In publica commoda

SCIENCE & ARTS

Veranstaltungsreihe „science & arts“ der Universität Göttingen beim Literaturherbst

Die Universität Göttingen ist auch in diesem Jahr mit vier Veranstaltungen in der Reihe „science & arts“ beim Göttinger Literaturherbst vertreten. Die Reihe betrachtet Kunst und Wissenschaft aus verschiedenen Blickwinkeln und bringt die Disziplinen miteinander ins Gespräch.

Den Auftakt bilden am Sonnabend, 19. Oktober 2019, das Gespräch zur Ausstellungseröffnung „Brandenburger Notizen: Fontane – Krüger – Kienzle“ um 15 Uhr im Foyer der Zentralbibliothek der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek und die Vorstellung von „Freuds Dinge“ mit Lothar Müller um 19 Uhr im Auditorium:

2017 setzte sich der Berliner Fotograf Lorenz Kienzle auf sein Fahrrad, die Plattenkamera in den Satteltaschen, und los ging es: an die Orte in der Mark Brandenburg, die Fontane beschrieben und Heinz Krüger bereits in den 60ern in der DDR fotografiert hat. 19. Jahrhundert meets DDR meets ostdeutsche Gegenwart. In der Ausstellung werden Aufnahmen beider Fotografen kombiniert mit Auszügen aus Fontanes Notizbüchern gezeigt, dem Rohmaterial zu den Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Zur Ausstellungseröffnung sprechen Lorenz Kienzle und Dr. Gabriele Radecke, die Leiterin der Fontane-Arbeitsstelle an der Universität Göttingen, über dieses Geflecht von Bezügen und die große digitale Fontane-Edition, die hier in Göttingen entsteht. Die Ausstellung kann vom 19. Oktober bis 19. November 2019 zu den Öffnungszeiten der Zentralbibliothek der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek am Platz der Göttinger Sieben (Montag bis Freitag von 8 bis 24 Uhr, Sonnabend und Sonntag von 9 bis 22 Uhr) kostenfrei besucht werden.

Um 19 Uhr geht es am selben Tag im Auditorium um Freuds Dinge. „Der Diwan, die Apollokerzen und die Seele im technischen Zeitalter“ hat der Autor und SZ-Journalist Lothar Müller für sein Buch über die Objekt- und Dingwelten bei Freud als Untertitel gesetzt. Verdrängtes aufdecken, Unbewusstes entziffern – dafür steht Sigmund Freud. Freuds Dinge, die seine Gegenwart prägten und eine wesentliche Rolle in seiner Arbeit einnahmen, rückt Müller nun ins Zentrum seines gleichnamigen Buches (Die Andere Bibliothek 2019). Müller versucht »die feinen Fäden sichtbar zu machen«, die die Deutungsstrategien Freuds mit den vielen neuen und alten Dingen verbanden, die Industrialisierung und Kolonialisierung hervorbrachten. Gesprächspartnerin ist Prof. Dr. Rebekka Habermas, Professorin an der Universität Göttingen und Expertin für das 19. Jahrhundert. Es moderiert die Direktorin der Zentralen Kustodie Marie Luisa Allemeyer.

Am Sonntag, 20. Oktober 2019, um 19 Uhr in der Alten Mensa sind der Filmemacher Andreas Christoph Schmidt und Felix Bohr zu Gast. Bohr, der heute als Journalist beim Spiegel arbeitet, hat mit "Die Kriegsverbrecherlobby" (Suhrkamp 2018) an der Universität Göttingen promoviert. Er untersucht darin die weitreichenden Netzwerke und die institutionelle Unterstützung durch die Bundesrepublik, derer sich im Ausland inhaftierte NS-Kriegsverbrecher lange sicher sein konnten. Im Gespräch mit dem Filmemacher und Grimme-Preis-Träger Andreas Christoph Schmidt wird es um Zeitzeugenschaft, Vergangenheitsbewältigung und die Kontinuitäten gehen, die das Wesen der Bundesrepublik mitgeprägt haben. Es moderiert Annelie Ramsbrock (Universität Göttingen / ZZF Potsdam).

Was hält eine Gesellschaft zusammen? Berthold Vogel, Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI) an der Universität Göttingen, hat mit Jens Kersten und Claudia Neu ein Buch über Demokratie und Bürokratie (Hamburger Edition 2019) geschrieben. Zudem ist er am Aufbau eines bundesweiten Instituts beteiligt, das sich Fragen sozialen Zusammenhalts widmet. Kann eine gute Verwaltung die Antwort auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft sein? Darüber diskutiert Vogel am Sonnabend, 26. Oktober 2019, um 19 Uhr in der Alten Mensa am Wilhelmsplatz mit Bernhard Reuter, Landrat des Landkreises Göttingen und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages. Es moderiert die Journalistin und Schriftstellerin Elke Schmitter (DER SPIEGEL). Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) statt.


Studierende erhalten mit dem Kulturticket freien Eintritt an der Abendkasse, soweit freie Plätze vorhanden sind.

Foto: Lorenz Kienzle, Kornspeicher, Gentzrode, 2018