Überblick über das Fach Turkologie/ Zentralasienkunde

Turkologie ist die Wissenschaft von den türkischen Sprachen und Literaturen in Vergangenheit und Gegenwart. Gegenwärtig geht man von etwa 125 Millionen Sprechern türkischer Idiome weltweit aus. Die Verbreitung der Türksprachen reicht vom Balkan und Nordwesteuropa (Polen, Litauen) über die riesigen Gebiete der GUS, im Süden über die moderne Türkei und den Kaukasus, über den Iran, Afghanistan und Zentralasien bis nach Süd- und Nordost-Sibirien. Die zahlenmäßig größte Gruppe von Sprechern ist das Türkeitürkische, gefolgt vom Aserbaidschanischen und Usbekischen. Viele kleinere Türksprachen sind dagegen vom Sprachtod bedroht.
Die Turkologie kombiniert je nach Art der Quellen, die sie untersucht, unterschiedliche Methoden und Herangehensweisen an ihr Material. Sie hat es vorwiegend mit Texten zu tun, die es in Edition und Übersetzung zu erschließen gilt. Diese Texte können Inschriften, Handschriften, Blockdrucke, moderne Druckwerke oder auch mündlich überlieferte Epen und Gesänge sein. Der turkologischen Forschung geht es darum, diese Texte sprachwissenschaftlich zu erschließen, zu verstehen und in ihren historischen Zusammenhang einzuordnen. Sie kombiniert hierbei auch literaturwissenschaftliche, religionswissenschaftliche, allgemein historische und weitere kulturwissenschaftliche Methoden. Die Quellen, die in türkischen Sprachen verfasst wurden, reichen bis in das 7. Jahrhundert zurück, wobei wirklich substanzielle Zeugnisse erst für die 30er Jahre des 8. Jahrhunderts in Gestalt der Orhon-Inschriften aus der Mongolei vorliegen, die in der so genannten Runenschrift geschrieben wurden. Reiche alttürkische Handschriftenfunde stammen aus der Turfan-Oase an der Seidenstraße (9.-14. Jh.). Türkische Quellen liegen in einer Vielzahl von unterschiedlichen Schriftsystemen vor. Da die Türkvölker im Laufe ihrer Geschichte einer Vielzahl von Religionen anhingen (alttürkische Religion, Buddhismus, nestorianisches Christentum, Manichäismus, Judentum, Islam) ist die Terminologie dieser Religionen auch in die jeweilige Literatur eingeflossen. Diese Bezüge gilt es herauszuarbeiten. Daneben gibt es noch die linguistisch arbeitende Turkologie, die in ihren Methoden der allgemeinen Linguistik weitgehend folgt.



Das Studium der Turkologie und Zentralasienkunde

An der Universität Göttingen kann man das Fach Turkologie im Rahmen eines Zwei-Fächer-Bachelor-Studiengangs studieren, wobei der Schwerpunkt auf der Sprachausbildung im Türkeitürkischen liegt. Daneben spielen der Erwerb von Kenntnissen einer weiteren, zentralasiatischen Türksprache sowie die Aneignung landeskundlicher, literaturwissenschaftlicher und historischer Kenntnisse eine wichtige Rolle. Der sich daran anschließende Master-Studiengang setzt wieder andere Schwerpunkte. Hier steht die Vermittlung philologischer Fertigkeiten und sprachhistorischer Kenntnisse im Mittelpunkt, wobei besonderes Gewicht dem Alttürkischen, Mitteltürkischen und dem klassischen Mongolischen zukommt.