Ökologie

Klima- und Standortansprüche


Die Edelkastanie ist eine submediterrane bis subatlantische Baumart (Schütt et al. 2014). Sie ist wärmeliebend und benötigt ein wintermildes Klima mit ausreichend Niederschlägen (Mayer 1984). Für die Baumart sind nach Bottacci (1998) Jahresmitteltemperaturen zwischen +8 und +15°C geeignet, wobei das Temperaturmittel 6 Monate lang über 10°C liegen sollte. Gegenüber Früh- und Spätfrösten ist Castanea sativa sehr empfindlich (Stinglwagner et al. 2005). Der Bedarf an Niederschlägen liegt zwischen 600 bis 1600 mm pro Jahr (Bottacci 1998).

Castanea sativa ist eine Halbschattbaumart, die auf Standorten mit ausreichender Wärme eine Überschattung verträgt. Werden die Standortbedingungen ungünstiger, wie z.B. in nördlicheren Regionen, dann steigt das Lichtbedürfnis der Baumart (Mayer 1984; Ecker et al. 2006). Die Edelkastanie besitzt ähnliche Anforderungen an das Klima wie der Wein. Eine regelmäßige Esskastanienernte erfolgt meist nur in den Weinbaugebieten. Der Anbau der Edelkastanien stand stets in enger Verbindung mit dem Weinbau (Bouffier 2001). Daher stammt auch die Redensart: "Wenn`s gut Keschde gibt, gibt`s auch guten Wein" (Bouffier 2001). Der aktuell stattfindende Klimawandel schafft Bedingungen, die den Standortansprüchen der Edelkastanie entsprechen (Mettendorf 2007). So mindert die Klimaerwärmung z.B. das Risiko von Frostschäden (Lang 2007).
Als Standorte für ein gutes Wachstum der Edelkastanie eignen sich mäßig trockene bis frische Böden, die kalkarm bis mäßig sauer sind (Bouffier 2001). Die Böden sollten zudem locker und tiefgründig sein und einen höheren Kalium- und Phosphorgehalt aufweisen (Bottacci 1998).


Höhenvorkommen


In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet im Mittelmeerraum kommt die Edelkastanie in Höhenlagen zwischen 300 und 1800 m vor (Anonymus 1985). In der Mittelmeerregion kann Castanea sativa ab einer Höhe von ungefähr 400 m ausgedehnte Wälder bilden, da diese Vegetationsstufe ihren klimatischen Ansprüchen entspricht (Röhrig 1980). Edelkastanien wachsen in den tieferen Lagen auch häufig in Gesellschaft mit einigen Eichenarten, wie z.B. Zerr-Eiche, Flaum-Eiche und Pyrenäen-Eiche (Röhrig 1980; Anonymus 1985). Außerdem kommen in solchen Mischwäldern weitere Laubbäume wie z.B. Europäische Hopfenbuche, Französischer Ahorn, Blumen-Esche oder Silber-Linde vor (Röhrig 1980).


Ökologische Bedeutung der Edelkastanie


Edelkastanien produzieren eine relativ kaliumreiche Laubstreu, die nur langsam abgebaut wird (Mayer 1984). Damit verbessert das Laub den Nährstoffgehalt der Waldböden (Maurer 2003). Eine weitere Auswirkung von Castanea sativa auf den Boden beruht nach Bouffier (2001) auf ihrem ausgeprägten Wurzelsystem. Die Wurzeln schützen den Boden vor Erosion, weshalb die Baumart auch als Bodenschutzgehölz gilt. Das Wurzelsystem bewirkt außerdem eine hohe Sturmfestigkeit der Edelkastanie (Bouffier 2001). Durch diese Eigenschaft eignet sich Castanea sativa als Sturmschutz für den Aufbau von Waldmänteln (Anonymus 1985).

Die Edelkastanie schafft nach Segatz (2013) einen Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen. So bildet die Baumart z.B. eine strukturreiche Borke, die von vielen Algen, Moosen, Flechten und Insektenarten besiedelt wird (Segatz 2013). Viele alte Edelkastanien haben häufig einen hohlen Stamm. Dieser Hohlraum entsteht primär durch Pilze, die das Kernholz abbauen. Es bilden sich Großhöhlen an der Stammbasis, die auch größeren Säugetieren einen Rückzugsort bieten. Wildkatzen zum Beispiel nehmen solche Baumhöhlen gerne als Wurfplätze an (Segatz 2013). Eine solche Großhöhle in dem Stamm einer Edelkastanie zeigt Abbildung 13.


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Abbildung 13: Großhöhle in einem Stamm von Castanea sativa
(Foto: E. Segatz / FAWF Rheinland-Pfalz)



Dort, wo abgestorbene Stammbereiche mit feuchtem Boden in Kontakt kommen, entstehen nach Segatz (2013) eine Vielzahl von Kleinstlebensräumen z.B. für Totholzkäfer. Für viele Arten von Lebewesen bieten strukturreiche Edelkastanienwälder mit einem hohen Totholzanteil ähnliche Lebensraumbedingungen wie alte Eichenbestände (Segatz 2013).