Kunstgeschichtliches Seminar

Kunstwerk des Monats im August 2008


03. August 2008
"Tiroler Bauernpaar" von Maximilian Wachsmuth, um 1900
Vorgestellt von: Dr. Gerd Unverfehrt

Maximilian Wachsmuth: Tiroler BauernpaarIm Februar 2008 verstarb Ilse Walter. Die pensionierte Professorin der Pädagogischen Hochschule Göttingen hinterließ der Kunstsammlung der Universität einige Werke, darunter das heute vorzustellende Gemälde: Ein als Tiroler Bauernpaar bezeichnetes, um 1900 entstandenes Bild, das ein zärtlich tändelndes Pärchen in enger und karger Bauernstube zeigt.

Der Maler dieses um 1900 entstandenen Bildes heißt Maximilian Wachsmuth. Geboren wurde er 1859 in Laßrönne bei Hannover. Er starb 1912. Wie sein ungleich bekannterer und gleichfalls nahe Hannover geborener Künstlerkollege Wilhelm Busch studierte er an der berühmten Münchner Akademie. Hier lernte er bei Nikolaus Gysis und Otto Seitz. Die großbürgerlich-modische Salonmalerei eines Karl Piloty oder Hans Makart beeindruckte ihn nicht. Vielmehr orientierte er sich an Werken Franz Defreggers und Wilhelm Leibls und schuf neben einigen Landschaftsbildern vor allem Darstellungen alpenländischen Genres: Auf der Alm, Besuch des Jägers, Bauernstube, Holzfäller und Mädchen, In der Schenke und ähnliches mehr.
Hatte die mächtige Bergwelt der Alpen Maler schon seit dem späten 18. Jahrhundert angezogen, so traten deren Bewohner erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Blick der Künstler. Vorausgegangen war mit der dem kleinbürgerlichen Alltag zugewandten Malerei des Biedermeier - Carl Spitzweg ist hier zu nennen - und dem Wiederaufleben der holländischen Genremalerei eine Besinnung auf das Einfache, das in der Malerei der Münchner eine eigenständig regionale Prägung erfährt.

Man mag die beschaulich heile Welt, die Wachsmuth und andere erschufen, ein Jahrhundert später in die Schublade "Kitsch" einsortieren. Tatsächlich offenbart sich in den dörflichen oder kleinstädtischen Idyllen Kritik am Moloch Großstadt, an Industrialisierung, an Entfremdung von der Natur, an Plüsch und Pomp - kurz: eine Zivilisationsmüdigkeit, wie sie Paul Gauguin von Paris nach Tahiti getrieben hat. Bayrische Maler flüchteten in ländliche Sentimentalität.

Dabei waren die Münchner Genremaler, was Stil und Technik anbelangt, keineswegs Revolutionäre. Die Akademie vermittelte solides malerisches Handwerk und verlangte naturalistische Genauigkeit. Bereits zur Entstehungszeit des Bildes verdrängte der von München ausgehende Jugendstil den Naturalismus, und schon ein Jahr vor dem Tod Wachsmuths gründeten Wassilij Kandinsky und Franz Marc ebenfalls in München die Künstlergruppe Blauer Reiter. In der Spanne zwischen Biedermeier und Klassischer Moderne füllt Wachsmuths Gemälde dank Ilse Walter eine Lücke in den Beständen der Kunstsammlung der Universität.