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Events : Nepal - Bilder einer Mönchsweihe




Type of event Ausstellung
Title of the event Nepal - Bilder einer Mönchsweihe
Row Sonntagsspaziergänge durch Sammlungen und Museen der Universität
Shortdescription Das Königreich Nepal gehört seit zweitausend Jahren zur kulturellen Einflusssphäre Indiens und ist insofern hinduistisch geprägt. Doch innerhalb der aus über 100 ethnischen Gruppen bestehenden Gesellschaft ist bis heute auch der Buddhismus sehr lebendig.

Den im Kathmandu-Tal lebenden Newar gelang es in ihrer langen Geschichte auf dynamische Weise, Buddhismus und Hinduismus in ihre ursprünglichen lokalen Glaubenstraditionen und kulturellen Eigenarten zu integrieren und miteinander zu verschmelzen, was sich heute immer noch an zahlreichen Kloster- und Tempelanlagen dokumentieren lässt.

Im Zuge von Landreformen und damit einhergehenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen erlebte Nepal zwar während der letzten 40 Jahre einen gesellschaftlichen Wandel, der vordergründig zu einer Säkularisierung des alltäglichen Lebens zu führen schien. Buddhistische Klöster der Newar im Kathmandu-Tal begannen zu verfallen, religiöse Traditionen und Praktiken verlagerten sich zunehmend aus dem geregelten Zusammenspiel der Klöster und der Gemeinwesen in die Privatsphäre der Haushalte und der Familien. Dienten buddhistische Heiligtümer und Rituale einst dazu, dem Leben in Stadt und Land eine innere Ordnung, Stabilität und kulturelle Identität zu verleihen, bestimmten nun individuelle Interessen mehr und mehr das öffentliche Bewusstsein.

In den letzten Jahren aber ist eine gegenläufige Tendenz in der Gesellschaft zu beobachten. In Konkurrenz zu dem aus Thailand vordringenden und sich breiten nepalesischen Bevölkerungsgruppen öffnenden Theravada-Buddhismus aus Südostasien setzte auch für den Newar-Buddhismus eine Renaissance ein. Sie geht einher mit einer zunehmenden Lockerung religiöser Regelungen und einer Öffnung ritueller Praktiken nach außen.

Die buddhistische Klosterkultur ist wieder erblüht. Einige Klosterstätten in Lalitpur und Kathmandu bieten mittlerweile regelmäßig Meditations- und Lehrstunden zur buddhistischen Praxis für Menschen aus allen Schichten der Newar an. Es ist aber auch zu erkennen, dass sich zwei Arten von Mönchskasten herausgebildet haben, die jeweils in unterschiedlichen monastischen Institutionen leben: Die eine Kaste von Mönchen lehrt tantrische Aspekte des Mahāyāna-Buddhismus. Diese Mönche, vajracarya genannt, erhalten bis heute neben der Ordination auch eine geheime Weihe. Sie leben in den sogenannten baha- bzw. bahal- Klöstern. Dabei handelt es sich um Klosterhöfe, die in den Städten liegen.
Die andere Kaste ist die der sakya, welche die Tradition und Ritual-Praxis des nicht-geheimen bzw. nicht-tantrischen Mahāyāna-Buddhismus pflegen. Sie leben in den bahi-Klöstern, d.h. Klosterschulen, die außerhalb der Städte liegen. Bei ihnen wird die Öffnung buddhistischen Rituallebens besonders deutlich. Sie spiegelt sich vor allem im öffentlichen Vollzug des Initiationsrituals für Jungen, nämlich die Aufnahme in die Mönchsgemeinde Sangah wieder.
Früher im Verborgenen abgehalten, wird sie heute unter einem großen öffentlichen Interesse inmitten der versammelten Gemeinde vollzogen. Jede traditionelle Berufsgruppe trägt ihren Anteil am Gelingen des Ganzen.
In der Ritual-Praxis der sakya-Mönche zeigt sich die „Verkastung“ des Mönchstandes durch die Aufgabe des Zölibats ganz besonders. In ihren bahi-Klöstern entwickelte sich der Brauch, die Mitgliedschaft nur an Söhne von ordinierten Mönchen zu vererben. So bleiben die Klöster im Besitz bestimmter Familien und so kommt es, dass die Newar-Mönche gleichzeitig Familienväter sind und der Mönchstand vererbbar und damit exklusiv geworden ist.

Dem Besucher der Foto-Ausstellung wird die Gelegenheit geboten, das Initiationsritual zur Aufnahme in dieses „Haushalter-Mönchstum“ in seinem gesamten Ablauf kennen zu lernen und nachvollziehen zu können. Fotos, einige ausgewählte Exponate und (audiovisuelle) Installationen verbinden sich zu einer Anschaulichkeit des Geschehens, die dem Betrachter eine eindrucksvolle Vorstellung vom heutigen buddhistischen Leben in Nepal liefert.

Die Ausstellung entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung „Ausstellungspraxis“ unter Leitung von Dr. Gundolf Krüger und unter Mitwirkung des Ethnologen Dr. Michael Mühlich aus Frankfurt/Main. Vom Nepal-Experten Mühlich, der in den 1990er Jahren Forschungen in Nepal durchgeführt hat, die von DAAD und DFG gefördert wurden, stammen auch die für die Ausstellung zur Verfügung gestellten Bilder.

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
Date Start: 29.05.2011, 10:00 Uhr
Ende: 29.05.2011 , 13:00 Uhr
Location Ethnologische Sammlung, Theaterplatz 15
Organizer Institut für Ethnologie der Universität Göttingen
Contact 0551 39-7891 und 39-7895
Registration required nein
File attachment Plak_Moenchsweihe_A2_04_2011_v3.pdf