Historische Anthropologie und Humanökologie

Teilsammlung Mumien

Eine besondere Faszination üben die Mumien der Anthropologischen Sammlung aus. Allein dreizehn Mumien der Sammlung stammen aus dem präkolumbischen Südamerika und wurden der Sammlung als Dauerleihgabe vom Hamburger Völkerkundemuseum überlassen. Die kustodisch relevante Dokumentation, die z.B. über die genaue Herkunft Auskunft geben würde, ging in Hamburg in Folge der Bombardierungen während des 2. Weltkrieges verloren. Bei den südamerikanischen Mumien handelt es sich um intentional entstandene Trockenmumien, d.h. der Körper eines Leichnams wurde gezielt einer trockenen und gut durchlüfteten Umgebung exponiert, nicht regelhaft wurden die Eingeweide entnommen. Am Ende dieses Prozesses wurde der getrocknete Körper häufig entweder allein oder mit weiteren Toten zusammen mit einen Sack aus Pflanzenfasern umhüllt und dieser mit pflanzlichen Materialien verfüllt. Wurde nur eine Mumie in dieser Weise umhüllt, so ist meist noch der Kopf zu sehen, sind mehrere Mumien gemeinsam umhüllt (Mumienbündel oder Mumienballen), so wurde dem Bündel häufig ein Scheinkopf aufgesetzt.
Noch etwas aufwändiger wurden die beiden ägyptischen Mumien der Sammlung hergestellt. Hier wurden dem Leichnam die Eingeweide einschließlich des Gehirns entnommen, die Körper im Anschluss einer Reihe chemisch-konservierender Prozesse unterzogen. Schließlich erfolgte die Bandagierung der Leiche. Bei sozial hochgestellten Personen wurden für die Bestattung Schmuckelemente wie z.B. aufwendige Brustschilde und Sarkophag angefertigt.
Mumifikation als Teil der Bestattungssitte ist auch aus anderen Teilen der Welt und zu anderen Zeiten bekannt. Vergleichsweise einfache Mumifikationen durch Trocknung waren auch in der zahlenmäßig kleinen Bevölkerung der Guanchen im vorspanischen Teneriffa verbreitet. In der Anthropologischen Sammlung befindet sich eine der weltweit sehr seltenen Guanchenmumien. Der unbekleidete Körper ist in ein großes Ledertuch, das vermutlich aus Ziegenhäuten gefertigt wurde, eingehüllt.
Insbesondere die ägyptischen Mumien der Sammlung und die Guanchenmumie sind nachgefragte Objekte im Rahmen nationaler und internationaler Ausstellungen. Sie waren daher schon mehrfach entliehen, so beispielsweise 2009/10 in die Mumienausstellung des Naturkunde- und Sepulkralmuseums in Kassel, 2012 in die Ausstellung der Göttinger Universität „Dinge des Wissens“ und 2016 in das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim. Eine weitere Anfrage für eine außereuropäische Ausstellung in 2018/19 liegt vor.