Queere Literatur
An dieser Stelle soll Literatur vorgestellt werden, die unter dem Oberthema queere Literatur gefasst werden kann. Diese Zusammenstellung hat offenkundig keinen Anspruch darauf, ein solches Themenfeld voll zu umfassen, und erst recht nicht, ‚den Kanon‘ queerer Literatur abzubilden. Es soll auch keine ‚Gegen‘-Leseliste oder gar ein ‚Gegen‘-Kanon erstellt werden, sondern lediglich auf die Nicht-Repräsentation queerer Literatur in universitären Leselisten hingewiesen werden.
Was heißt aber eigentlich queere Literatur? Queer oder Queerness zu definieren, stellt sich als recht problematisch dar, denn übersetzt meint der Ausdruck so viel wie ‚komisch‘, ‚seltsam‘ oder ‚unwohl‘, wird aber heute vor allem als Gegenentwurf zum binären System der Heterosexualität verstanden. Damit umfasst ‚queer‘ alle geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen, die sich diesem System nicht zuordnen lassen (vgl. v. Pich-Lipinski 2018, S. 265f.; Degele 2008, S. 10ff.). Die Personen, die sich als queer verstehen, bestimmen sich also generell durch ihre gemeinsame Andersartigkeit (Laufenberg 2022, S. 12).
Queere Literatur kann vor diesem Hintergrund unterschiedlich verstanden werden: So können Werke gemeint sein, deren Autor:in sich als queer definiert oder definiert hat, solche, die ein queeres Thema behandeln, oder Werke, die queere Protagonist:innen haben. Müssen nun aber alle Faktoren zutreffen oder reicht einer? Was ist mit Autor:innen, die lesbisch oder schwul waren, sich aber nie als queer definiert haben und die diese Möglichkeit auch gar nicht hatten, da der Begriff noch nicht vorhanden war? Zählen Werke auch schon zu queerer Literatur, wenn nur eine marginale Nebenfigur als queer identifiziert werden könnte? Solche und viele weitere Fragen machen es nahezu unmöglich, queere Literatur klar abzugrenzen und trennscharf zu definieren. Daher soll hier die Offenheit, die der Begriff ‚queer‘ ohnehin bietet, genutzt und die Heterogenität der Literatur abgebildet werden, die als queer gelten könnte. So soll im Begleittext jedes Werkes deutlich gemacht werden, warum eben dieser Text der queeren Literatur zugeordnet werden kann.
Literaturangaben
- Degele, Nina: Gender/ Queer Studies. Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink 2008.
- Laufenberg, Mike: Queere Theorien zur Einführung. Hamburg: Junius 2022.
- v. Pich-Lipinski, Diana: Queere Gegenwartsliteratur im Kanonisierungsprozess? Wertungskriterien deutschsprachiger Zeitungsrezensionen. In: Gudrun Loster-Schneider / Maria Häusl / Stefan Horlacher / Susanne Schötz (Hg.): GenderGraduateProjects III – Grenzen, Grenzgänge, Transgressionen. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2018, S. 265–280.
Torben Henze (M.Edu.-Studierender)