Provenienzforschung "Sammlung Blechschmidt"

Sammlung Blechschmidt

Im Rahmen des Projektes untersucht Michael Markert von 08/2017 bis 07/2019 die Herkunft der über 400 Schnittserien menschlicher Embryonen und Föten in der "Humanembryologischen Dokumentationssammlung Blechschmidt". Diese Präparate waren Grundlage für das wissenschaftliche Lebenswerk des Anatomen Erich Blechschmidt (1904-1992), der von 1942 bis 1974 Direktor des Anatomischen Institutes war. International bekannt sind insbesondere die über 60 großformatigen, öffentlich zugänglichen Lehrmodelle im Zentrum Anatomie zur Entwicklung des Menschen während der ersten acht Wochen.

Blechschmidt machte in seinen Publikationen praktisch keine Angaben über die Herkunft und Gewinnung der zugrundeliegenden Präparate. Er wird seit mindestens den 1980er Jahren und bis heute beschuldigt, sein ‚Forschungsmaterial‘ aus Unrechtskontexten gewonnen zu haben – insbesondere in den ersten Jahren seiner Göttinger Tätigkeit während des Nationalsozialismus. Beweise dafür existieren bislang nicht.

Aufgabe des gemeinsam von Zentraler Kustodie, Zentrum Anatomie und Medizinischer Fakultät finanzierten Projektes ist es, diesen Anschuldigungen nachzugehen und eine umfassende Dokumentation der Schnittserien, ihrer Gewinnung, Integration in die Sammlung und nicht zuletzt Nutzung vorzulegen. Die breite Quellenbasis hierfür umfasst neben den Präparaten, ihren Metadaten und zugehörigen dokumentarischen Fotografien unter anderem eine umfangreiche Institutsüberlieferung, Archivalien aus Hochschul- und staatlichen Archiven sowie nicht zuletzt Zeitzeuginnen und -zeugen.