reine synthetische Urteile a priori. Ein Problem der Transzendentalphilosophie Immanuel Kants, Heidelberg 1985.
  • Kant, Bogotá 1987.
  • Ca. 70 Abhandlungen, Aufsätze und Artikel zu systematischen Problemen der Philosophie Descartes', Hobbes', Spinozas, Leibniz', Wolffs, Kants, Hegels, Schleiermachers, Brentanos, Husserls, Cohens und Natorps sowie zu Begründungsproblemen der Philosophie der Subjektivität, der normativen Ethik und der philosophischen Theologie (auch auf englisch, französisch, spanisch, russisch, tschechisch, japanisch).



Herausgebertätigkeiten


  • Mitbegründer und Mitherausgeber: Neue Hefte für Philosophie (Hefte 1-35, Göttingen 1971-1985); Monographienreihe Neue Studien zur Philosophie (Bd. 1 Göttingen 1990, Bd. 14 ebda. 1999).
  • Mitherausgeber: Hermeneutik und Dialektik (2. Festschrift für H.-G. Gadamer) 2 Bde. Tübingen 1970, 2. Aufl.: 1973; Monographienreihe Deutscher Idealismus - Philosophie und Wirkungsgeschichte in Quellen und Studien (Bd. 1 Stuttgart 1981, Bd. 10 ebda. 1986); Spinozas Ethik und ihre frühe Wirkung, Wolfenbütteler Forschungen Bd. 16, 1981; Theorie der Subjektivität (1. Festschrift für D. Henrich) Frankfurt 1987; W. Cramer: Das Ich und das Gute. In: Neue Hefte für Philosophie 27/28, Göttingen 1988.
  • Seit 1996 Mitherausgeber der Kritischen Gesamtausgabe der Schriften Schleiermachers und seit 1987 Mitglied des editorial board der "Cuadernos de Ética" der Universität Buenos Aires.




Motto: Alles Vortreffliche ist ebenso schwierig wie selten.