Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft

Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft



Das von der DFG geförderte Projekt „Das Herstellen von Plausibilität in Interpretationstexten. Untersuchungen zur Argumentationspraxis in der Literaturwissenschaft“ erforscht die argumentative Praxis des literaturwissenschaftlichen Interpretierens.

Anhand von ca. 100 Interpretationen, die zwischen 1995 und 2015 in philologischen Fachpublikationen erschienen sind, soll untersucht werden, welche Strategien in Interpretationstexten eingesetzt werden, um Thesen zu plausibilisieren. Die beiden Teilkorporasetzen sich aus Interpretationen zu zwei kanonischen und vielinterpretierten Erzähltexten der deutschen Literatur zusammen: Annette von Droste-Hülshoffs „Die Judenbuche“ und Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“.

Das praxeologisch ausgerichtete Projekt greift Studien der 1970er-Jahre auf, verbindet sie aber mit aktuellen Konzepten des Argumentierens als einer sozialen Praxis. Es entwickelt ein eigenes kriteriengestütztes Verfahren auf hermeneutischer Basis, das die Argumentationsstruktur der Texte unter systematischer Berücksichtigung der verwendeten Darstellungsmittel erfasst. Das Projekt soll dazu beitragen, genauere Kenntnisse über eine besonders wichtige und funktionierende, aber kaum erforschte Praktik des Erzeugens und Vermittelns von Wissen in der Literaturwissenschaft zu gewinnen und implizite Regeln offenzulegen, die fach- oder bereichsspezifisch gelten. Ein positiver Nebeneffekt dieser Kenntnisse könnte die Verbesserung der innerfachlichen Kommunikation über argumentative Praktiken sein.