Theologische Fakultät

Altes Testament

Geschichte der Lehrstühle

Die Anfänge des alttestamentlichen Seminars liegen in der Philosophischen Fakultät. Hier gab es zuerst einen, seit 1848 zwei Lehrstühle für Orientalia und Biblische Wissenschaften. Den einen hatten, der Reihe nach, Johann David Michaelis, Johann Gottfried Eichhorn, Heinrich Ewald, Paul de Lagarde und Julius Wellhausen, den zweiten Ernst Bertheau und Rudolf Smend d.Ä. inne. Die Vertretung des Fachs an der Theologischen Fakultät (z.B. H. Schultz 1876-1903) fiel dagegen nicht ins Gewicht.

Anlässlich der Nachfolge Smend wurde - nach dem Vorbild anderer Universitäten - der zweite Lehrstuhl im Jahre 1914 an die Theologische Fakultät verlegt. Auf Bertheau und Smend folgten hier Alfred Bertholet (1914-1928), Johannes Hempel (1928-1937), Friedrich Baumgärtel (1937-1941), Gerhard v. Rad (1946-1949), Walther Zimmerli (1951-1975), Lothar Perlitt (1975-1995) und Reinhard Gregor Kratz (seit 1995).

An der Theologischen Fakultät stand dem alttestamentlichen Ordinariat von Anfang an eine persönliche Professur zur Seite (Alfred Rahlfs). Die Stelle wurde seit 1935 nicht wieder besetzt. Erst 1955 wurde ein zweiter ordentlicher Lehrstuhl eingerichtet, den nach Kurt Galling (1955-1962), Herbert Donner (1964-1968) und Rudolf Smend d.J. (1971-1998) gegenwärtig Hermann Spieckermann (seit 1999) innehat.

Außer den beiden Lehrstühlen befinden sich an der Theologischen Fakultät noch eine Professur für Altes Testament unter besonderer Berücksichtigung der Septuaginta- oder Qumran-Forschung (Robert Hanhart 1977-1990; Anneli Aejmelaeus 1991-2009), die künftig mit Nachwuchsforschern besetzt wird, eine frühere Professur, jetzt Lektorenstelle für Biblische Theologie (Erik Aurelius 1996-2004; seit 2005 Karin Schöpflin) sowie die Lektorenstelle für Biblisches Hebräisch und semitische Sprachen (Thilo Alexander Rudnig).


Forschung und Lehre

Beide Lehrstühle vertreten das Fach Altes Testament in seiner ganzen Breite. Besondere Forschungsprofile ergeben sich durch die Besetzung.

Die Schwerpunkte des einen Lehrstuhls (R. Kratz) liegen auf der Literatur- und Theologiegeschichte des Alten Testaments, bes. der Prophetenbücher (Einleitung), sowie auf der Geschichte Israels und des Judentums in persischer und hellenistischer Zeit. Am Lehrstuhl ist die Abteilung für Qumranforschung angesiedelt.

Der zweite Lehrstuhl (H. Spieckermann) hat seine Schwerpunkte bei der Theologie des Alten Testaments, dem Psalter und der Weisheit sowie der altorientalischen und antiken Religionsgeschichte.

Septuaginta-Forschung (Göttinger Septuaginta-Edition), Quman-Forschung (Qumran-Wörterbuch u.a.), Biblische Theologie und die verschiedenen Spezialgebiete der Emeriti (R. Hanhart, R. Smend) sowie der Lektoren, Privatdozenten, Assistenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter komplettieren das Angebot in Forschung und Lehre.

Dem Seminar ist das Centrum Orbis Orientalis et Occidentalis (Zentrum für Antike und Orient(alische Kulturen) angeschlossen, das gemeinsam von der Akademie der Wissenschaften und der Universität Göttingen getragen wird und in dem sowohl diverse Forschungsprojekte als auch das Studium der alten Sprachen und Kulturen koordiniert wird.


Studienaufbau

Das Fach Altes Testament wird in folgenden Studiengängen gelehrt:


  • Ev. Theologie mit Abschlussziel Kirchl. Examen od. Diplom
  • Ev. Religion für das Lehramt an Gymnasien
  • Orientalische Philologie (Hebraistik)
  • Altorientalistik



Turnusgemäß wird in jedem Semester eine der drei Überblicksvorlesungen Geschichte Israels, Einleitung in das Alte Testament und Theologie des AT gelesen, daneben eine exegetische Hauptvorlesung, die eines der zentralen biblischen Bücher behandelt. Überblicks- und Hauptvorlesungen sind so angelegt, daß sie von Studierenden sämtlicher Studiengänge (auch ohne Hebräischkenntnisse) besucht werden können.

Im Grundstudium bis zur Zwischenprüfung werden der Hebräischkurs, das Proseminar und die drei Überblicksvorlesungen angeboten, im Wechsel mit der Stelle für Biblische Theologie auch Seminare für Studierende ohne Hebräischkenntnisse.

Im Hauptstudium umfasst das Angebot die exegetischen Hauptvorlesungen, Hauptseminare zu alttestamentlichen Themen und Texten, Übungen zu Spezialgebieten der alttestamentlichen Wissenschaft, Repetitorien für Examenskandidaten sowie weiterführende Sprachkurse (Hebräisch-Lektüre od. Hebräisch II, Aramäisch, Ugaritisch; u.a.).

Das Oberseminar behandelt die Themen laufender Dissertations- und Habilitationsprojekte sowie aktuelle Fragen der alttestamentlichen Wissenschaft.