Anna Spielvogel


Projektbeschreibung


Demokratische Halbwertszeiten. Zeitkonflikte und Fragen der demokratischen Legitimation in der Suche nach einem atomaren Endlager in Frankreich und der Bundesrepublik

Einen besonderen Grenzfall demokratischer Legitimation stellt die Suche nach einem atomaren Endlager dar. Das auf kurzfristige Wahlzyklen und etablierte Routinen ausgerichtete demokratische System wird hier mit Zeithorizonten von Jahrtausenden bis Jahrmillionen Jahren konfrontiert, die weit über die politische Gegenwart hinausreichen und sich somit der üblichen Logik demokratischer Rückkopplung weitgehend entziehen. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Dissertation aus vergleichender Perspektive für die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich, wie demokratische Legitimität unter Bedingungen extremer Langfristigkeit hergestellt wird, welche Zeitvorstellungen diesen Aushandlungsprozessen zugrunde liegen und welche Konflikte daraus entstehen. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von den 1960er- bis zum Beginn der 2000er-Jahre. Im Zentrum stehen dabei die Akteur:innen an der Schnittstelle von Staat, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, womit der Blick bewusst über die institutionellen Arenen der parlamentarischen Demokratien hinaus erweitert wird. Auf diese Weise verortet sich die Arbeit im Feld der neuen Politikgeschichte und zielt darauf ab, einen Beitrag zur historischen Erforschung demokratischer Legitimation sowie politischer Temporalitäten zu leisten.


Zur Person


  • Seit 2024 Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen und der Sorbonne Université Paris im Cotutelle-Verfahren
  • 2021–2024 M.A. in Romanistik, Schwerpunkt: französische Philologie und Geschichte
  • 2022 Erasmus -Semester an der Université de Pau et des Pays de l’Adour
  • 2018–2021 B.A. in Geschichte und französischer Philologie an der Georg-August-Universität Göttingen
  • 2016–2019 B.Sc. Psychologie an der Georg-August-Universität Göttingen


  • Seit 01/2026 Gastwissenschaftlerin am Deutschen Historischen Institut Paris
  • Seit 10/2025 Lehrbeauftragte am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte
  • Seit 06/2024 Mitglied der Gerda Henkel-Forschungsgruppe „Die Zeit der Demokratie“
  • 04/2024–09/2025 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft (Prof. Dr. Uta Helfrich)
  • 2023–2024 Lehrbeauftrage am Seminar für Romanische Philologie, Georg-August-Universität Göttingen
  • 2019–2022 Studentische Hilfskraft Abteilung Neuere und Neueste Geschichte, Georg-August Universität Göttingen (Prof. Dirk Schumann)


  • Seit 2024 Promotionsstipendium der Gerda-Henkel-Stiftung
  • Juli 2022 Fakultätspreis der Philosophischen Fakultät Göttingen, für die im August 2021 eingereichte Bachelorarbeit „Propaganda 4.0 in Zeiten der Coronakrise. Narrative Persuasionsstrategien der Partei Rassemblement National auf Twitter“ sowie herausragende Studienleistungen und gesellschaftliches Engagement
  • 2020–2024 Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
  • 2019–2020 Niedersachsenstipendium


Aufsätze

  • Die ‚Zukunft‘ als Argument. Temporale Argumentationstopoi in der parlamentarischen Debatte zur Endlagerung, in: Sprachwissenschaft 50, 1 (2025), S. 99–118.
  • Complex Topics Visually Decoded: A Multimodal Perspective on Infographics in Knowledge Transfer between Experts and Laypeople, in: Multimodal Communication 2025.
  • Overcoming Information overload in Climate Change Communication: Visual Storytelling through Infographics, in: Catellani, Andrea et al. (Hg.), An interdisciplinary approach to climate change. Perspectives from the social sciences and humanities. London/New York 2025, S. 117–135.

Rezensionen/Tagungsberichte

  • Anna Spielvogel / Marlene Draing, Tagungsbericht: „Konkurrenz – Repräsentation – Zusammenarbeit“. Historische Perspektiven auf 75 Jahre Fraktionen im Deutschen Bundestag, In: H-Soz-Kult, 25.07.2024, .


  • November 2025: Demokratisierung durch ‚Gegenexpertise‘. ‚Alternative‘ Wissensproduktion und politische Teilhabe im Kontext der bundesdeutschen und französischen Anti-Atomkraft-Bewegung (Tagung: „Die Demokratie (ab)schaffen“, 17. Atelier des deutsch-französischen Historikerkomitees in München)
  • Oktober 2025: Kleine Zeithorizonte für lange Zeiten. Die Entsorgungsplanung nuklearer Altlasten in der frühen BRD 1960-1972 („Rencontres quadrilaterales“ des deutsch-französischen Doktorandenseminars in Mainz)
  • Juni 2025: Projektvorstellung des Dissertationsprojektes „Demokratische Halbwertszeiten“ im Forschungskolloquium der Neueren und Neuesten Geschichte (Georg-August-Universität Göttingen)
  • Mai 2025: Unsichtbare Altlasten: Öffentliche Problemkonstruktion und mediales Framing im Kontext der Atommüllendlager-Debatte, gehalten auf dem Workshop „Neue Forschungen zur Demokratiegeschichte: Methoden – Ansätze Perspektiven“ (Georg-August-Universität Göttingen)
  • März 2025: Die ‚Zukunft‘ als Argument. Temporale Argumentationstopoi in der parlamentarischen Debatte zur Endlagerung, Politolinguistischen Nachwuchskolloquium der AG „Sprache und Politik“ (Universität Trier)
  • November 2022: „Innovation als Schlüssel zur Überwindung der Klimakrise? Eine linguistische Untersuchung des Innovationsbegriffes anhand der Greentech Innovation des französischen Umweltministeriums“, gehalten an der Universität Kassel im Rahmen der Ringvorlesung „Apokalypse & Apathie. Handlungs(un)fähigkeit im Kontext des Klimawandels“ der Climate-Thinking-AG


  • WS 2025/26 Soziale Bewegungen im Archiv. Der Anti-Atom-Protest in den Beständen des Archivs Deutsches Atomerbe (Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte, gemeinsam mit Philip Knäble)
  • SS 2023 Les femmes et la France (BA-Seminar, Frz. Landeswissenschaft)
  • WS 2022/23 Le populisme et climato-scepticisme en France (BA-Seminar, Frz. Landeswissenschaft)