Wie es unter der Rinde aussieht

Das Holz der Eibe besteht aus einem rotbraunen Kern, dem älteren Holz, das seine Transport- und Speicherfunktion verloren hat, und um diesen Kern herum aus dem gelblichen Splint, dem neuen Holz, das noch Assimilate (Nährstoffe) leitet, sich aber im Laufe der Zeit dem Kern anschließt (Schütt et al. 2004). Bei der Eibe ist die Splintholzschicht im Vergleich zu anderen Baumarten wie Ahorn und Esche relativ dünn (Abb. 13) (Raven et al. 2000). Außerdem ist das Holz harzfrei, weil die Eibe keine Harzkanäle besitzt (s. 2.1) (Schütt et al. 2004).

Stammscheibe einer 160jährigen Eibe
Abb. 13: Stammscheibe einer 160jährigen Eibe (Foto: C. Wolf)


Eibenholz zum Bogenbau

Die Eigenschaften von Eibenholz entsprechen gut den Anforderungen für Bogenholz. Aus diesem Grund wurde Eibenholz seit der Jungsteinzeit bis ins späte Mittelalter zum Bogenbau verwendet (s. 3.1) und wird auch heute noch für Sportbogen verwendet. Auch kommt der botanische Name „Taxus“ von dem griechischen Wort „toxon“ und bedeutet „Bogen“ (Bariska 1998).
Der Zimmermann Ansgar Morgenstern (Abb.14), der auch Bogen bauen kann, beschreibt die Vorteile von Eibenholz für den Bogenbau:

„Eibenholz weist zwei verschiedene Qualitäten auf.


Ansgar Morgenstern mit seinem Eibenbogen
Abb. 14: Ansgar Morgenstern mit seinem Eibenbogen

Das rote Kernholz ist auf Druck belastbar und hart, ich benutze es für den Innenteil des Bogens, der beim Spannen der Sehne den Druck aushalten muss. Das helle Splintholz ist auf Zug belastbar und elastisch, ich setze es für die Vorderseite des Bogens ein, da es dort die Spannung gut aushalten kann (Abb. 15).Wenn man Holz verwenden will, das nicht diese Eigenschaften hat, muss man oft verschiedene Hölzer zusammenleimen.“

Eibenbogen mit rotenm Kernholz und gelblichen Splintholz
Abb. 15: Eibenbogen mit rotem Kernholz und gelblichen Splintholz

Das besondere an Eibenholz ist, dass es die beiden Eigenschaften druckfestes Kernholz und dehnbares Splintholz von Natur aus in sich vereint hat.
So wurden z.B. in Innerasien, wo es kein Holz mit diesen Eigenschaften gab, zusammengesetzte Bögen, sogenannte Kompositbögen, gebaut, die mit Leim und Tiersehnen verstärkt wurden (www.gublerdani.ch).

Weitere Nutzung von Eibenholz

Wegen der großen Fäulnisresistenz wurde Eibenholz auch für Bauholz für den Wasserbau und zum Wagenbau verwendet. In altägyptischen Gräbern fand man Eibenholz-Särge und am Mondsee bronzezeitliche Pfahlbauten (Schütt et al. 2004). Eibenholz ist sehr schwer. Da die Maserung und die Farbkontraste auch optisch sehr interessant sind, wurde und wird Eibenholz sehr gern für Drechslerarbeiten (Abb.16) und für Holzschnitzereien verwendet. Im Möbelbau und für den Musikinstrumentenbau wurde es ebenfalls benutzt (www.sdw.de).
Weil Eibenholz heutzutage sehr selten und teuer ist, wird es nur noch von Liebhabern verwendet (Schütt et al. 2004).

Gedrechselter Handschmeichler aus Eibenholz
Abb. 16: Gedrechselter Handschmeichler aus Eibenholz