Geschichte

Der Alte Botanische Garten ist so alt wie die Universität Göttingen selbst und befindet sich noch immer am gleichen Ort. Er wurde 1736 als "hortus medicus" gegründet, denn Botanik ("Kräuterkunde") war damals vor allem Heilpflanzenkunde und wurde von Ärzten und Apothekern betrieben. Gründer und von 1736 bis 1753 Direktor des Gartens war der berühmte Mediziner, Botaniker und Dichter ALBRECHT VON HALLER (1708-1777), der in den Alpen und im Harz Pflanzen für den Botanischen Garten sammelte und wenige Jahre nach der Gründung auch einen ersten "Gewächs-Saal" errichten ließ.
Mit dem Interesse an Kolonialwaren und den Entdeckungsreisen in ferne Weltgegenden wurden Botanische Gärten zu Auffangstationen für zahllose exotische Pflanzen, die der Wissenschaft noch unbekannt waren, und die Botanik entwickelte sich von der Hilfswissenschaft der Medizin zur Lehre von Bau und Leben der Pflanze und der Vielfalt der Pflanzenarten. Botanische Gärten trugen erheblich zu dieser Entwicklung bei. Der Botanische Garten Göttingen hatte von jeher besonders artenreiche Sammlungen, und so mussten bis Mitte des 19. Jahrhunderts mehrfach angrenzende Grundstücke dazugekauft werden, zunächst innerhalb, später auch außerhalb des Stadtwalls. 3 Tunnel verbinden den Gewächshausbereich mit den Freiland jenseits des Walles.

Aus dem 19. Jahrhundert stammen auch die meisten Gewächshäuser: Regenwaldhaus, Cycadeenhaus und Orangerie stehen auf Mauern von 1806, um 1830 wurden Erikenhaus und Araceenhaus errichtet, das Farnhaus 1857.
Eine besondere Blüte erlebte der Garten unter Prof. ALBERT PETER (Direktor 1888-1923) und Gartenmeister CARL BONSTEDT (Garteninspektor 1900-1931): Das Alpinum, der große Teich, das Farnstück, das erste Viktoriahaus und die Umgestaltung des damaligen Überwinterungshauses gehen auf Bonstedt zurück, und noch heute trägt eine beliebte Fuchsiensorte seinen Namen.
Nach teilweiser Zerstörung der Sammlungen tropischer Pflanzen im zweiten Weltkrieg sorgte JOHANN HEROLD (Garteninspektor 1940-1964) dafür, dass sich die historischen Gewächshäuser wieder mit Pflanzenschätzen aus aller Herren Länder füllten. Dr. GÜNTHER DERSCH (Gartenleiter 1965-1993) baute vor allem die Sammlung mitteleuropäischer Wildpflanzen aus. Seit seiner Amtszeit wird streng darauf geachtet, dokumentierte Wildherkünfte in Kultur zu erhalten und so einen Beitrag zum Bewahrung der bedrohten genetischen Vielfalt in Menschenobhut zu leisten.

Heute legt der Alte Botanische Garten großen Wert darauf, die kostbare wissenschaftliche Pflanzensammlungen zu erhalten und gleichzeitig durch innovative Ideen die Attraktivität des Gartens für die Öffentlichkeit zu steigern
1967, als nach den Plänen der damaligen Zeit die gesamten Naturwissenschaften in den Universitäts-Nordbereich verlegt werden sollten, wurde in Göttingen-Weende unter Prof. HEINZ ELLENBERG der Experimentelle Botanische Garten („Neuer Botanischer Garten“) gegründet. Heute bilden Alter und Neuer Botanischer Garten eine Einheit, deren Teile Hand in Hand arbeiten: Im Neuen Botanischen Garten kann der Besucher ausgedehnte Spaziergänge durch das Alpinum, Wälder Nordamerikas und Japans, Staudenanlagen, Blumenwiesen, einen Weinberg und einen Rosengarten unternehmen, und für ökologisch-pflanzensoziologische Forschung der Abteilung Ökologie und Ökosystemforschung stehen Freiflächen und klimatisierte Versuchsgewächshäuser zur Verfügung. Im Alten Botanischen Garten findet sich in Schau- und Sammlungshäusern nach wie vor eine große Vielfalt winterharter und tropischer Pflanzenarten, die für Lehre und Forschung der Abteilung Systematische Botanik intensiv genutzt werden.