Internationale Tagung „Uprooted Theories: When Literature Reclaims the Discourse of Ideas“ erfolgreich an der Sorbonne Nouvelle durchgeführt

Paris, 28.–29. Mai 2026

Die internationale wissenschaftliche Tagung „Uprooted Theories: When Literature Reclaims the Discourse of Ideas“ wurde am 28. und 29. Mai 2026 an der Université Sorbonne Nouvelle in Paris erfolgreich veranstaltet. Organisiert wurde die Konferenz gemeinsam von der Université Sorbonne Nouvelle, der East China Normal University (ECNU) und der Universität Göttingen.

Die Tagung widmete sich der Frage, wie Literatur theoretische Diskurse hervorbringt, transformiert und kritisch reflektiert. Dabei wurde Literatur nicht nur als Gegenstand theoretischer Analyse betrachtet, sondern als eigenständige Form des Denkens und der Wissensproduktion verstanden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Frankreich, China und Deutschland diskutierten in sieben thematischen Panels über das Verhältnis von Literatur, Theorie, Ästhetik, Erinnerung, Übersetzung, kulturellem Transfer sowie Zukunftsentwürfen in Literatur und digitalen Medien.

Die Universität Göttingen war mit einer besonders aktiven Delegation vertreten und übernahm sowohl organisatorische als auch wissenschaftliche Aufgaben. Prof. Dr. Matthias Freise leitete ein Panel zur Metafiktion und präsentierte einen Vortrag über literarische Formen der Vergangenheitsbeziehung anhand von Marcel Proust und Paul Verlaine. Dr. Nichita Kaufman stellte Überlegungen zur Fiktion als theoretischem Laboratorium vor und übernahm zudem die Leitung eines Panels zu kulturellen Transfers theoretischer Konzepte. PD Dr. Ksenia Kuzminykh untersuchte metanarrative Phänomene im globalen Diskurs aus narratologischer Perspektive.

Im Bereich der interkulturellen Literaturforschung analysierte Dr. Wang Xiaojing die Rezeption des Bachtinschen Dialogismus in der klassischen chinesischen Lyrik und leitete die abschließende Diskussion der Konferenz. Dr. Katja Freise widmete sich der metapoetischen Visualisierung literarischer Krisen und epochaler Umbrüche in Dornröschen-Märchen, während Dr. Gao Rui anhand von Erzählungen des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek die Beziehung zwischen Poesie und dem Motiv der „Idiotie“ untersuchte.

Ein besonderer Schwerpunkt der Tagung lag auf dem Dialog zwischen europäischen und chinesischen Wissens- und Literaturtraditionen. Die gemeinsamen Diskussionen zeigten, dass literarische Texte nicht lediglich bestehende Theorien illustrieren, sondern selbst neue Formen theoretischer Reflexion hervorbringen können. Die Konferenz bot damit ein innovatives Forum für die Neubestimmung des Verhältnisses von Literatur und Theorie im globalen Kontext.