Institut für Regionalforschung e.V.

LEIHARBEIT:




21/01/2013:
Leiharbeit erreicht in der ersten Jahreshälfte 2012 Vorjahresniveau

Seit den Arbeitsmarktderegulierungen durch die Hartz-Reformen der damaligen rot-grünen Regierungskoalition hat sich Leiharbeitsbeschäftigung stark ausgeweitet. Nach Höchstständen im Sommer 2011 hatte in der zweiten Jahreshälfte 2011 dann insgesamt ein Nachlassen der Wachstumsdynamik eingesetzt (siehe 20.07.2012). Die heute veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigen den Trend für die erste Jahreshälfte 2012. Sie zeigen eine Verfestigung auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Nach Angaben der Statistik zur Arbeitnehmerüberlassung hat die BA im Juni 2012 gut 908.113 Leiharbeitsbeschäftigte in insgesamt 18.500 Verleihbetrieben gezählt. Damit ist in etwa das Niveau des Vorjahresmonats von 909.545 Leiharbeitsbeschäftigten erreicht worden.

Die Zahl der Verleihbetriebe mit einer Erlaubnis zur gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung ist nach Angaben der BA dagegen im Vorjahresvergleich mit einem Plus von 1.100 um sechs Prozent gestiegen und hat ein Rekordniveau erreicht.

Für die zweite Jahreshälfte 2012 kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Leiharbeiter kaum noch steigen, evtl. sogar leicht sinken wird, da sich die konjunkturelle Lage in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschlechtert hat. Leiharbeiter bekommen dies umgehend zu spüren, da sie die ersten sind, die im Zuge der sich abkühlenden Konjunktur entlassen werden. Inwieweit die Unternehmen der Metall- und Elektro- sowie der Chemieindustrie wegen der seit Anfang November geltenden Branchenzuschläge beim Einsatz von Leiharbeitern (siehe 22.05.2012 und 20.06.2012) zurückhaltender vorgehen und auf das Billiglohnmodell Werkverträge (siehe 27.11.2012 und 25.01.2012) ausweichen, ist dagegen unklar.

Trotz Mindestlohn (siehe 20.12.2011) und Branchenzuschlägen bleibt Leiharbeit weiterhin ein lohnendes Geschäft, das allein durch eine mäßige Verringerung der Personalkostenersparnis seine grundsätzliche Attraktivität für Unternehmen nicht verlieren wird. Wahrscheinlich ist allerdings, dass Leiharbeiter von den Unternehmen künftig noch häufiger mit dem Ziel ausgetauscht werden, die Lohnzuschläge zu umgehen. Bereits vor der Einführung von Branchenzuschlägen endete fast die Hälfte der Beschäftigungsverhältnisse in Zeitarbeit nach weniger als drei Monaten.

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit (2013): Arbeitnehmerüberlassung, Leiharbeitnehmer und Verleihbetriebe, Nürnberg (Juli 2012).

Weiterlesen:
Bundesagentur für Arbeit (2013): Arbeitsmarktberichterstattung: Der Arbeitsmarkt in Deutschland, Zeitarbeit in Deutschland – Aktuelle Entwicklungen, Nürnberg.

Netzwerk Gewerkschaftslinke (2013): Netzwerk-Info Extra: Leiharbeitstarifverträge (Januar 2013).